Geschichte des Kinderbuchs · 1658 bis heute
Die Geschichte des Kinderbuchs, auf einer Zeitleiste
Dass Kinder eigene Bücher bekommen, ist eine junge Idee. Dass diese Bücher in erster Linie gut sein sollen und nicht nützlich, ist noch jünger. Und dass ein Kind darin gegen Erwachsene recht behalten darf, setzt sich erst nach 1945 durch.
Unten stehen neun Epochen von 1658 bis heute, mit den Büchern, die jeweils etwas verschoben haben. Jede Jahreszahl trägt eine Belegziffer, und wo die Quellen nicht reichen, steht das ausdrücklich dabei. Bei einem Thema, in dem sich Zahlen über Sekundärliteratur fortpflanzen, schien uns das wichtiger als Vollständigkeit.
14 Min. Lesezeit42 Quellen · abgerufen am 15. September 2026

Vier Zahlen, die den Rahmen aufspannen
Die Geschichte des Kinderbuchs ist kürzer, als man denkt, und der Teil davon, in dem Kinder als eigenes Publikum galten, ist noch einmal deutlich kürzer.
1658
erschien der Orbis sensualium pictus in Nürnberg, das erste bekannte Buch, das Kindern Bilder gab, um zu lernen
University of Minnesota Libraries
13
Jahre nach der Erstausgabe wurden die Grimm-Märchen zum Kinderbuch, mit der Kleinen Ausgabe von 1825
Staatsbibliothek zu Berlin
300 Mio.
Exemplare gab der Kinderbuchverlag Berlin zwischen 1949 und 1989 heraus, in rund 5.000 Titeln
DDR Museum Berlin
18,3 %
des deutschen Buchmarkts entfielen 2023 auf Kinder- und Jugendbücher
Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Zwischen der ersten und der letzten Zahl liegen 365 Jahre. In den ersten zweihundert davon war ein Kinderbuch ein Lehrmittel, das unterhalten durfte, solange es nützte. Dass ein Buch für Kinder in erster Linie gut sein soll, ist eine Forderung des späten 19. Jahrhunderts14, und dass ein Kind darin gegen Erwachsene recht behalten darf, setzt sich erst nach 1945 durch.
1658 bis 1780
Bilder, damit Kinder lernen
Am Anfang steht ein Lehrmittel. Der böhmische Pädagoge Johann Amos Comenius veröffentlichte 1658 in Nürnberg den Orbis sensualium pictus, die sichtbare Welt in Bildern1. Sein Prinzip war neu und wirkt bis heute: Zu jedem Ding gehört ein Bild, und der Name steht daneben, damit das eine das andere erklärt2.
Gut hundert Jahre später kommt der zweite Schritt. Joachim Heinrich Campe schrieb mit Robinson der Jüngere eine Fassung des Robinson-Stoffs eigens für Kinder, erschienen 1779 und 1780 in Hamburg34. Erzählt wird dort im Kreis der Familie, mit Zwischenfragen der Kinder, und jede Episode zieht eine Lehre. Das Buch unterhält, um zu erziehen.
Die Marken dieser Zeit
Was davon heute noch trägt
Comenius' Grundidee steckt in jedem Wimmelbuch und in jeder Bildwörterbuchseite: ein Bild, ein Wort, und das Kind stellt die Verbindung selbst her.
1812 bis 1865
Aus Sammlungen werden Kinderbücher
Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm erschienen 1812 und 1815, und sie waren zunächst kein Kinderbuch. 1822 kam ein eigener Band mit Anmerkungen dazu, also ein wissenschaftlicher Apparat. Zum Kinderbuch wurden die Märchen erst mit der Kleinen Ausgabe von 1825: fünfzig ausgewählte Texte, sieben Kupfer von Ludwig Emil Grimm, kein Apparat5.
Dann kommen innerhalb von zwanzig Jahren drei Bücher, die das Fach bis heute prägen. Heinrich Hoffmann, Frankfurter Arzt, zeichnete Weihnachten 1844 ein Bilderbuch für seinen dreijährigen Sohn, weil ihm nichts Passendes im Laden gefiel. Es erschien 1845 unter dem Titel Lustige Geschichten und drollige Bilder, mit sechs Geschichten und unter Pseudonym6. Heute heißt es Struwwelpeter, und der Streit darüber hat sich nie gelegt8.
