Kunststil
Kinderbuch in Buntstift
Ein Kind, das zeichnet, hält einen Buntstift in der Hand. Kein anderer Stil ist so nah an dem, was zu Hause auf dem Küchentisch passiert.
Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Die Technik, die Kinder selbst benutzen
Buntstift funktioniert anders als jede Malfarbe: Die Farbe wird nicht aufgetragen, sondern schichtweise aufgebaut. Jede Lage bleibt als Strich sichtbar, und Mischungen entstehen erst im Auge des Betrachters. Deshalb wirken Buntstiftbilder auch bei satter Farbe nie ganz geschlossen.
Im deutschsprachigen Bilderbuch steht Nikolaus Heidelbach für diese Technik. Er erhielt 2000 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch für Was machen die Mädchen?. Seine Bilder sind ruhig gezeichnet und inhaltlich oft unbequem, was für ein Kinderbuch ungewöhnlich ist.
Rotraut Susanne Berner arbeitet in einer verwandten Linie und erhielt 2016 die Hans Christian Andersen Medaille für Illustration. Ihre Wimmelbücher leben davon, dass jede Figur eine eigene kleine Geschichte durch das ganze Buch verfolgt.
Wichtig ist die Unterscheidung zum Kinderkritzelstil. Buntstift im Bilderbuch heißt nicht, dass es aussieht, als hätte ein Kind es gezeichnet. Es heißt, dass ein Erwachsener eine Technik benutzt, die Kinder kennen.
Namen, die dahinterstehen
Nikolaus Heidelbach
Was machen die Mädchen?, Deutscher Jugendliteraturpreis Bilderbuch, 2000
Zeigt, dass Buntstift kein harmloser Stil ist. Seine Bilder sind ruhig gezeichnet und inhaltlich oft sperrig.
Rotraut Susanne Berner
Hans Christian Andersen Medaille für Illustration, 2016
Ihre Wimmelbücher erzählen über Seiten hinweg mehrere Geschichten gleichzeitig, ohne einen einzigen Satz Text.
Woran man Buntstift erkennt
- Sichtbare einzelne Striche, auch in scheinbar geschlossenen Flächen.
- Farbmischungen entstehen durch Überlagerung von Strichlagen, nicht auf der Palette.
- Die Papierstruktur bleibt in den Flächen sichtbar.
- Kein Glanz, kein Farbauftrag mit Volumen, alles bleibt flach auf dem Blatt.
- Ränder laufen oft leicht aus, weil der Strich nicht exakt an der Kante endet.
Für welche Geschichten sich Buntstift eignet
Buntstift passt zu Alltagsgeschichten: Kindergarten, Familie, Streit und Versöhnung, erste Male. Die Technik nimmt großen Themen das Pathos, weil sie zurückhaltend ist.
Das macht sie auch für schwierige Themen brauchbar, etwa Abschied oder Angst. Ein Buntstiftbild drängt sich nicht auf.
Für große dramatische Szenen ist sie zu leise. Wer Weltraum, Drachen oder Verfolgungsjagd will, sollte Gouache oder Ligne claire wählen. Altersmäßig passt Buntstift ab etwa drei Jahren.
Gut zu wissen
Sieht das dann aus, als hätte ein Kind es gemalt?
Nein. Buntstift ist eine Technik, kein Kinderkritzelstil. Die Bilder sind sorgfältig aufgebaut, nur eben mit einem Werkzeug, das Kinder selbst in der Hand halten.
Sieht mein Kind in diesem Stil wiedererkennbar aus?
Gut. Der Strich trägt Gesichtszüge und Frisur, und die Mimik lässt sich fein abstufen. Sie beschreiben Haarfarbe, Augen, Brille und Lieblingskleidung.
Ab welchem Alter passt der Buntstift-Stil?
Ab etwa drei Jahren. Für die ganz Kleinen sind flächige Stile leichter zu erfassen, ab drei wirkt die Nähe zur eigenen Maltechnik als Vorteil.
Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?
Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.
- 1.Arbeitskreis für Jugendliteratur: Deutscher Jugendliteraturpreis, Preisträger 2000.Belegt: Nikolaus Heidelbach erhielt 2000 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch.
- 2.IBBY: Hans Christian Andersen Awards, Preisträgerinnen und Preisträger.Belegt: Rotraut Susanne Berner erhielt die Illustrationsmedaille 2016.