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Motiv · Hexen

Kinderbücher über Hexen: ab wann Gruseln Spaß macht

4 geprüfte Buchtipps · 4 Quellen

Hexen sind das einzige Motiv auf diesen Seiten, bei dem Eltern zögern: Ist das nicht zu gruselig? Unten steht, was die Forschung dazu hergibt, ab wann Kinder Erfundenes von Echtem unterscheiden, und warum die böse Hexe im deutschen Kinderbuch seit 1957 fast verschwunden ist. Dazu vier geprüfte Titel mit Verlag und Altersangabe.

Ab wann ein Kind weiß, dass es erfunden ist

Die verbreitete Vorstellung, ein Kind lerne mit etwa fünf Jahren, dass Fantasie und Wirklichkeit zweierlei sind, ist zu einfach. Woolley und Ghossainy beschreiben die Unterscheidung als graduellen, vom Zusammenhang abhängigen Prozess, der schon mit rund zwei Jahren beginnt, sobald Kinder Wörter wie „echt“ und „so tun als ob“ benutzen, und sich bis ins Grundschulalter weiterentwickelt.1

Praktisch heißt das: Ein Vierjähriges kann genau wissen, dass es die Hexe nicht gibt, und sich trotzdem fürchten. Beides gleichzeitig ist normal.

Und Gruseln macht vielen Kindern Spaß. Eine Befragung von 1.600 dänischen Eltern zu Kindern zwischen einem und siebzehn Jahren ergab, dass 93 Prozent der Kinder mindestens eine gruselige Beschäftigung genießen. Die Vorliebe wächst mit dem Alter und erreicht ihren Höhepunkt im späten Jugendalter.2 Der deutsche Begriff dafür ist Angstlust: freiwillige, kontrollierte Angst mit sicherem Ausgang.

Der Unterschied zwischen Spaß und Überforderung liegt deshalb weniger im Alter als in der Kontrolle. Wer das Buch zuklappen darf, wann er will, und wer weiß, dass es gut ausgeht, gruselt sich gern.

Vier Hexenbücher, geprüft

  • Das große Buch der kleinen Hexe

    Lieve Baeten · Oetinger 2017 · ab 3 Jahren

    Sammelband der fünf Lisbet-Bilderbücher. Die Hexe ist durchweg freundlich und neugierig, es gibt nichts zu fürchten. Der richtige Einstieg für Kinder, die das Motiv mögen und beim Gruseln noch nicht mitkommen.

  • Die kleine Hexe

    Otfried Preußler, illustriert von Winnie Gebhardt · Thienemann 1957 · ab 6 Jahren

    Der Klassiker, der das Genre gedreht hat. Die Hexe ist zu jung, um mitzumachen, und soll erst gut werden, um richtig zaubern zu dürfen. Zu diesem Buch gehört allerdings auch eine Debatte, siehe unsere Einordnung zum kleinen Gespenst.

  • Hexe Lilli zaubert Hausaufgaben

    Knister, illustriert von Birgit Rieger · Arena 1997 · ab 6 Jahren

    Erstlesereihe, alltagsnah und komisch statt atmosphärisch. Zaubern als Abkürzung, die nie funktioniert. Die Verlagsseite war beim Abruf gesperrt, die Angaben sind über mehrere Handelsquellen und eine Verlagsleseprobe belegt.

  • Das große Hexeneinmaleins

    Matt Ralphs, illustriert von Núria Tamarit · Knesebeck 2021 · ab 8 Jahren

    Ein echtes Sachbuch: Hexenverfolgung, Wicca, Voodoo, verschiedene Kulturen und Epochen. Für Kinder, die wissen wollen, woher die Figur eigentlich kommt. Enthält historische Gewalt, also nichts fürs Vorschulalter.

Warum die böse Hexe aus dem Kinderbuch verschwunden ist

In den Märchen ist die Hexe eine Bedrohung. Im deutschen Kinderbuch ist sie es seit fast siebzig Jahren kaum noch, und der Wendepunkt lässt sich benennen: Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ von 1957 kehrte das Gut-Böse-Schema um. Seither dominieren sympathische Hexenfiguren, von Bibi Blocksberg über Hexe Lilli bis zu Lieve Baetens Lisbet.3

Der Wandel geht weiter und ist nicht unumstritten. Die Hexe ist inzwischen auch eine feministische Figur geworden, eine Frau mit Macht, die sich nichts sagen lässt, und diese Aufwertung wird ebenso kritisch diskutiert wie sie gefeiert wird.4

Was das für den Kauf heißt: Wer eine wirklich gruselige Hexe sucht, findet sie im modernen Bilderbuch selten und im Märchen sofort. Wer das Gegenteil sucht, hat die Auswahl.

