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Klassiker einordnen · Momo

Momo vorlesen: ab welchem Alter, und worum es wirklich geht

5 Min. Lesezeit3 Quellen

Illustration: aufgefächerte Kinderbuchklassiker in gebrauchten Einbänden, eines aufgeschlagen

Momo steht in vielen Regalen, wird aber oft zu früh angefangen. Der Verlag empfiehlt es ab zwölf, und das ist deutlich später als bei den anderen Klassikern derselben Generation.

Unten steht, warum das so ist, worum es geht, und was an der Frage dran ist, ob es an dem Buch heute etwas zu diskutieren gibt. Die kurze Antwort darauf ist ungewöhnlich: nein.

Hintergrund

Die Kurzfassung

  • Ab 12 Jahren empfiehlt der Verlag, deutlich später als bei „Das kleine Gespenst“ (ab 6) oder „Pippi Langstrumpf“ (ab 6). Der Grund liegt im Text, nicht im Thema.
  • Erschienen 1973 bei K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. Deutscher Jugendliteraturpreis 1974.
  • Keine Kontroverse. Anders als bei Lindgren und Preußler gibt es keine geänderten Wörter und keine Debatte um den Autor. Was es gibt, ist Deutungsvielfalt.
Der Inhalt

Worum es geht

Momo, ein Mädchen ohne bekannte Herkunft, lebt in den Ruinen eines Amphitheaters am Rand einer Großstadt. Ihre Gabe ist unspektakulär und der Kern des Buches: Sie kann zuhören, so gut, dass Menschen in ihrer Gegenwart selbst auf ihre Antworten kommen.

Dann tauchen die grauen Herren auf und reden den Leuten ein, sie müssten Zeit sparen. Wer ihnen folgt, verliert Muße, Freundschaft und Fantasie, ohne zu merken, wofür er die gesparte Zeit eigentlich aufhebt. Momo versucht, die gestohlene Zeit zurückzuholen.

Der vollständige Titel sagt das meiste: „Momo. Oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.“

Konkret

Warum erst ab zwölf

Die Verlagsempfehlung lautet ab 12 Jahren. Das liegt nicht daran, dass etwas darin ungeeignet wäre. Es liegt an der Bauform: Momo ist eine Allegorie. Die grauen Herren sind keine Bösewichte mit Plan, sondern die verkörperte Logik des Zeitsparens. Wer das nicht als Bild liest, liest eine merkwürdig zähe Geschichte über Männer in grauen Anzügen.

Praktisch heißt das: Vorlesen funktioniert früher als Selbstlesen, etwa ab neun oder zehn, weil man beim Vorlesen nachfragen und erklären kann. Allein lesen eher ab zwölf.

Das Buch wird häufig als Schullektüre ab Klasse 5 eingesetzt. Es gibt außerdem vereinfachte Ausgaben für Deutsch als Fremdsprache auf Sprachniveau A2 bis B1.

Einordnung

Gibt es daran etwas zu diskutieren?

Nicht in dem Sinn, in dem es bei Lindgren oder Preußler etwas zu diskutieren gibt. Keine nachträglich geänderten Wörter, keine Debatte um die Biografie des Autors, keine diskriminierenden Begriffe im Text. Wir haben ausdrücklich danach gesucht.

Was es gibt, ist Deutungsvielfalt. Der Roman wird als Konsum- und Kapitalismuskritik gelesen, teils auch als Parabel auf das Geldsystem. Die Forschungsliteratur betont dabei, dass der Text selbst offen bleibt und keine politische Zuordnung vornimmt. Wer Momo für die eigene Position in Anspruch nimmt, legt sie hinein.

Was wir nicht schreiben: Uns begegnete die Behauptung, in Ausgaben aus der DDR sei eine bestimmte Binnenerzählung gestrichen worden. Wir konnten sie an keiner Quelle festmachen und geben sie deshalb nicht wieder.

Fragen

Häufig gefragt

Ab welchem Alter ist Momo geeignet?

Der Verlag empfiehlt ab 12 Jahren. Beim Vorlesen funktioniert es früher, etwa ab neun oder zehn, weil man dabei nachfragen kann. Die späte Empfehlung liegt an der Bauform, nicht am Inhalt: Momo ist eine Allegorie, und wer die grauen Herren nicht als Bild liest, dem bleibt eine zähe Geschichte über Männer in grauen Anzügen.

Worum geht es in Momo?

Ein Mädchen, das außergewöhnlich gut zuhören kann, lebt am Rand einer Großstadt. Graue Herren reden den Menschen ein, sie müssten Zeit sparen, und wer ihnen folgt, verliert Muße, Freundschaft und Fantasie. Momo versucht, die gestohlene Zeit zurückzuholen. Gelesen wird das meist als Kritik an Beschleunigung und Konsum.

Gibt es an Momo etwas Umstrittenes?

Nein, jedenfalls nicht vergleichbar mit Pippi Langstrumpf oder Otfried Preußler. Es gibt keine nachträglich geänderten Wörter, keine diskriminierenden Begriffe im Text und keine Debatte um den Autor. Was es gibt, sind unterschiedliche politische Deutungen, wobei die Forschung betont, dass der Text selbst offen bleibt.

Eignet sich Momo als Schullektüre?

Es wird verbreitet ab Klasse 5 eingesetzt, und es gibt vereinfachte Ausgaben für Deutsch als Fremdsprache auf Niveau A2 bis B1. Für den Unterricht spricht genau das, was das private Vorlesen erschwert: Die allegorische Bauform lässt sich gut besprechen.

Belege

Quellen

  1. 1.Thienemann-Esslinger Verlag: Unterrichtsmaterial zu Momo.Belegt: Vollständiger Titel, Erstausgabe 1973 bei K. Thienemanns Verlag, schulischer Einsatz.
  2. 2.Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V.: Deutscher Jugendliteraturpreis, Preisträgerverzeichnis.Belegt: Auszeichnung von Momo mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1974.
  3. 3.Werner Onken: Die ökonomische Botschaft von Michael Endes Momo.Belegt: Eine der verbreiteten wirtschaftskritischen Lesarten des Romans, hier als Beispiel für die Deutungsvielfalt und nicht als maßgebliche Interpretation.

In eigener Sache

Eine Geschichte, die dem eigenen Kind gehört

Was Momo seit 1973 kann: Es nimmt Zuhören ernst und macht daraus eine Fähigkeit, die etwas bewirkt. Das ist ein ungewöhnlicher Held für ein Kinderbuch und vermutlich der Grund, warum es bleibt.

Bei Sagalino entsteht eine eigene Geschichte mit dem Namen des Kindes und in einem von dreizehn Illustrationsstilen. Die komplette Geschichte liest du gratis, bezahlt wird erst danach.

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