Klassiker einordnen · Die unendliche Geschichte
Die unendliche Geschichte: ab welchem Alter, und der Streit um den Film
6 Min. Lesezeit3 Quellen

Die meisten kennen den Film von 1984. Michael Ende wollte mit ihm nichts zu tun haben und ließ seinen Namen aus dem Vorspann streichen. Wer Buch und Film zusammen anschauen will, sollte das wissen.
Unten steht, ab welchem Alter das Buch passt, worum es geht, und was beim Streit um die Verfilmung tatsächlich belegt ist. An einer Stelle widersprechen sich die Quellen, und wir schreiben das hin, statt uns für eine Fassung zu entscheiden.
Die Kurzfassung
- Ab 12 Jahren gibt der Thienemann Verlag für die aktuelle Ausgabe an. Andere Ausgaben und Einordnungen reichen von 10 bis 16.1
- Erschienen im August 1979 bei K. Thienemanns Verlag, Stuttgart, in zweifarbigem Druck: Rot für die Menschenwelt, Grün für Phantásien. 26 Kapitel, alphabetisch geordnet.
- Ende nannte ein frühes Drehbuch eine „Micky-Maus-Version“. Im März 1983 distanzierte er sich öffentlich vom Film und ließ später seinen Namen aus dem Vorspann entfernen.2
- Am Buchtext selbst wurde nichts geändert. Der Streit betrifft ausschließlich die Verfilmung.
Worum es geht
Bastian Balthasar Bux, ein Junge, der in der Schule nichts zu lachen hat, stiehlt in einem Antiquariat ein Buch mit dem Titel „Die unendliche Geschichte“ und versteckt sich damit auf dem Dachboden seiner Schule. Darin liest er von Phantásien, einem Reich, das vom „Nichts“ aufgelöst wird, weil der Kindlichen Kaiserin ein neuer Name fehlt.
Der Kunstgriff des Buches ist, dass Bastian im Verlauf selbst Teil der Geschichte wird, die er liest. Und dann kommt die Wendung, die das Buch von den meisten Fantasy-Geschichten trennt: Grenzenlose Fantasie ohne Rückbindung an die eigene Verantwortung erweist sich als genauso gefährlich wie ihr Fehlen.1
Ab welchem Alter
Ab 12 Jahren laut aktueller Verlagsangabe.1 Andere Ausgaben und Einordnungen nennen 10, manche Händler geben Spannen von 12 bis 16 an. Die Unterschiede kommen daher, dass es das Buch in mehreren Ausstattungen gibt.
Der Umfang ist der praktische Faktor: 428 Seiten in der Erstausgabe. Das ist für ein Kind, das gerade flüssig liest, eine Hürde, und die zweite Hälfte ist deutlich schwerer als die erste. Viele Leser brechen genau dort ab, wo das Buch anfängt, interessant zu werden.
Vorlesen funktioniert früher, etwa ab neun, weil die ersten Kapitel klassisches Abenteuer sind.
Warum Michael Ende den Film ablehnte
Oktober 1982. Ende liest ein frühes Drehbuch und nennt es eine „Micky-Maus-Version“ und ein „dümmliches Fantasyspektakel“. Danach arbeitet er gemeinsam mit Regisseur Wolfgang Petersen ein neues Drehbuch aus, das der Produzent ablehnt, weil er einen international vermarktbaren Film will.2
März 1983. Ende distanziert sich in einer Presseerklärung öffentlich vom Film. Auf seiner offiziellen Website ist überliefert, dass er die Verfilmung als eine Mischung aus Kitsch, Kommerz, Plüsch und Plastik bezeichnete.3
Hier widersprechen sich die Quellen, und wir lösen das nicht auf. Die offizielle Ende-Website stellt es so dar, dass Ende und der Thienemann Verlag eine einstweilige Verfügung gegen die Produktionsfirma erwirken wollten und damit scheiterten.3 Die deutschsprachige Wikipedia stellt es umgekehrt dar: Ende sei durch die Androhung einer ruinösen Schadenersatzklage dazu gebracht worden, eine Erklärung zu unterschreiben, nichts mehr gegen den Film zu unternehmen.2 Beide Fassungen belegen einen juristischen Konflikt, sie verteilen die Rollen aber gegensätzlich.
Was unstrittig ist: Endes Name wurde aus dem Vorspann des Films entfernt. Im Abspann wird er weiterhin genannt.2
Häufig gefragt
Ab welchem Alter ist Die unendliche Geschichte geeignet?
Der Thienemann Verlag gibt für die aktuelle Ausgabe ab 12 Jahren an, andere Ausgaben nennen ab 10. Der praktische Faktor ist der Umfang: 428 Seiten, und die zweite Hälfte ist deutlich schwerer als die erste. Vorlesen funktioniert früher, etwa ab neun, weil die ersten Kapitel klassisches Abenteuer sind.
Warum mochte Michael Ende den Film nicht?
Er las im Oktober 1982 ein frühes Drehbuch und nannte es eine „Micky-Maus-Version“ und ein „dümmliches Fantasyspektakel“. Ein gemeinsam mit Regisseur Wolfgang Petersen erarbeitetes neues Drehbuch lehnte der Produzent ab, weil er einen international vermarktbaren Film wollte. Im März 1983 distanzierte sich Ende öffentlich.
Gab es einen Prozess um den Film?
Es gab einen juristischen Konflikt, aber die Quellen widersprechen sich darin, wer gegen wen vorging. Die offizielle Michael-Ende-Website beschreibt eine gescheiterte einstweilige Verfügung von Ende und seinem Verlag gegen die Produktionsfirma. Die deutschsprachige Wikipedia beschreibt umgekehrt eine Klageandrohung gegen Ende, die ihn zu einer Unterlassungserklärung brachte. Unstrittig ist, dass sein Name aus dem Vorspann entfernt wurde.
Wurde am Buchtext etwas geändert?
Nein. Anders als bei Pippi Langstrumpf oder den Büchern Otfried Preußlers gibt es hier keine nachträglichen Wortänderungen. Der Streit betrifft ausschließlich die Verfilmung von 1984.
Quellen
- 1.Thienemann Verlag: Produktseite Die unendliche Geschichte, ISBN 978-3-522-20250-3.Belegt: Altersempfehlung ab 12 Jahren für die aktuelle Ausgabe; Inhaltsangabe.
- 2.Wikipedia: Die unendliche Geschichte (Film). Als Enzyklopädieeintrag gekennzeichnet, die dortigen Einzelnachweise haben wir nicht einzeln nachverfolgt.Belegt: Endes Bewertung des frühen Drehbuchs im Oktober 1982; die gemeinsame Drehbucharbeit mit Wolfgang Petersen und deren Ablehnung durch den Produzenten; die Presseerklärung im März 1983; die Darstellung einer Klageandrohung gegen Ende; die Entfernung seines Namens aus dem Vorspann bei Nennung im Abspann.
- 3.michaelende.de, offizielle Website: The Neverending Movie Saga. Englischsprachig.Belegt: Endes Urteil über die Verfilmung als Mischung aus Kitsch, Kommerz, Plüsch und Plastik; die Darstellung einer gescheiterten einstweiligen Verfügung von Ende und dem Thienemann Verlag gegen die Produktionsfirma.
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