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Klassiker einordnen · Der Regenbogenfisch

Der Regenbogenfisch: ab welchem Alter, und was an der Moral kritisiert wird

5 Min. Lesezeit3 Quellen

Illustration: aufgefächerte Kinderbuchklassiker in gebrauchten Einbänden, eines aufgeschlagen

Der Regenbogenfisch steht in fast jedem Kindergarten. Er ist in über 50 Sprachen übersetzt und gehört zu den meistverkauften Bilderbüchern überhaupt. Und er ist das einzige Buch in dieser Reihe, an dem nicht die Sprache kritisiert wird, sondern die Moral.

Unten steht, ab welchem Alter es passt, worum es geht, worin die Kritik genau besteht und was der Autor selbst dazu sagt. Damit lässt sich entscheiden, ob und wie man es vorliest.

Hintergrund

Die Kurzfassung

  • Ab 4 Jahren empfiehlt der NordSüd Verlag, 32 Seiten, ein klassisches Bilderbuch zum Vorlesen in einem Zug.
  • Erschienen 1992 von Marcus Pfister, inzwischen in über 50 Sprachen übersetzt.
  • Die Kritik gilt der Botschaft, nicht der Sprache: Der Fisch gibt seine Schuppen weg und wird dafür beliebt.
Der Inhalt

Worum es geht

Der Regenbogenfisch ist der schönste Fisch im Meer. Seine Schuppen glitzern, und er weiß das. Weil er eitel und stolz ist, spielt niemand mit ihm, und er wird mit der Zeit immer einsamer.

Ein kleiner blauer Fisch bittet ihn um eine einzige Schuppe und wird schroff abgewiesen. Erst als der Regenbogenfisch beginnt, seine Glitzerschuppen zu verteilen, hat er Gesellschaft. Am Ende bleibt ihm eine.

Die Glitzerschuppen im Buch sind echte Prägefolie. Marcus Pfister hatte die Technik aus seiner Zeit als Werbegestalter mitgebracht, und sie ist bis heute der Grund, warum kleine Kinder das Buch anfassen wollen.

Konkret

Ab welchem Alter

Der NordSüd Verlag empfiehlt ab 4 Jahren. Die Pappbuchausgabe funktioniert schon deutlich früher, weil sie über die Folie und die Farben wirkt und nicht über die Geschichte.

Ab vier verstehen Kinder den Ablauf: allein sein, etwas abgeben, dazugehören. Dass an dieser Kette etwas nicht aufgeht, merken sie meist erst später, oft erst mit sechs oder sieben. Genau dann wird das Buch interessant, weil man darüber sprechen kann.

Einordnung

Woran sich die Kritik entzündet

Der Einwand lautet: Der Regenbogenfisch muss das aufgeben, was ihn ausmacht, um akzeptiert zu werden. Die anderen Fische wenden sich ihm zu, sobald sie eine Schuppe bekommen. An ihm selbst hat sich dafür nichts geändert. Zugehörigkeit wird damit zur Gegenleistung.

Das ist keine Randmeinung. Die negativen Besprechungen des Buches sind inzwischen selbst Gegenstand der Forschung: Eine Studie in der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften hat einen Korpus von 108 negativen Rezensionen zu genau diesem Titel ausgewertet.

Marcus Pfister widerspricht. In der Debatte um sein Buch hat er den Regenbogenfisch einen Antihelden genannt: Er sei zu Beginn überheblich, arrogant und unnahbar, und er müsse lernen, sich zu öffnen und dafür geschätzt zu werden, wer er ist, statt dafür, wie er aussieht.

Beide Lesarten lassen sich am Text belegen, und das ist der Punkt. Wer das Buch vorliest, kann die Frage einfach stellen: Warum spielen die anderen jetzt mit ihm? Kinder ab sechs haben darauf oft eine sehr klare Antwort.

Fragen

Häufig gefragt

Ab welchem Alter ist Der Regenbogenfisch geeignet?

Der NordSüd Verlag empfiehlt ab 4 Jahren. Die Pappbuchausgabe funktioniert früher, weil sie über die glitzernde Prägefolie und die Farben wirkt. Den Ablauf der Geschichte verstehen Kinder ab etwa vier, den Haken daran meist erst mit sechs oder sieben.

Was wird am Regenbogenfisch kritisiert?

Die Moral. Der Fisch gibt seine Glitzerschuppen weg und wird dafür beliebt. Kritisiert wird, dass er damit aufgeben muss, was ihn ausmacht, und dass die Zuwendung der anderen an eine Gegenleistung gebunden ist. Die negativen Besprechungen sind so zahlreich, dass sie selbst schon wissenschaftlich ausgewertet wurden.

Was sagt der Autor dazu?

Marcus Pfister hat der Deutung widersprochen. Der Regenbogenfisch sei ein Antiheld: zu Beginn überheblich, arrogant und unnahbar. Er müsse lernen, sich zu öffnen und dafür geschätzt zu werden, wer er ist, statt dafür, wie er aussieht.

Sollte man das Buch trotzdem vorlesen?

Beide Lesarten lassen sich am Text belegen, und genau das macht das Buch brauchbar. Wer es vorliest, kann die Frage einfach stellen: Warum spielen die anderen jetzt mit ihm? Kinder ab sechs haben darauf oft eine sehr klare Antwort, und das Gespräch danach ist mehr wert als die Moral selbst.

Belege

Quellen

  1. 1.NordSüd Verlag: Programmseite „Der Regenbogenfisch“.Belegt: Altersempfehlung ab 4 Jahren, Umfang 32 Seiten, Ersterscheinen 1992.
  2. 2.20 Minuten: Marcus Pfister äußert sich zur Debatte um den Regenbogenfisch.Belegt: Die Position des Autors: der Regenbogenfisch als Antiheld, der lernen muss, sich zu öffnen.
  3. 3.Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften: Das schlechte Bilderbuch. Negative und uneindeutig-reflexive Wertungspraktiken auf einer verkaufsorientierten Online-Plattform.Belegt: Auswertung eines Korpus von 108 negativen Rezensionen zu „Der Regenbogenfisch“ als Beleg dafür, dass die Kritik breit und dokumentiert ist.

In eigener Sache

Eine Geschichte, die dem eigenen Kind gehört

Was der Regenbogenfisch seit 1992 kann: Er bringt Kinder dazu, über Zugehörigkeit zu reden, auch wenn das Buch selbst eine Antwort gibt, die viele nicht teilen. Diskussionsstoff ist bei einem Bilderbuch selten.

Bei Sagalino entsteht eine eigene Geschichte mit dem Namen des Kindes und in einem von dreizehn Illustrationsstilen. Die komplette Geschichte liest du gratis, bezahlt wird erst danach.

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