Klassiker einordnen · Die Brüder Löwenherz
Die Brüder Löwenherz: ab welchem Alter, und worüber gestritten wird
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Kein Buch von Astrid Lindgren hat bei seinem Erscheinen so viel Streit ausgelöst wie dieses. 1973 warfen Kritiker ihr vor, den Tod zu verharmlosen, und einzelne Politiker lasen den Schluss als Aufforderung zum Selbstmord.
Unten steht, ab welchem Alter das Buch trägt, worum es geht, wie die Debatte verlief und was am Schluss wirklich passiert. Wer es vorliest, steht am Ende ohnehin davor, und es ist besser, vorher zu wissen, was kommt.
Die Kurzfassung
- Ab 9 Jahren empfiehlt Oetinger. Zum Vorlesen geht es früher, allein lesen eher später.
- Erschienen 1973. Der Anstoß kam von einem Grabkreuz auf dem Friedhof in Vimmerby: „Hier ruhen die kleinen Brüder Phalén, gestorben 1860.“
- Die Debatte betrifft den Schluss, nicht die Sprache. Vorgeworfen wurde Lindgren, den Tod zu verharmlosen.
Worum es geht
Karl, genannt Krümel, ist schwer krank und wird sterben. Sein älterer Bruder Jonatan tröstet ihn mit Nangijala, einem Land, in das man nach dem Tod kommt und in dem noch die Zeit der Lagerfeuer und Märchen gilt.
Dann brennt das Haus, und Jonatan stirbt, weil er Karl auf dem Rücken aus dem Feuer trägt. Kurz darauf stirbt auch Karl. In Nangijala finden sie sich wieder, und dort ist es nicht so friedlich wie versprochen: Ein Tyrann namens Tengil hält ein Tal besetzt, und das Ungeheuer Katla bewacht ihn.
Das Buch ist damit gleichzeitig eine Abenteuergeschichte mit Widerstand, Verrat und Mut, und ein Buch über das Sterben eines Kindes. Beides gleichzeitig, von der ersten Seite an.
Ab welchem Alter
Oetinger empfiehlt ab 9 Jahren. Das ist eine ehrliche Angabe, und sie bezieht sich auf das Thema, nicht auf die Sprache. Lindgren schreibt einfach, kurze Sätze, klare Bilder. Ein Siebenjähriger könnte den Text lesen.
Vorlesen funktioniert ab etwa acht, unter einer Bedingung: Es braucht Zeit danach. Das Buch endet nicht so, dass man es zuklappt und Licht aus macht.
Wann eher nicht: kurz nach einem Todesfall in der Familie, und wenn ein Kind gerade ohnehin Angst vor dem Sterben hat. Das Buch tröstet viele Kinder, aber es tut es über einen Umweg durch die Angst, und dieser Umweg braucht festen Boden.
Der Vorwurf von 1973, und der Schluss
Das Buch löste bei seinem Erscheinen einen Sturm aus. Die Kritik kam aus zwei Richtungen. Die eine hielt das Thema für zu ernst, um in einem Kinderbuch überhaupt vorzukommen. Die andere hielt Lindgren vor, den Tod zu verharmlosen und am Ende sogar den Suizid zu rechtfertigen.
Was am Ende passiert: Jonatan wird vom Feuer des Ungeheuers getroffen und ist gelähmt. Er sagt, es gebe einen Weg weiter, nach Nangilima. Karl nimmt ihn auf den Rücken und springt. Es ist derselbe Weg, auf dem Jonatan ihn am Anfang gerettet hat, nur umgekehrt.
Diese Szene ist der Kern des Streits. Gelesen wurde sie als Befürwortung des Freitods. Gegen diese Lesart steht, dass beide Brüder zu diesem Zeitpunkt bereits tot sind und dass der Sprung in der Logik des Buches ein Übergang ist, kein Ende.
Es gab von Anfang an auch die andere Stimme. Dieter Matthias hebt die Verbindung von Tod und Trost hervor und sieht darin keine Verharmlosung, sondern eine annehmende Sicht auf das Sterben.
Unsere Einordnung: Das Buch beantwortet die Frage nicht, was nach dem Tod kommt. Es erzählt, wie zwei Brüder einander durch die Angst davor tragen. Ob das für dein Kind der richtige Weg ist, hängt weniger vom Alter ab als davon, ob jemand danebensitzt.
Häufig gefragt
Ab welchem Alter sind Die Brüder Löwenherz geeignet?
Oetinger empfiehlt ab 9 Jahren. Die Angabe bezieht sich auf das Thema, nicht auf die Sprache: Lindgren schreibt einfach und klar, ein Siebenjähriger könnte den Text lesen. Vorlesen funktioniert ab etwa acht, wenn danach Zeit zum Reden bleibt.
Warum war das Buch 1973 so umstritten?
Die Kritik kam aus zwei Richtungen. Die einen hielten den Tod für ein Thema, das in einem Kinderbuch nichts zu suchen hat. Die anderen warfen Astrid Lindgren vor, den Tod zu verharmlosen und mit dem Schluss den Suizid zu rechtfertigen. Einzelne Politiker lasen die letzte Szene als Aufforderung zum Selbstmord.
Was passiert am Ende der Brüder Löwenherz?
Jonatan wird vom Feuer des Ungeheuers Katla getroffen und ist gelähmt. Er sagt, es gebe einen Weg weiter, nach Nangilima. Karl nimmt ihn auf den Rücken und springt. Es ist derselbe Weg, auf dem Jonatan ihn am Anfang aus dem brennenden Haus getragen hat, nur umgekehrt. Beide Brüder sind zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben; in der Logik des Buches ist der Sprung ein Übergang.
Wann sollte man das Buch lieber nicht vorlesen?
Kurz nach einem Todesfall in der Familie, und wenn ein Kind gerade ohnehin Angst vor dem Sterben hat. Das Buch tröstet viele Kinder, aber es tut das über einen Umweg durch die Angst. Dieser Umweg braucht festen Boden und jemanden, der danebensitzt.
Quellen
- 1.Verlagsgruppe Oetinger: Produktseite „Die Brüder Löwenherz“.Belegt: Altersempfehlung ab 9 Jahren, Verlag der deutschen Ausgabe.
- 2.KinderundJugendmedien.de: „Die Brüder Löwenherz“ ist eine traurige Geschichte, die Mut macht. Besprechung von Dieter Matthias.Belegt: Die Vorwürfe von 1973 (Verharmlosung des Todes, Rechtfertigung des Suizids) und die Gegenposition, die Tod und Trost verbindet.
- 3.Astrid Lindgren Company: Die Geschichte hinter „Die Brüder Löwenherz“.Belegt: Das Grabkreuz der Brüder Phalén auf dem Friedhof in Vimmerby als Anstoß für das Buch.
In eigener Sache
Eine Geschichte, die dem eigenen Kind gehört
Was „Die Brüder Löwenherz“ seit 1973 kann: Es nimmt ein Kind ernst, das Angst hat, und lässt es diese Angst nicht allein aushalten. Dass darüber bis heute gestritten wird, spricht eher für das Buch als dagegen.
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