Sagalino

Kunststil

Kinderbuch als Papiercollage

Kein gemaltes Bild, sondern ein gebautes: Flächen aus bemaltem Papier werden geschnitten und übereinandergelegt. Die bekannteste Raupe der Welt ist so entstanden.

Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Beispielillustration im Stil Papier-Collage
Geschnittenes Papier, kräftige Formen, viel Charme
Herkunft

Vom Kubismus ins Kinderzimmer

Als Bildmittel wurde die Collage um 1912 im Kubismus etabliert. Ins Bilderbuch kam sie erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts, zuerst in den USA. Leo Lionni machte 1959 den Anfang mit Little Blue and Little Yellow, einem Buch, das vollständig aus zerrissenen Papierschnipseln besteht. Die Geschichte dahinter ist gut belegt: Lionni erfand sie im Zug, um seine Enkel zu beschäftigen, mit nichts als farbigem Papier.

Drei Jahre später erschien Ezra Jack Keats mit The Snowy Day, das 1963 die Caldecott Medal bekam. Es war das erste mit dieser Auszeichnung geehrte Bilderbuch mit einem afroamerikanischen Hauptdarsteller, und Keats arbeitete mit Stoffresten, Wachstuch und Zeitungspapier.

Am bekanntesten ist die Technik durch Eric Carle geworden, und seine Arbeitsweise ist genauer dokumentiert als die der meisten Illustratoren. Er bemalte großformatige Bögen aus weißem Seidenpapier mit Acrylfarbe, nicht nur mit Pinseln, sondern auch mit Teppichresten und anderen Werkzeugen, um Textur zu erzeugen. Die getrockneten Papiere sortierte er nach Farbe in Flachschubladen. Aus diesem Vorrat schnitt er die Formen und klebte sie auf Karton.

Wichtig daran: Die Farbe entsteht vor dem Bild, nicht im Bild. Carle hatte ein Archiv aus bemalten Papieren, bevor er wusste, welche Geschichte er damit erzählen würde.

Wer diesen Stil geprägt hat

Namen, die dahinterstehen

  • Eric Carle

    The Very Hungry Caterpillar, The World Publishing Company, 1969

    Bemalte Seidenpapiere mit Acrylfarbe, Teppichresten und Pinseln, sortierte sie nach Farbe und schnitt daraus seine Figuren. Die Technik ist heute untrennbar mit dem Buch verbunden.

  • Leo Lionni

    Little Blue and Little Yellow, Ivan Obolensky, 1959

    Sein erstes Buch, entstanden aus zerrissenen Papierschnipseln. Es zeigte, dass zwei Farbflecken als Figuren funktionieren, wenn die Geschichte trägt.

  • Ezra Jack Keats

    The Snowy Day, Viking Press, 1962

    Caldecott Medal 1963, erstes so ausgezeichnetes Bilderbuch mit afroamerikanischem Protagonisten. Keats arbeitete mit Stoff, Wachstuch und Zeitungspapier.

Merkmale

Woran man eine Collage erkennt

  • Sichtbare Schnittkanten. Formen enden hart, nicht weich auslaufend wie bei Farbe.
  • Unterschiedliche Papierstrukturen innerhalb einer einzigen Fläche, weil das Papier vorher bemalt wurde.
  • Überlappungen, bei denen man sieht, welche Schicht oben liegt.
  • Keine durchgehend einheitliche Maloberfläche. Jede Fläche hat ihre eigene Textur.
  • Häufig kräftige, satte Farben, weil Acryl auf Papier deckt statt zu lasieren.
Wofür er sich eignet

Für welche Geschichten sich die Collage eignet

Collage ist stark bei klaren, großen Formen. Tiere, Pflanzen, Jahreszeiten, Zählen und Wachsen. Sie eignet sich besonders für jüngere Kinder, weil die Formen sich gut voneinander abheben und benennen lassen.

Für feine Mimik ist sie die schwierigste aller Techniken. Ein Gesicht aus geschnittenen Flächen kann freundlich oder ernst sein, aber keine Zwischentöne zeigen. Wenn eine Geschichte von feinen Gefühlsregungen lebt, passt Aquarell oder Federzeichnung besser.

Altersmäßig ist die Collage die beste Wahl für die Jüngsten, etwa ab zwei Jahren, und sie trägt bis ins Vorschulalter.

Fragen

Gut zu wissen

Sieht mein Kind in einer Collage wie es selbst aus?

Über Form und Farbe: Haarfarbe, Frisur, Kleidung, auffällige Merkmale wie eine Brille. Feine Gesichtszüge kann diese Technik nicht abbilden, das liegt in ihrer Natur. Wer Wiedererkennbarkeit im Gesicht möchte, ist mit Aquarell oder Tusche besser beraten.

Ist das die Technik aus der Raupe Nimmersatt?

Ja, das ist dieselbe Bildsprache. Eric Carle bemalte Seidenpapiere mit Acrylfarbe, sortierte sie nach Farbe und schnitt daraus seine Figuren. Wir bilden diese Anmutung nach, ohne ein bestimmtes Buch zu kopieren.

Ab welchem Alter passt der Collage-Stil?

Ab etwa zwei Jahren. Die klaren, großen Formen sind für kleine Kinder leicht zu erkennen und zu benennen, und genau das ist in diesem Alter die Hauptbeschäftigung beim Bilderbuchanschauen.

Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?

Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.

Belege
  1. 1.Eric Carle Museum of Picture Book Art: Artistic Process.Belegt: Carle bemalte Seidenpapier mit Acrylfarbe unter Einsatz von Pinseln und Teppichresten, sortierte die getrockneten Papiere nach Farbe und schnitt daraus die Formen.
  2. 2.National Endowment for the Arts: The Making of The Snowy Day.Belegt: Keats arbeitete mit Collagematerialien wie Stoff, Wachstuch und Zeitungspapier; Caldecott Medal 1963.
  3. 3.Bauman Rare Books: Leo Lionni, Little Blue and Little Yellow.Belegt: Erstausgabe 1959 bei Ivan Obolensky, entstanden aus zerrissenen Papierschnipseln.