1865 erscheinen Max und Moritz bei Braun & Schneider in München9 und in Oxford Alice's Adventures in Wonderland. Carroll zog die Erstauflage wieder zurück, weil der Illustrator John Tenniel mit der Druckqualität unzufrieden war. Von diesem zurückgezogenen Druck sind 22 Exemplare bekannt11.
Die Marken dieser Zeit
- 1812/15Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, zwei Bände5
- 1825Die Kleine Ausgabe macht die Märchen zum Kinderbuch: 50 Texte, sieben Kupfer5
- 1845Hoffmann, Lustige Geschichten und drollige Bilder, später Struwwelpeter67
- 1865Busch, Max und Moritz, Erstauflage 4.000 Exemplare910
- 1865Carroll und Tenniel, Alice's Adventures in Wonderland, Erstdruck zurückgezogen11
Was davon heute noch trägt
Die sichtbare Federlinie, die Busch und Tenniel tragen, ist bis heute eine eigene Technik: erst die Zeichnung, dann die Farbe darüber.
1860 bis 1902
Farbe wird bezahlbar
Der wichtigste Einschnitt dieser Jahre ist technisch. In London entwickelte der Holzstecher und Drucker Edmund Evans ein Verfahren, mit dem sich Kinderbücher erstmals wirtschaftlich in Farbe drucken ließen. Er arbeitete mit Walter Crane, Randolph Caldecott und Kate Greenaway12. Vorher war Farbe im Kinderbuch Handarbeit und entsprechend teuer.
Am Ende dieser Entwicklung steht ein sehr kleines Buch. Beatrix Potter ließ The Tale of Peter Rabbit im Dezember 1901 auf eigene Kosten in 250 Exemplaren drucken, nachdem Verlage abgelehnt hatten. 1902 übernahm Frederick Warne. Das kleine Format war Absicht: Potter wollte ein Buch, das in Kinderhände passt und wenig kostet13.
Die Marken dieser Zeit
Was davon heute noch trägt
Das lasierende Aquarell, das Potter benutzte, hält sich bis heute als die Technik für ruhige, naturnahe Bilderbücher.
1896 bis 1929
Der Streit um die Qualität
1896 veröffentlichte der Hamburger Volksschullehrer Heinrich Wolgast Das Elend unserer Jugendliteratur und forderte darin, die eigens für Kinder gemachte, belehrende Massenware abzuschaffen14. Wolgast hatte 1888 den Jugendschriftenausschuss mitbegründet und gab die Jugendschriften-Warte heraus15. Seine Debatte wirkt bis heute nach: Das einzige universitäre Institut für Kinder- und Jugendliteraturforschung in Deutschland geht auf diese Auseinandersetzung zurück16.
Der literarische Bruch kommt 1929 mit Erich Kästners Emil und die Detektive, illustriert von Walter Trier. Die Deutsche Nationalbibliothek beschreibt den Unterschied so: weg vom pädagogisch belehrenden Ton, hin zu einer realistischen Großstadt und zu Kindern, die Erwachsenen gegenüber eigenständig auftreten17.
In derselben Zeit arbeiten Illustratorinnen, deren Namen später aus dem Blick geraten. Tom Seidmann-Freud, eine Nichte Sigmund Freuds, veröffentlichte zwischen 1918 und 1930 eine Reihe eigenwilliger Bilderbücher21, Else Wenz-Viëtor illustrierte rund hundertfünfzig22.
1933 bis 1945
Verbrannt und eingespannt
Am 10. Mai 1933 brannten auf dem Berliner Opernplatz auch Bücher von Erich Kästner. Er war der einzige der namentlich aufgerufenen Autoren, der zusah, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform19. Verbrannt und verboten wurden seine Gedichtbände und der Roman Fabian; Emil und die Detektive blieb zunächst verschont18.
Gleichzeitig wurde das Kinderbuch zum Werkzeug. Der Stürmer-Verlag in Nürnberg brachte 1936 das antisemitische Bilderbuch Trau keinem Fuchs auf grüner Heid heraus, das eine Gesamtauflage von über hunderttausend Exemplaren erreichte20. Dieser Teil gehört auf jede Zeitleiste des deutschen Kinderbuchs, weil er sonst eine Lücke hinterlässt.
