Sagalino

Kunststil

Kinderbuch in Tusche und Aquarell

Zuerst die Linie, dann die Farbe. Eine der ältesten Kombinationen im Bilderbuch, und die, der man am wenigsten ansieht, wie schwer sie ist.

Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Beispielillustration im Stil Tusche & Aquarell
Feine Federzeichnung mit Aquarell: der große Bilderbuch-Klassiker
Herkunft

Zuerst die Linie

Die Reihenfolge macht den Stil: Eine Zeichnung mit Feder und Tusche steht fertig auf dem Papier, und die Farbe kommt danach, lasierend darüber. Die Linie bleibt also sichtbar und trägt die ganze Form. Farbe ist Zugabe.

Bei E. H. Shepard lässt sich das besonders genau nachvollziehen. Seine Illustrationen zu Winnie the Pooh von 1926 waren reine Tuschezeichnungen. Die Farbfassungen entstanden erst Jahrzehnte später, ab den 1970er Jahren, als Shepard weit über achtzig war. Wer die frühen Ausgaben kennt, kennt den Stil in seiner reinen Form.

Quentin Blake trieb die Linie in die entgegengesetzte Richtung: nervös, schnell, absichtlich unsauber. Für seine Zusammenarbeit mit Roald Dahl war genau das richtig, weil Dahls Figuren nichts Gefälliges haben. 2002 erhielt Blake die Hans Christian Andersen Medaille für Illustration.

Im deutschsprachigen Raum stehen Sven Nordqvist mit Pettersson und Findus für die überfüllte, detailverliebte Variante und Jutta Bauer für die reduzierte. Bauer bekam 2010 die Andersen Medaille.

Wer diesen Stil geprägt hat

Namen, die dahinterstehen

  • E. H. Shepard

    Winnie-the-Pooh, Methuen, 1926

    Die Originalillustrationen waren reine Federzeichnungen. Die kolorierten Fassungen entstanden erst ab den 1970er Jahren, als Shepard über achtzig war.

  • Quentin Blake

    Hans Christian Andersen Medaille für Illustration, 2002

    Seine schnelle, absichtlich unsaubere Linie prägte die Bücher von Roald Dahl. Sie zeigt, dass eine Zeichnung nicht ordentlich sein muss, um zu funktionieren.

  • Sven Nordqvist

    Pettersson und Findus, erster Band in Schweden, 1984

    Die detailverliebte Variante: In jedem Bild passiert an den Rändern mehr als in der Mitte. Kinder finden bei jedem Anschauen Neues.

  • Jutta Bauer

    Hans Christian Andersen Medaille für Illustration, 2010

    Der Gegenpol zu Nordqvist. Bauer kommt mit wenigen Strichen aus und trifft damit Gefühle, für die andere eine ganze Seite brauchen.

Merkmale

Woran man kolorierte Tusche erkennt

  • Eine durchgehende, sichtbare Konturlinie, die Form und Kontur trägt.
  • Die Linie variiert in der Stärke, weil eine Feder beim Aufdrücken breiter schreibt.
  • Schraffuren statt Grautönen, wo es dunkel werden soll.
  • Farbe, die die Linie nicht überdeckt, sondern darunterliegt.
  • Farbflächen, die die Kontur manchmal absichtlich überschreiten.
Wofür er sich eignet

Für welche Geschichten sich Tusche eignet

Weil die Linie alles trägt, ist dieser Stil stark bei Handlung und Charakter. Abenteuer, Freundschaft, Alltagskomik, Figuren mit Eigenheiten. Mimik gelingt hier besser als in fast jedem anderen Stil, weil ein einzelner Strich eine Augenbraue heben kann.

Weniger geeignet ist er für Stimmungsbilder ohne Handlung. Ein Sonnenuntergang lebt von Farbe, nicht von Kontur, und da ist reines Aquarell die bessere Wahl.

Altersmäßig passt er ab etwa drei Jahren und trägt bis ins Grundschulalter.

Fragen

Gut zu wissen

Ist das der Stil aus Pu der Bär?

Das ist dieselbe Technik: Federzeichnung zuerst, Farbe danach. E. H. Shepards Originale von 1926 waren sogar reine Tuschezeichnungen, koloriert wurde erst Jahrzehnte später. Wir bilden diese Bildsprache nach, ohne ein bestimmtes Buch zu kopieren.

Sieht mein Kind in diesem Stil wiedererkennbar aus?

Ja, sehr gut sogar. Die Linie trägt Gesichtszüge und Mimik, und genau darin ist dieser Stil stärker als jeder Flächenstil.

Ab welchem Alter passt der Stil?

Ab etwa drei Jahren. Für die ganz Kleinen sind großflächige Stile wie Collage leichter zu erfassen, ab drei ist die Linie ein Vorteil, weil sie Details erzählt.

Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?

Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.

Belege
  1. 1.Victoria and Albert Museum: Winnie-the-Pooh, Exploring a Classic.Belegt: Shepards Originalillustrationen von 1926 waren Tuschezeichnungen; die Kolorierung erfolgte erst ab den 1970er Jahren.
  2. 2.IBBY: Hans Christian Andersen Awards, Preisträgerinnen und Preisträger.Belegt: Quentin Blake erhielt die Illustrationsmedaille 2002, Jutta Bauer 2010.
  3. 3.Sven Nordqvist, Werkübersicht.Belegt: Erster Pettersson-und-Findus-Band 1984 in Schweden.