Oder eine eigene Geschichte

Wenn das Kind selbst darin vorkommen soll

  • Das Kind findet auf dem Dachboden einen Besen, der beim Anfassen anfängt zu schweben, und muss lernen, ihn wieder zu bremsen.
  • Eine junge Hexe kann noch nicht richtig zaubern und bittet das Kind um Hilfe bei den Hausaufgaben ihrer Hexenschule.
  • Das Kind soll für eine Hexe einen Trank besorgen und stellt unterwegs fest, dass alle Zutaten aus dem eigenen Garten kommen.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter sind Hexenbücher geeignet?
Freundliche Hexenfiguren funktionieren ab etwa drei Jahren. Für gruselige Geschichten gibt es keine feste Grenze, weil es weniger am Alter hängt als an der Kontrolle: Wer das Buch zuklappen darf und weiß, dass es gut ausgeht, gruselt sich meist gern. Sachbücher zur Hexenverfolgung enthalten historische Gewalt und sind eher ab acht.
Ab wann wissen Kinder, dass es Hexen nicht gibt?
Die Unterscheidung zwischen Erfundenem und Echtem ist kein Schalter, der mit fünf Jahren umgelegt wird. Sie beginnt mit etwa zwei, sobald Kinder Wörter wie „echt“ und „so tun als ob“ benutzen, und entwickelt sich bis ins Grundschulalter weiter. Ein Vierjähriges kann genau wissen, dass es die Hexe nicht gibt, und sich trotzdem fürchten.
Macht Gruseln Kindern Angst oder Spaß?
Meistens beides, und das ist der Reiz. Eine Befragung von 1.600 dänischen Eltern ergab, dass 93 Prozent der Kinder mindestens eine gruselige Beschäftigung genießen, und dass die Vorliebe mit dem Alter wächst. Entscheidend ist, dass das Kind die Kontrolle behält und aussteigen darf.
Gibt es überhaupt noch böse Hexen im Kinderbuch?
Im modernen Bilderbuch kaum. Der Wendepunkt war Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ von 1957, die das Gut-Böse-Schema umkehrte. Seither dominieren sympathische Figuren. Wer eine wirklich bedrohliche Hexe sucht, findet sie im Märchen.

Quellen

  1. 1.Woolley, J. M. & Ghossainy, M. E. (2013): Revisiting the Fantasy-Reality Distinction, Children as Naïve Skeptics. Child Development 84(5), 1496–1510. Englischsprachig.Belegt: Die Unterscheidung von Fantasie und Wirklichkeit als gradueller, kontextabhängiger Prozess, der mit etwa zwei Jahren beginnt und sich bis ins Grundschulalter entwickelt.
  2. 2.Taranu, M., Clasen, M., Rosas, F. E., Dodd, H. & Andersen, M. M. (2025): Recreational Fear Across Childhood. Englischsprachig.Belegt: Befragung von 1.600 dänischen Eltern zu Kindern von 1 bis 17 Jahren: 93 Prozent der Kinder genießen mindestens eine gruselige Beschäftigung; die Vorliebe wächst mit dem Alter.
  3. 3.Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo: Ankündigung des Fachvortrags von Jara Schmidt und Franziska Thiel, Institut für Germanistik der Universität Hamburg (10.09.2025).Belegt: Preußlers „Die kleine Hexe“ von 1957 als Wendepunkt, der das Gut-Böse-Schema der Märchenhexe umkehrte; die seitherige Dominanz sympathischer Hexenfiguren.
  4. 4.RefLab, Fabienne Iff (05.10.2023): Hexen als neue Ikonen des Feminismus, eine kritische Betrachtung.Belegt: Die heutige Aufwertung der Hexenfigur und die kritische Diskussion darüber.

Weitere Motive: Dinosaurier, Einhörner, Feuerwehr. Oder ins Magazin, zu den Entwicklungsthemen und zu allen Kunststilen.