1945 bis 1966
Das Kind wird laut
Nach dem Krieg ändert sich, wer in einem Kinderbuch recht behalten darf. Friedrich Oetinger reiste im Frühjahr 1949 nach Stockholm und holte Pippi Långstrump nach Deutschland23. Ein Mädchen ohne Eltern, stärker als jeder Erwachsene und an keine Ordnung gebunden, war das Gegenteil dessen, was die Nachkriegszeit Kindern zumuten wollte.
Im selben Jahr wird im Osten der Kinderbuchverlag Berlin gegründet, am 1. Juni 1949. Bis 1989 gab er rund 5.000 Titel mit etwa 300 Millionen Exemplaren heraus, illustriert unter anderem von Werner Klemke28. Kinderbücher waren dort subventioniert und zugleich politisch beaufsichtigt.
Es entsteht auch die Infrastruktur, die bis heute trägt: 1956 stiftet der Bund den Deutschen Jugendbuchpreis, der seit 1981 Deutscher Jugendliteraturpreis heißt2425. IBBY vergibt die Hans-Christian-Andersen-Medaille seit 1956 an Autorinnen und Autoren, seit 1966 auch an Illustratorinnen und Illustratoren26.
Die Marken dieser Zeit
- 1949Pippi Langstrumpf erscheint bei Oetinger auf Deutsch23
- 1.6.1949Gründung des Kinderbuchverlags Berlin28
- 1956Der Bund stiftet den Deutschen Jugendbuchpreis24
- 1960Michael Ende, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Stuttgart29
- 1964Caldecott Medal für Maurice Sendaks Where the Wild Things Are27
- 1966IBBY führt eine eigene Andersen-Medaille für Illustration ein26
Was davon heute noch trägt
Pippi und Jim Knopf stehen bis heute in fast jedem Kinderzimmerregal, und beide haben Debatten ausgelöst, die noch laufen.
1969 bis 1979
Kinderbücher werden politisch
1969 erscheint Die kleine Raupe Nimmersatt auf Deutsch31. Eric Carle arbeitete mit bemaltem Seidenpapier, das er zerschnitt und neu zusammensetzte, und machte damit die Collage für eine ganze Generation zur Bilderbuchtechnik.
Parallel dazu wird in Westdeutschland über Erziehung gestritten, und das Kinderbuch steht mitten drin. Die Zeitschrift betrifft: erziehung erschien von 1967 bis 1986 und war eines der Organe der antiautoritären Bewegung33. 1972 startet Rowohlt die Taschenbuchreihe rororo rotfuchs, die gesellschaftskritische Kinderliteratur in die Breite bringt32.
Am Ende des Jahrzehnts steht ein sehr leises Buch. Janoschs Oh, wie schön ist Panama bekam 1979 den Deutschen Jugendbuchpreis in der Kategorie Bilderbuch34.
Die Marken dieser Zeit
Was davon heute noch trägt
Carles Collage ist bis heute der Stil, mit dem Bilderbücher für die Jüngsten arbeiten, weil große Farbflächen früher erfasst werden als feine Linien.
1992 bis 2004
Der weltweite Bilderbuchmarkt
In diesen zwölf Jahren entstehen die Bücher, die heute in jeder Bestenliste stehen. Marcus Pfisters Der Regenbogenfisch erschien 1992 bei NordSüd und steht inzwischen in der 45. Auflage36. 1999 kommt Der Grüffelo bei Beltz & Gelberg heraus, übersetzt von Monika Osberghaus38. 2003 zeichnet Rotraut Susanne Berner ihr erstes Wimmelbuch35.
Dazwischen liegt der größte Einzelvorgang der jüngeren Kinderbuchgeschichte. Die deutsche Ausgabe von Harry Potter erschien am 21. Juli 1998 bei Carlsen. Die Startauflagen der Folgebände lagen bei einer und später zwei Millionen Exemplaren, von denen Hunderttausende am ersten Verkaufstag weggingen37. Solche Zahlen hatte der deutsche Kinderbuchmarkt vorher nicht gesehen.
