Nach Alter · 1–2 Jahre
Die besten Kinderbücher für 1- bis 2-Jährige
6 Min. Lesezeit4 Quellen5 Bücher

Im zweiten Lebensjahr passiert beim Bücheranschauen ein stiller, aber grundlegender Wechsel. Neun Monate alte Kinder greifen noch nach abgebildeten Gegenständen, als ließen sie sich aus der Seite herausnehmen. Mit etwa eineinhalb Jahren zeigen sie stattdessen darauf.
Das ist der Moment, in dem ein Bild aufhört, ein Gegenstand zu sein, und anfängt, ein Zeichen zu sein. Erst ab hier ist ein Bilderbuch wirklich ein Buch.
Entsprechend sieht die Hauptaktivität aus: zeigen, benennen, wiederfinden. Nicht erzählen.
Was in diesem Jahr passiert
- Bilder werden zu Zeichen. Ab etwa eineinhalb Jahren erkennen Kinder Bilder als solche, werden aufmerksame Zuhörer und können Abgebildetes benennen.
- Klappen üben Objektpermanenz. Bücher, hinter deren Klappen sich Motive verbergen, trainieren genau die Einsicht, dass etwas weiter existiert, obwohl man es nicht sieht.
- Der Wortschatz wächst stetig – das erste Wort kommt meist um den ersten Geburtstag, danach kommen laufend neue dazu.
- Wiederholung ist erwünscht. Kinder wollen dasselbe Buch immer wieder anschauen und werden dadurch mit Klang und Betonung einzelner Wörter vertraut.
Fünf Bücher für dieses Jahr
Keine Rangfolge. Die Liste ist bewusst kurz – im zweiten Lebensjahr entscheidet die Form (Klappe, Pappe, Wimmelbild) oft mehr als der Titel.
- 01
Winter-Wimmelbuch
Rotraut Susanne Berner · Gerstenberg Verlag, 2003 · ab 2 Jahren
Wortlos, voller Figuren, die man über mehrere Seiten wiederfindet. Zeigen und Benennen ist die Hauptaktivität dieser Phase – und ein Wimmelbuch besteht aus nichts anderem. Es wächst mit: Mit vier entdeckt dasselbe Kind die durchlaufenden Geschichten.
- 02
ministeps: Kleine Ente, wo bist du?
Doris Rübel · Ravensburger, 2015 · ab 18 Monaten
Ein Klappbuch zum Suchen. Was hinter der Klappe verschwindet und wieder auftaucht, übt aktiv die Objektpermanenz – und liefert bei jedem Öffnen dieselbe kleine Belohnung, die in diesem Alter nie langweilig wird.
- 03
Elmar: Elmars Farben
David McKee · Thienemann-Esslinger, 2020 · ab 2 Jahren
Farben benennen, mehr nicht – und genau das trifft den Wortschatzschub um den zweiten Geburtstag. Der Elefant ist dabei schon bekannt, falls später die längeren Elmar-Geschichten folgen.
- 04
Was passiert da, Lieselotte?
Alexander Steffensmeier · Fischer Sauerländer, 2014 · ab 2 Jahren
Einfache Bauernhofszenen mit benennbaren Figuren und ersten kleinen Handlungsketten. Kein Spannungsbogen, sondern eine Folge von Situationen – so weit reicht die Aufmerksamkeit in dieser Phase, und genau so weit geht das Buch.
- 05
Wieso? Weshalb? Warum? junior
Doris Rübel · Ravensburger · ab 2 Jahren (Reihenangabe)
Klappen zu Alltagsthemen: Bauernhof, Baustelle, Kindergarten. Die Reihe ist der Standard für dieses Alter, weil sie das Klappenprinzip mit Sachthemen verbindet. Ein einzelnes Erscheinungsjahr ließ sich nicht belegen – die Reihe erscheint fortlaufend.
Wie man in diesem Alter vorliest
Nicht vorlesen. Benennen. Der Text ist in dieser Phase Nebensache. Was zählt, ist das Zeigen und das Wort dazu – und die Pause, in der Ihr Kind selbst zeigt.
Die Reihenfolge ist egal. Von hinten nach vorn, dreimal dieselbe Seite, das Buch verkehrt herum: alles in Ordnung. Ein Buch von vorn bis hinten durchzuarbeiten, ist eine Erwachsenenerwartung.
Dasselbe Buch ist gut. Wiederholung macht mit Klang und Betonung einzelner Wörter vertraut. Neue Bücher dazulegen: sinnvoll. Das alte wegräumen: nicht.
Pappe bleibt Standard. Erst gegen Ende des dritten Jahres werden Papierseiten realistisch – das ist eine Frage der Haltbarkeit, nicht des Inhalts.
Und noch etwas Kostenloses: Das zweite Set von Lesestart 1-2-3 gibt es bei der U7-Untersuchung, also ungefähr mit zwei Jahren.
Häufig gefragt
Mein Kind hört nicht zu, sondern blättert nur. Mache ich etwas falsch?
Nein. Blättern, Zeigen und Zurückblättern ist in diesem Alter die Art, ein Buch zu benutzen. Zusammenhängendes Zuhören entwickelt sich erst mit etwa zwei Jahren, wenn kleine Episoden nachvollziehbar werden.
Ab wann versteht mein Kind, dass ein Bild etwas darstellt?
Etwa ab eineinhalb Jahren. Davor greifen Kinder nach abgebildeten Dingen, als ließen sie sich herausnehmen; danach zeigen sie darauf. Dieser Wechsel vom Greifen zum Zeigen ist der eigentliche Beginn des Bilderbuchalters.
Sind Wimmelbücher nicht zu voll für Einjährige?
Sie wirken so, funktionieren aber gut – weil nichts davon verstanden werden muss. Ein Kind sucht sich eine Figur, zeigt darauf, findet sie auf der nächsten Seite wieder. Dieselben Bücher tragen später noch einmal ganz anders, wenn die durchlaufenden Geschichten entdeckt werden.
Wie lange sollte eine Vorlesesitzung dauern?
So lange Ihr Kind dabeibleibt, und das sind oft nur zwei, drei Minuten. Kurz und regelmäßig bringt in dieser Phase mehr als lange Sitzungen – das ist auch die einzige Empfehlung, die die Stiftung Lesen dazu gibt.
Quellen
- 1.Dorsch – Lexikon der Psychologie (Hogrefe): Stichwort „Bildverstehen, Entwicklung“.Belegt: Neunmonatige greifen nach abgebildeten Objekten, ab ca. 1,5 Jahren Zeigegeste und Benennen; Klappen fördern Objektpermanenz; mit 2 Jahren werden kleine Episoden nachvollziehbar.
- 2.BZgA / kindergesundheit-info.de: Grundzüge der Sprachentwicklung.Belegt: Das erste Wort kommt um den ersten Geburtstag, danach wächst der Wortschatz stetig.
- 3.Lesen in Tirol: Bilderbücher und ihre Bedeutung für die Entwicklung von Kindern.Belegt: Kinder wollen dasselbe Buch wiederholt anschauen; die Wiederholung macht mit Klang und Betonung einzelner Wörter vertraut.
- 4.Stiftung Lesen: „Vorlesen in jedem Alter“ sowie Lesestart 1-2-3.Belegt: Empfehlung „lieber kurz und regelmäßig als lang und selten“; kostenlose Bücherpakete bei den U-Untersuchungen.
In eigener Sache
In eigener Sache
Wir machen personalisierte Kinderbücher, in denen das eigene Kind vorkommt. Die Titel oben stammen von anderen Verlagen; wir verkaufen sie nicht und verdienen nichts daran.