Kunststil
Kinderbuch in Gouache
Gouache ist Aquarell mit Weißpigment: Die Farbe deckt, statt zu lasieren. Daher die satten Flächen, die man mit Bilderbüchern der 1950er und 60er Jahre verbindet.
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Die Farbe der Nachkriegsjahrzehnte
Technisch ist Gouache schnell erklärt: Wasserfarbe mit Kreide oder Weißpigment versetzt. Sie deckt, statt das Papier durchscheinen zu lassen, trocknet matt und lässt sich schichten. Für den Druck der Nachkriegsjahrzehnte war das ideal, weil klar begrenzte Flächen sauber reproduzierbar waren.
Mary Blair prägte die Bildsprache dieser Zeit wie kaum jemand sonst. Sie arbeitete für Disney und entwarf das Design für Alice in Wonderland und Peter Pan, später die Attraktion It is a Small World für die Weltausstellung 1964. Ihre Farbkombinationen waren so ungewöhnlich, dass Walt Disney sie gegen erheblichen Widerstand im Studio durchsetzte.
Alice und Martin Provensen arbeiteten als Paar an denselben Bildern, oft ohne dass sich sagen ließ, wer welchen Teil gemalt hatte. 1984 erhielten sie für The Glorious Flight die Caldecott Medal.
In Europa steht Miroslav Šašek für diese Bildsprache. Seine Reihe This Is begann 1959 mit This Is Paris und zeigte Kindern Städte in flächiger, klarer Gouache. Aus der tschechischen Tradition kommt auch Jiří Trnka, der 1968 die Hans Christian Andersen Medaille erhielt.
Namen, die dahinterstehen
Mary Blair
Farbkonzepte für Alice in Wonderland und Peter Pan, Walt Disney Productions, 1951
Ihre flächigen, ungewöhnlich kombinierten Farben definierten den Look einer ganzen Epoche. Walt Disney setzte sie gegen Widerstand im Studio durch.
Alice und Martin Provensen
The Glorious Flight, Caldecott Medal, 1984
Arbeiteten gemeinsam an denselben Bildern. Ihre Gouache verbindet klare Flächen mit erzählerischer Wärme.
Miroslav Šašek
This Is Paris, W. H. Allen, 1959
Der Beginn einer Reihe, die Kindern Städte erklärte. Šašek zeigte, dass Sachbilderbücher nicht nüchtern aussehen müssen.
Jiří Trnka
Hans Christian Andersen Medaille für Illustration, 1968
Steht für die tschechische Bilderbuchtradition, die in Ost- und Westeuropa gleichermaßen gelesen wurde.
Woran man Gouache erkennt
- Deckende, matte Farbflächen ohne Glanz.
- Helle Farbe liegt sichtbar auf dunkler, weil Gouache überdeckt statt durchzuscheinen.
- Klar begrenzte Formen, oft ohne Konturlinie.
- Begrenzte Farbpalette, die über das ganze Buch durchgehalten wird.
- Sichtbare Pinselstruktur in den Flächen, weil die Farbe pastos aufgetragen wird.
Für welche Geschichten sich Gouache eignet
Gouache ist stark bei Orten und Reisen. Städte, Häuser, Fahrzeuge, Landschaften, alles mit Architektur. Šašeks Städtebücher sind nicht zufällig in dieser Technik entstanden.
Auch bei Geschichten mit einer bestimmten Epoche wirkt sie gut, weil sie von sich aus nach den 1950er und 60er Jahren aussieht. Wer ein Buch für Großeltern gestaltet, trifft damit oft genau deren Kindheitsbilder.
Für feine Mimik ist sie mittelgut: besser als Collage, schwächer als Tusche. Altersmäßig passt sie ab etwa drei Jahren.
Gut zu wissen
Was ist der Unterschied zwischen Gouache und Aquarell?
Gouache enthält Weißpigment und deckt deshalb, Aquarell ist transparent und lässt das Papier durchscheinen. Praktisch heißt das: Gouache ergibt satte, flächige Farben, Aquarell leichte, lasierende.
Wirkt der Stil nicht altmodisch?
Er sieht nach den 1950er und 60er Jahren aus, und für viele Eltern und Großeltern ist genau das der Reiz. Wer es moderner mag, ist mit Ligne claire oder Aquarell besser beraten.
Ab welchem Alter passt der Gouache-Stil?
Ab etwa drei Jahren. Die klaren Flächen sind gut zu erfassen, und die Detailfreude in Häusern und Straßen belohnt genaues Hinschauen.
Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?
Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.
- 1.Walt Disney Family Museum: Mary Blair.Belegt: Blairs Farbkonzepte für Alice in Wonderland und Peter Pan sowie It is a Small World für die Weltausstellung 1964.
- 2.American Library Association: Caldecott Medal Winners.Belegt: Alice und Martin Provensen erhielten die Caldecott Medal 1984 für The Glorious Flight.
- 3.Miroslav Šašek, Werkübersicht.Belegt: This Is Paris erschien 1959 als erster Band der Reihe.
- 4.IBBY: Hans Christian Andersen Awards, Preisträgerinnen und Preisträger.Belegt: Jiří Trnka erhielt die Illustrationsmedaille 1968.