Die Marken dieser Zeit
Was davon heute noch trägt
Der Grüffelo bekommt im September 2026 nach 22 Jahren einen dritten Band. Das ist der Grund, warum gerade jetzt so viele Menschen nach ihm suchen.
seit 2015
Vielfalt, und was niemand misst
Die laufende Debatte dreht sich um die Frage, wer in Bilderbüchern vorkommt. In den USA zählt das Cooperative Children's Book Center der University of Wisconsin-Madison das seit 1985 systematisch aus, zunächst für Bücher von und über Schwarze Menschen, ab 1994 für alle BIPOC-Gruppen und seit 2018 zusätzlich für Behinderung, LGBTQ+ und Religion40.
Für den deutschsprachigen Markt gibt es nichts Vergleichbares. Es gibt das KIMI-Siegel, das einzelne Bücher für Vielfalt auszeichnet41, aber keine laufende Erhebung, die zählt. Wer über Repräsentation im deutschen Bilderbuch spricht, spricht über Einzelbeobachtungen.
Wirtschaftlich ist das Segment stabil und groß: 2023 entfielen 18,3 Prozent des deutschen Buchmarkts auf Kinder- und Jugendbücher42.
Vier Stellen, an denen die Quellen nicht reichen
Bei Jahreszahlen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert ist die Versuchung groß, eine Angabe zu übernehmen, weil sie überall steht. Diese vier haben wir gesucht und nicht belegen können.
War der Orbis pictus wirklich das erste Bilderbuch für Kinder?
Belegt
Nicht belegbar
Der Alleinstellungsanspruch. Die akademischen Quellen formulieren vorsichtig und sprechen von einem der ersten Bilderbücher für Kinder, nicht von dem ersten. Wir übernehmen diese Vorsicht.
Ab wann wurden die Grimm-Märchen für Kinder entschärft?
Belegt
Die Kleine Ausgabe von 1825 ist der belegte Wendepunkt zum Kinderbuch5.
Nicht belegbar
Ob die inhaltliche Glättung schon mit der zweiten Auflage von 1819 begann, wie in der Forschung verbreitet angenommen wird. Eine Bibliotheksquelle, die das bestätigt, haben wir nicht gefunden.
Ab welcher Auflage hieß das Buch Struwwelpeter?
Belegt
Der Originaltitel Lustige Geschichten und drollige Bilder, die Entstehung 1844 und die Veröffentlichung 18456.
Nicht belegbar
Die genaue Auflage des Titelwechsels. Die Angaben schwanken zwischen der vierten und der fünften Auflage, und die eine Quelle, die wir prüfen konnten, bezieht ihre Angabe auf den Autorennamen, nicht auf den Werktitel.
Wie divers sind deutsche Bilderbücher?
Belegt
Dass es für den US-Markt seit 1985 eine laufende Zählung gibt40, und dass es im deutschsprachigen Raum mit dem KIMI-Siegel eine Auszeichnung gibt41.
Nicht belegbar
Jede Zahl. Eine dem CCBC vergleichbare, jährlich wiederkehrende Erhebung für den deutschsprachigen Markt existiert nach unserer Recherche nicht. Wer hier mit Prozentzahlen argumentiert, sollte sagen, woher sie stammen.
Wo Fachleute uneinig sind
Drei Streitfragen begleiten die Geschichte des Kinderbuchs seit Jahrzehnten, und keine davon ist entschieden.
Ist der Struwwelpeter ein Kinderbuch oder eine Drohschrift?
Für das Buch
Gegen das Buch
Die Strafen sind drastisch und werden ohne Einordnung erzählt. In Frankreich lehnen Psychotherapeuten das Buch als schädlich ab8.
Waren DDR-Kinderbücher gestaltete Kunst oder Staatsauftrag?
Für den Freiraum
Der Kinderbuchverlag Berlin brachte rund 5.000 Titel heraus, mit Illustratoren wie Werner Klemke, deren Arbeit gestalterisch eigenständig war28.
Für die Steuerung
Der Verlag wurde 1949 auf Anraten der Besatzungsmacht gegründet und stand faktisch im Eigentum der Staatspartei; Kinderbücher waren subventioniert und dienten der Wertevermittlung28.
