Sagalino

Kunststil

Kinderbuch in Ligne claire

Gleichmäßig starke Konturen, flache Farbflächen, keine Schraffur. Ein Stil, der auf den ersten Blick einfach aussieht und deshalb besonders schwer zu zeichnen ist.

Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Beispielillustration im Stil Comic (Ligne claire)
Klare Linien im franko-belgischen Comic-Stil
Herkunft

Ein Stil, der älter ist als sein Name

Die Ligne claire ist der Zeichenstil der franko-belgischen Comicschule. Geprägt hat ihn Hergé, mit bürgerlichem Namen Georges Remi, ab 1929 mit Tim und Struppi in der Zeitung Le Petit Vingtième, ab den 1930er Jahren als Alben bei Casterman.

Den Namen bekam der Stil allerdings erst Jahrzehnte später. Der niederländische Zeichner Joost Swarte prägte 1977 den Begriff klare lijn, aus dem die französische Ligne claire wurde. Bis dahin hatte die Sache keinen Namen, nur eine Schule: die Brüsseler Schule um Hergé, zu der auch Edgar P. Jacobs und Bob de Moor gehörten.

Swarte prägte zugleich den Gegenbegriff. Der Atomstil, benannt nach dem Atomium der Brüsseler Weltausstellung von 1958, bezeichnet die konkurrierende Ecole de Marcinelle rund um das Magazin Spirou: grafisch lockerer, dynamischer, mit Anleihen bei der US-Populärkultur. Wer von Ligne claire spricht, meint immer auch die Abgrenzung davon.

Die Eigenart dieses Stils liegt in einer Spannung: cartoonhaft vereinfachte Figuren vor sorgfältig recherchierten, realistisch gezeichneten Hintergründen. Genau daraus entsteht der Eindruck, dass die Geschichte an einem echten Ort spielt.

Wer diesen Stil geprägt hat

Namen, die dahinterstehen

  • Hergé (Georges Remi)

    Tim und Struppi, Alben bei Casterman, 1929

    Begründer des Stils. Seine gleichmäßige Konturlinie und die flächige Kolorierung wurden zum Maßstab einer ganzen Comicschule, lange bevor jemand einen Namen dafür hatte.

  • Edgar P. Jacobs

    Blake und Mortimer, Casterman

    Gehört zur Brüsseler Schule um Hergé. Er zeigte, dass die klare Linie auch für erzählerisch dichte, textreiche Abenteuer trägt.

  • Bob de Moor

    Langjähriger Mitarbeiter im Studio Hergé

    Arbeitete über Jahrzehnte an der Seite Hergés und trug dazu bei, dass der Stil als Schule weitergegeben wurde statt an einer Person zu hängen.

  • Joost Swarte

    Prägte 1977 den Begriff klare lijn, 1977

    Zeichner und Grafikdesigner. Er gab dem Stil seinen Namen und gleich dazu den Gegenbegriff Atomstil, wodurch die franko-belgische Comicgeschichte überhaupt erst beschreibbar wurde.

Merkmale

Woran man die klare Linie erkennt

  • Eine gleichmäßig starke Konturlinie über das ganze Bild. Keine Stelle ist dicker oder dünner gezeichnet, um Gewicht zu geben.
  • Keine Schraffuren. Wo andere Stile mit Strichlagen schattieren, bleibt hier die Fläche leer.
  • Flache, in sich ungebrochene Farbflächen ohne Verlauf.
  • Kaum Schattierung, dadurch ein stark heruntergefahrener Kontrast und ein sehr ruhiges Gesamtbild.
  • Vereinfachte Figuren vor detailliert ausgearbeiteten Hintergründen. Dieser Bruch ist Absicht.
Wofür er sich eignet

Für welche Geschichten sich die klare Linie eignet

Ligne claire ist die beste Wahl, wenn eine Geschichte Handlung hat. Abenteuer, Reisen, Detektivgeschichten, alles mit Orten und Ortswechseln. Der Stil wurde für Erzählungen entwickelt, die über viele Bilder laufen, und das merkt man ihm an: Figuren bleiben über Seiten hinweg zweifelsfrei wiedererkennbar.

Für stimmungsgetragene, stille Geschichten ist er weniger geeignet. Was Aquarell durch Unschärfe erreicht, kann die klare Linie nicht, weil sie jede Kante gleich scharf zieht.

Altersmäßig trägt er breit, etwa ab vier Jahren und weit ins Grundschulalter hinein. Für Kinder, die schon Comics mögen, ist er oft die naheliegendste Wahl.

Fragen

Gut zu wissen

Ist Ligne claire dasselbe wie Comic?

Nein, es ist ein bestimmter Zeichenstil innerhalb der Comictradition. Der Gegenbegriff dazu heißt Atomstil und bezeichnet die lockerere, dynamischere Schule rund um das Magazin Spirou. Beide sind Comic, sie sehen nur völlig verschieden aus.

Woher kommt der Name?

Vom niederländischen Zeichner Joost Swarte, der 1977 den Ausdruck klare lijn prägte. Der Stil selbst ist fast fünfzig Jahre älter und geht auf Hergé zurück, der ab 1929 mit Tim und Struppi begann.

Wirkt der Stil nicht zu nüchtern für ein Kinderbuch?

Die Klarheit hilft beim Lesen. Weil keine Schraffur und kein Verlauf ablenkt, erkennen Kinder Figuren und Orte sofort wieder, auch über viele Seiten hinweg. Das ist bei Geschichten mit Handlung ein Vorteil.

Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?

Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.

Belege
  1. 1.Ligne claire, Überblicksdarstellung zur franko-belgischen Comicschule.Belegt: Hergé als Begründer, Merkmale des Stils, Zuordnung der Brüsseler Schule.
  2. 2.Joost Swarte, Zeichner und Grafikdesigner.Belegt: Swarte prägte 1977 den Begriff klare lijn.
  3. 3.Atomstil, Darstellung des Gegenbegriffs.Belegt: Benennung nach dem Atomium der Weltausstellung 1958, Zuordnung zur Ecole de Marcinelle rund um das Magazin Spirou.
  4. 4.The Comics Journal: The Belgians Who Changed Comics.Belegt: Einordnung von Hergé, Jacobs und de Moor in die Brüsseler Schule.