Motiv · Elefanten
Kinderbücher über Elefanten: vier Tipps und eine alte Debatte
4 geprüfte Buchtipps · 4 Quellen

Warum ausgerechnet Elefanten
Größe ist für kleine Kinder die erste Ordnung der Welt, und der Elefant steht an deren Ende. Er ist das größte Landtier, und das reicht als Grund. Wer einmal gesehen hat, wie ein Dreijähriger das Wort „riesig“ entdeckt, weiß, warum der Elefant sofort dazugehört.
Dazu kommt der Rüssel. Er ist ein Werkzeug, das kein anderes Tier hat, und er lässt sich mit dem Arm nachmachen. Ein Motiv, das ein Kind mit dem eigenen Körper nachspielen kann, hält länger als eines, das man nur ansieht.
Und dann sind da die Zuschreibungen, die das Bilderbuch dem Tier angehängt hat: gutmütig, geduldig, langsam von Gemüt. Deshalb ist der Elefant in Geschichten so oft der Große, der auf die Kleinen aufpasst. Das sagt mehr über die Bücher als über das Tier.
Was wir nicht behaupten: dass Elefantenbücher etwas leisten, was andere Tierbücher nicht leisten. Zu einzelnen Tierarten im Bilderbuch gibt es keine Untersuchung. Zwei Studien zu vermenschlichten Tieren allgemein stehen auf unserer Seite zum Motiv Tiere.
Vier Elefantenbücher, geprüft
Zwei Klassiker, ein philosophisches Bilderbuch und ein Sachbilderbuch, das zeigt, wie Elefanten wirklich leben. Verlag, Jahr und Altersangabe stammen von der Verlagsseite der genannten Ausgabe.
Elmar
David McKee · Thienemann-Esslinger 1989 · ab 4 Jahren
Der karierte Elefant, der grau sein möchte, sich mit Beeren einfärbt und dabei verliert, was ihn ausmacht. Übersetzt von Hans Georg Lenzen. Die Idee ist in zwei Sätzen erzählt, und trotzdem hält sie seit Jahrzehnten. Für Vierjährige, die gerade merken, dass sie anders sind als jemand in der Gruppe.
Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten
Jean de Brunhoff · Diogenes 1931 · ab 4 Jahren
Der Waise, der in die Stadt kommt, dort Kleidung, Unterricht und ein Auto bekommt und als König in den Urwald zurückkehrt. Ein Stück Buchgeschichte von 1931, großformatig und ruhig erzählt. Wer es vorliest, sollte den Abschnitt unten gelesen haben, denn über dieses Buch wird gestritten.
Elefanteneinmaleins
Helme Heine · Beltz & Gelberg 2020 · ab 5 Jahren
Ein Elefant macht jeden Morgen einen Kloß, und jedes Jahr kommt einer dazu. Bei fünfzig ist er zufrieden. Dann werden es wieder weniger. Ein Bilderbuch über Zeit, Älterwerden und Sterben, das ohne ein einziges schweres Wort auskommt. Braucht einen Erwachsenen, der bereit ist, hinterher zu reden.
Der kleine Elefant
Anita van Saan, illustriert von Theresa Schwietzer · Gerstenberg 2024 · ab 5 Jahren
Das einzige Sachbilderbuch dieser Liste, und das einzige Buch hier, in dem die Herde vorkommt: Ein junger Elefant zieht mit seiner Familie durch Trocken- und Regenzeit der Savanne, samt der Tiere und Pflanzen, die dort leben. Für Kinder, die nach den Bilderbuchelefanten wissen wollen, wie es wirklich ist.
Die fehlende Herde, und der Streit um Babar
Erstens: Im Bilderbuch fehlt fast immer die Herde. Elefantenkühe leben in einer der komplexesten Sozialstrukturen des Tierreichs, gestuft in Familie, Herde, Gemeinschaft und Clan. Eine Herde umfasst rund zehn Tiere aus mehreren Generationen und wird von der ältesten Kuh geführt, die die stärksten Bindungen und die meiste Erfahrung hat. Stirbt sie, steht der Herde eine schwierige Zeit bevor. Die Bullen verlassen ihre Geburtsherde mit etwa 14 bis 16 Jahren und leben danach weitgehend für sich.1
Das Elefantengedächtnis ist dabei mehr als eine Redensart. Elefanten halten die Laute von über hundert Artgenossen auseinander.1 Die Arbeitsgruppe von Karen McComb an der University of Sussex beschreibt alte Leitkühe als Speicher des sozialen und ökologischen Wissens ihrer Familie, und sie zeigt, dass eine gestörte Sozialstruktur den Wissenserwerb einer Elefantenfamilie messbar beeinträchtigt.2
Was das beim Vorlesen bringt. Man kann mitzählen, wie viele Elefanten auf den Bildern zu sehen sind und wer die Gruppe anführt. Bei den meisten Bilderbüchern kommt man dabei auf ein Einzeltier oder eine Kleinfamilie nach menschlichem Muster. Wer die Herde zeigen will, greift zusätzlich zu einem Sachbilderbuch, in der Liste oben steht eines.