Macht Auflagenhöhe einen Klassiker?
Für den Markt als Maßstab
Häufig gefragt
Was war das erste Kinderbuch?
Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. Als frühestes Bilderbuch, das ausdrücklich für Kinder gemacht wurde, gilt der Orbis sensualium pictus von Johann Amos Comenius, erschienen 1658 in Nürnberg. Die Fachliteratur formuliert dabei vorsichtig und nennt ihn eines der ersten, nicht das erste.
Seit wann gibt es Kinderbücher, die nicht erziehen wollen?
Der oft genannte Wendepunkt ist 1929 mit Erich Kästners Emil und die Detektive, das auf den belehrenden Grundton verzichtet und Kinder als eigenständige Figuren zeigt. Vollständig durchgesetzt hat sich das erst nach 1945, unter anderem mit Pippi Langstrumpf, die 1949 auf Deutsch erschien.
Waren die Grimm-Märchen von Anfang an für Kinder?
Nein. Die Erstausgabe von 1812 und 1815 war eine gelehrte Sammlung, 1822 kam sogar ein eigener Anmerkungsband dazu. Zum Kinderbuch wurden die Märchen mit der Kleinen Ausgabe von 1825: fünfzig ausgewählte Texte mit sieben Kupfern und ohne wissenschaftlichen Apparat.
Warum spielt Technik in dieser Geschichte so eine große Rolle?
Weil Farbe lange unbezahlbar war. Erst als Edmund Evans in London ab den 1860er Jahren ein wirtschaftliches Farbdruckverfahren für Kinderbücher entwickelte, konnte ein farbiges Bilderbuch ein Massenprodukt werden. Vorher wurde koloriert, und das hieß Handarbeit.
Wie groß ist der Kinderbuchmarkt in Deutschland?
Auf Kinder- und Jugendbücher entfielen 2023 laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels 18,3 Prozent des gesamten deutschen Buchmarkts. Das ist einer der größten Einzelanteile überhaupt.
Gibt es Zahlen zur Vielfalt in deutschen Bilderbüchern?
Nach unserer Recherche nicht. In den USA zählt das Cooperative Children's Book Center seit 1985 systematisch aus, für den deutschsprachigen Markt gibt es keine vergleichbare laufende Erhebung. Das KIMI-Siegel zeichnet einzelne Bücher aus, erhebt aber keine Statistik.
Und heute: ein Buch, in dem das eigene Kind vorkommt
Dreihundertfünfundsechzig Jahre nach Comenius ist der Gedanke derselbe geblieben: Ein Kind versteht eine Geschichte besser, wenn es sich darin wiederfindet.
Ansehen, wie das gehtQuellen
- 1.University of Minnesota Libraries, Ausstellung „The ABC of It“: Orbis sensualium pictus.englischsprachigBelegt: Erscheinungsjahr 1658 in Nürnberg bei Michael Endter, englisch-lateinische Ausgabe London 1659; die Einordnung als eines der ersten eigens für Kinder gemachten Bilderbücher.
- 2.German History Intersections, German Historical Institute Washington: Comenius, Orbis sensualium pictus.Belegt: Das didaktische Prinzip, Bild und Benennung systematisch zu verbinden, und die Verbreitung in viele europäische Sprachen.
- 3.Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: Campe, Robinson der Jüngere, Band 1.Belegt: Digitalisierte Originalausgabe, Hamburg 1779.
- 4.Deutsches Textarchiv: Campe, Robinson der Jüngere, Band 2.Belegt: Digitalisierte Originalausgabe, Hamburg 1780.
- 5.Staatsbibliothek zu Berlin, Abteilung Kinder- und Jugendbücher: Die Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen.Belegt: Erstausgabe 1812 und 1815 in zwei Bänden, Anmerkungsband 1822, und die Kleine Ausgabe von 1825 mit 50 ausgewählten Märchen und sieben Kupfern von Ludwig Emil Grimm.
- 6.Deutsches Ärzteblatt: Heinrich Hoffmann, Lustige Geschichten und drollige Bilder.Belegt: Der ursprüngliche Titel, die Entstehung als Weihnachtsgeschenk 1844 für Hoffmanns Sohn, die sechs Geschichten der Erstausgabe und das Pseudonym.