Zweitens: Über Babar wird seit Jahrzehnten gestritten. Die taz veröffentlichte am 19. April 1994 einen Essay von Caroline Fetscher, der die Bände von Jean de Brunhoff als illustrierte Legitimation des Kolonialismus liest. Ein weißer Jäger erschießt Babars Mutter, in der Stadt wird der Elefant eingekleidet, unterrichtet und motorisiert, und er kehrt als König zurück, um die Übrigen ebenfalls zu zivilisieren. Fetscher nennt die Gleichung, die das Buch aufmache: Elefant gleich Afrikaner gleich Wilder gleich Kind.3
Was daraus folgt, und was nicht. Das Buch steht weiterhin im Programm von Diogenes, und für ein vierjähriges Kind ist es die Geschichte eines Waisen, der König wird. Wer es vorliest, sollte den Anfang kennen, in dem die Mutter erschossen wird. Für ältere Kinder ist die zweite Hälfte ein guter Anlass zu fragen, warum der Elefant erst in Anzug und Auto als richtig gilt. Ein Verbot lässt sich aus der Kritik nicht ableiten, ein Vorwissen schon.
Wonach wir gesucht und nichts gefunden haben. Eine belegte Debatte über Zirkus- und Zoodarstellungen speziell in Elefanten-Bilderbüchern ließ sich nicht nachweisen. Die Diskussion über Wildtiere im Zirkus wird geführt, sie betrifft aber die Haltung der Tiere. Wir behaupten deshalb nichts darüber.
Oder eine eigene Geschichte
Wenn das Kind selbst darin vorkommen soll
- Das Kind zieht mit einer Elefantenherde durch die Trockenzeit und merkt, dass nur die älteste Kuh noch weiß, wo das letzte Wasser steht.
- Ein junger Bulle muss die Herde verlassen, und das Kind begleitet ihn, bis er eine Gruppe anderer Junggesellen findet.
- Das Kind trifft einen Elefanten, der sich an alles erinnert, was auf dieser Wiese in hundert Jahren passiert ist, und lässt sich der Reihe nach davon erzählen.
Häufige Fragen
- Ab welchem Alter passen Elefantenbücher?
- Ab vier eine Geschichte mit einer Idee, die sich in zwei Sätzen erzählen lässt, etwa Elmar. Ab fünf ein Buch, das etwas zumutet: Elefanteneinmaleins handelt vom Älterwerden und vom Sterben, Der kleine Elefant erklärt eine Savanne. Von Elmar gibt es zusätzlich Ausgaben für Jüngere, die Altersangaben stehen beim Verlag.
- Haben Elefanten wirklich ein so gutes Gedächtnis?
- Die Redensart hat einen Kern. Elefanten unterscheiden die Laute von über hundert Artgenossen. Forschung der University of Sussex beschreibt alte Leitkühe als Speicher des sozialen und ökologischen Wissens ihrer Familie und zeigt, dass eine gestörte Sozialstruktur dem Wissenserwerb der Gruppe schadet.
- Wie leben Elefanten wirklich?
- Die Kühe leben in Familien und Herden von rund zehn Tieren aus mehreren Generationen, angeführt von der ältesten und erfahrensten Kuh. Die Sozialstruktur gilt als eine der komplexesten im Tierreich. Bullen verlassen die Geburtsherde mit etwa 14 bis 16 Jahren und leben danach weitgehend allein oder in lockeren Gruppen.
- Kann man Babar heute noch vorlesen?
- Das Buch von 1931 ist lieferbar, und für Vierjährige ist es die Geschichte eines Waisen, der König wird. Seit 1994 liegt allerdings eine ausführliche Kritik vor, die die Bände als Rechtfertigung des Kolonialismus liest. Wer vorliest, sollte den Anfang mit der erschossenen Mutter kennen und bei älteren Kindern die zweite Hälfte zum Gespräch nutzen.
Quellen
- 1.WWF Deutschland, Artenlexikon: Afrikanischer Savannenelefant.Belegt: Sozialstruktur in den Stufen Familie, Herde, Gemeinschaft und Clan; Herde von rund zehn Tieren mehrerer Generationen unter Führung der ältesten Kuh; Bullen verlassen die Geburtsherde mit etwa 14 bis 16 Jahren; Elefanten unterscheiden die Laute von über hundert Artgenossen.
- 2.University of Sussex, Mammal Communication and Cognition Research (Karen McComb): Elephants, social and cultural knowledge. Englischsprachig.Belegt: Alte Leitkühe wirken als Speicher sozialer und ökologischer Information für ihre Familiengruppe; soziale Störung beeinträchtigt den Wissenserwerb in Elefantenfamilien erheblich.
- 3.taz (19.04.1994), Caroline Fetscher: Der zivilisierte Elefant.Belegt: Lesart der Babar-Bände als illustrierte Legitimation des Kolonialismus, samt der Gleichsetzung von Elefant, Afrikaner, Wildem und Kind und der Rolle des weißen Jägers am Anfang.
- 4.Diogenes: Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten.Belegt: Inhalt und Altersempfehlung ab 4 Jahren der lieferbaren Ausgabe, 48 Seiten.
Weitere Motive: Tiere, Herbst, Dinosaurier, Hasen, Maulwürfe, Hexen, Einhörner, Feuerwehr. Passend dazu: Wie Kinder den Tod verstehen. Oder ins Magazin, zu den Entwicklungsthemen und zu allen Kunststilen.