- 7.Struwwelpeter-Museum, Heinrich-Hoffmann-Museum Frankfurt am Main.Belegt: Die museale Aufarbeitung der Entstehungsgeschichte und ihrer Zeitumstände.
- 8.Informationsdienst Wissenschaft: Vorlesungsreihe des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität zum Struwwelpeter.Belegt: Dass der Streit über das Werk bis heute nicht abgeebbt ist, einschließlich der besonderen Ablehnung in Frankreich.
- 9.Wilhelm Busch, Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Hannover: Max und Moritz.Belegt: Erscheinen Ende Oktober 1865 bei Braun & Schneider in München, Entstehung der Zeichnungen 1863 und des Textes 1864.
- 10.Deutsches Historisches Museum, LeMO: Max und Moritz, Erstausgabe.Belegt: Erstauflage von 4.000 Exemplaren.
- 11.Bodleian Libraries, University of Oxford: Erwerbung eines Exemplars der zurückgezogenen Alice-Erstausgabe.englischsprachigBelegt: Druck 1865 bei Oxford University Press, Rückzug durch Carroll nach Tenniels Kritik an der Druckqualität, 22 bekannte erhaltene Exemplare.
- 12.Victoria and Albert Museum, London: Sammlungseintrag zu Edmund Evans.englischsprachigBelegt: Evans als führender Farbdrucker für Kinderbücher ab den 1860er Jahren und seine Zusammenarbeit mit Walter Crane, Randolph Caldecott und Kate Greenaway.
- 13.Victoria and Albert Museum: Peter Rabbit, the tale of „The Tale“.englischsprachigBelegt: Privatdruck von 250 Exemplaren im Dezember 1901, Übernahme durch Frederick Warne 1902, Potters Entscheidung für ein kleines und billiges Format.
- 14.Deutscher Bildungsserver: Heinrich Wolgast, Das Elend unserer Jugendliteratur.Belegt: Titel, Erscheinungsjahr 1896 und die Grundforderung der Schrift.
- 15.Deutsche Biographie, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Heinrich Wolgast.Belegt: Lebensdaten, Mitbegründung des Jugendschriftenausschusses 1888 und die Herausgabe der Jugendschriften-Warte.
- 16.Goethe-Universität Frankfurt: Institut für Jugendbuchforschung.Belegt: Das einzige universitäre Institut für Kinder- und Jugendliteraturforschung in Deutschland.
- 17.Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek: Emil und die Detektive.Belegt: Der Bruch mit dem pädagogisch belehrenden Grundton zugunsten realistischer Großstadtschilderung und eigenständiger Kinderfiguren.
- 18.Stiftung Haus der Geschichte, LeMO: Biografie Erich Kästner.Belegt: Erscheinen von Emil und die Detektive 1929 und die Liste der 1933 verbrannten und verbotenen Werke Kästners.
- 19.Literaturportal Bayern, Monacensia Literaturarchiv München: Die Bücherverbrennung.Belegt: Datum 10. Mai 1933 und Kästners eigene Schilderung, als einziger der aufgerufenen Autoren anwesend gewesen zu sein.
- 20.Deutsches Historisches Museum, LeMO: NS-Kinderspielzeug und Kindermedien.Belegt: Das antisemitische Kinderbuch „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid“ von 1936, Stürmer-Verlag Nürnberg, Gesamtauflage über 100.000.
- 21.documenta 14: Künstlerprofil Tom Seidmann-Freud.Belegt: Lebensdaten 1892 bis 1930 und die Werktitel zwischen 1918 und 1930.
- 22.Deutsche Digitale Bibliothek, Normdatensatz zu Else Wenz-Viëtor.Belegt: Lebensdaten und die Tätigkeit als Kinderbuchillustratorin.
- 23.Verlagsgruppe Oetinger: Die Geschichte von Pippi Langstrumpf in Deutschland.Belegt: Friedrich Oetingers Reise nach Stockholm im Frühjahr 1949 und die Übernahme des Buchs für den deutschen Markt.
- 24.Arbeitskreis für Jugendliteratur: Der Deutsche Jugendliteraturpreis.Belegt: Stiftung durch den Bund und erste Verleihung 1956, heutige Trägerschaft.
- 25.Stadtbibliothek Nürnberg: Bestandsverzeichnis Deutscher Jugendbuchpreis 1956 bis 1980, Deutscher Jugendliteraturpreis ab 1981.Belegt: Die Umbenennung des Preises im Jahr 1981.
- 26.IBBY, International Board on Books for Young People: Hans Christian Andersen Award.englischsprachigBelegt: Die Autorenmedaille wird seit 1956 vergeben, die eigene Illustrationsmedaille seit 1966.
- 27.American Library Association: Caldecott Medal, Gesamtliste der Preisträger.englischsprachigBelegt: Caldecott Medal 1964 für Where the Wild Things Are von Maurice Sendak.
- 28.DDR Museum Berlin: Kinderbücher der DDR.Belegt: Gründung des Kinderbuchverlags Berlin am 1. Juni 1949, die Trägerschaft, rund 5.000 Titel und etwa 300 Millionen Exemplare bis 1989, Werner Klemke als prägender Illustrator.
- 29.Michael Ende, offizielle Website: Bibliografie.Belegt: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Stuttgart 1960, und Momo, Stuttgart 1973.
- 30.Thienemann Verlag: Unterrichtsmaterial zu Momo.Belegt: Momo, Thienemann Verlag 1973.
- 31.Gerstenberg Verlag: Eric Carle und die kleine Raupe Nimmersatt.Belegt: Erscheinen der deutschen Ausgabe 1969.
- 32.Rowohlt Verlag: Verlagschronik 1970 bis 1995.Belegt: Start der Taschenbuchreihe rororo rotfuchs im Jahr 1972 und ihre ersten Titel.
- 33.Werner Thole, Das kritisch-alternative pädagogische Milieu, Open-Access-Volltext auf pedocs.de.Belegt: Die Zeitschrift „betrifft: erziehung“ erschien von 1967 bis 1986 und war eines der Publikationsorgane der antiautoritären Erziehungsbewegung.
- 34.Arbeitskreis für Jugendliteratur: Oh, wie schön ist Panama, Preisträger 1979.Belegt: Deutscher Jugendbuchpreis 1979 in der Kategorie Bilderbuch.
- 35.Gerstenberg Verlag: Rotraut Susanne Berner und Wimmlingen.Belegt: Das Winter-Wimmelbuch entstand 2003 als erstes Wimmelbuch der Reihe.
- 36.NordSüd Verlag: Der Regenbogenfisch.Belegt: Erstauflage 1992, 45. Auflage 2025.
- 37.Carlsen Verlag: Harry-Potter-Chronik.Belegt: Deutsche Erstausgabe am 21. Juli 1998 und die Startauflagen der Folgebände von einer und zwei Millionen Exemplaren.
- 38.Beltz & Gelberg: Der Grüffelo.Belegt: Deutsche Ausgabe 1999 in der Übersetzung von Monika Osberghaus.
- 39.Bologna Children's Book Fair: BolognaRagazzi Award.englischsprachigBelegt: Der Preis wird von der Messe vergeben, die Sammlung der Preisträger reicht bis 1966 zurück.
- 40.Cooperative Children's Book Center, University of Wisconsin-Madison: CCBC Diversity Statistics.englischsprachigBelegt: Systematische Erhebung seit 1985, ab 1994 auf alle BIPOC-Gruppen erweitert, seit 2018 zusätzlich Behinderung, LGBTQ+ und Religion.
- 41.KIMI-Siegel für Vielfalt in Kinder- und Jugendbüchern.Belegt: Die einzige einschlägige deutsche Auszeichnung für Vielfalt im Kinderbuch.
- 42.Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Wirtschaftspressekonferenz 2024, Zahlen für das Berichtsjahr 2023.Belegt: Anteil der Kinder- und Jugendbücher am deutschen Buchmarkt 2023: 18,3 Prozent.
Alle Quellen abgerufen am 15. September 2026. Fehlt eine Angabe oder hat sich etwas geändert? Schreib uns: wir korrigieren und vermerken das Datum.
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