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Die kleine Hexe vorlesen: ab welchem Alter, und der Streit von 2013

6 Min. Lesezeit3 Quellen

Illustration: aufgefächerte Kinderbuchklassiker in gebrauchten Einbänden, eines aufgeschlagen

„Die kleine Hexe“ ist für viele Familien das erste Vorlesebuch mit Kapiteln. Es ist außerdem das Buch, an dem sich 2013 eine Debatte entzündet hat, die seitdem jede Diskussion über alte Kinderbücher prägt.

Unten steht, ab welchem Alter es trägt, worum es geht, was genau geändert wurde und wie der Streit darüber verlief. Wer wissen will, warum elf Jahre später auch „Jim Knopf“ überarbeitet wurde, findet die Antwort hier.

Hintergrund

Die Kurzfassung

  • Ab 6 Jahren empfiehlt Thienemann. Vorlesen trägt schon ab fünf, die Kapitel sind kurz und in sich abgeschlossen.
  • Erschienen 1957 bei Thienemann, in über 40 Sprachen übersetzt.
  • 2013 sprachlich überarbeitet. Das N-Wort und weitere Begriffe aus dem Fastnachtskapitel wurden ersetzt, dazu veraltete Wörter, die Kinder heute nicht mehr verstehen.
Der Inhalt

Worum es geht

Die kleine Hexe ist 127 Jahre alt und damit nach Hexenmaßstab ein Kind. Sie schleicht sich trotzdem zur Walpurgisnacht auf den Blocksberg, wird erwischt und bekommt eine Auflage: Ein Jahr lang soll sie eine gute Hexe werden, dann darf sie mittanzen.

Was folgt, sind kurze, abgeschlossene Kapitel, in denen sie Blumenfrauen hilft, Holzsammlerinnen aus der Klemme holt und Kastanienverkäufer wärmt. Ihr Rabe Abraxas kommentiert das trockener, als ihr lieb ist.

Am Ende stellt sich heraus, dass die anderen Hexen unter „gut“ etwas anderes verstanden hatten. Die kleine Hexe dreht daraufhin den Spieß um und sorgt dafür, dass in dieser Walpurgisnacht nur sie tanzt. Dieser Schluss ist beim Vorlesen regelmäßig ein Gesprächsstoff, weil die Heldin dabei ziemlich hart vorgeht.

Konkret

Ab welchem Alter

Thienemann empfiehlt ab 6 Jahren. Zum Vorlesen funktioniert es oft schon ab fünf, und zwar wegen der Bauform: Die Kapitel sind kurz und jedes erzählt eine eigene kleine Geschichte. Das macht das Buch zu einem der geeignetsten ersten Vorlesebücher mit Fortsetzung.

Selbst lesen passt ab etwa sieben bis acht, je nach Ausgabe zwischen 112 und 144 Seiten.

Zur Angstfrage: Die Walpurgisnacht auf dem Blocksberg ist düster gezeichnet, und die Muhme Rumpumpel ist eine echte Gegenspielerin. Für sehr kleine Kinder kann das erste Kapitel unheimlich sein, der Rest des Buches ist es nicht.

Einordnung

Der Streit von 2013

Anfang 2013 kündigte Thienemann an, den Text für die kolorierte Neuausgabe sprachlich zu überarbeiten. Ausgelöst hatte das ein Leserbrief von Mekonnen Mesghena, der in der Abteilung Migration und Diversity der Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet und die im Buch verwendeten Begriffe als ausgrenzend beanstandete. Die Nachfahren Otfried Preußlers stimmten den Änderungen zu.

Geändert wurden das N-Wort in mehreren Formen sowie weitere Bezeichnungen aus dem Fastnachtskapitel, in dem sich Kinder verkleiden. Der Verlag nahm zugleich veraltete Wörter heraus, die Kinder heute nicht mehr in der gemeinten Bedeutung kennen, etwa „wichsen“ im Sinne von Schuhe putzen.

Die Begründung des Verlags lautete sinngemäß: Zur Entstehungszeit seien die Begriffe neutral gewesen, aus heutiger Sicht seien sie es nicht. Die Reaktionen fielen in beide Richtungen aus, der Verlag erhielt kritische wie zustimmende Zuschriften, und die Diskussion wurde nach einigen Wochen sachlicher.

Warum dieser Fall wichtig ist: Er ist der Präzedenzfall. Alles, was seitdem an Klassikern überarbeitet wurde, wird an ihm gemessen, auch die Neuausgaben von „Jim Knopf“ aus dem Februar 2024.

Praktisch

Woran du deine Ausgabe erkennst

Am Impressum auf einer der ersten Seiten. Ausgaben vor 2013 enthalten den ursprünglichen Wortlaut, spätere die überarbeitete Fassung. Das betrifft fast jedes Exemplar, das aus der eigenen Kindheit stammt.

Beim Vorlesen aus einer älteren Ausgabe hast du dieselben zwei Möglichkeiten wie bei jedem alten Buch: das Wort ersetzen, oder es zum Anlass nehmen. Ab etwa sieben Jahren verstehen Kinder gut, dass ein Wort früher üblich war und heute verletzt.

Fragen

Häufig gefragt

Ab welchem Alter ist Die kleine Hexe geeignet?

Thienemann empfiehlt ab 6 Jahren. Zum Vorlesen funktioniert es oft schon ab fünf, weil die Kapitel kurz und in sich abgeschlossen sind. Selbst lesen passt ab etwa sieben bis acht. Die Walpurgisnacht im ersten Kapitel ist düster gezeichnet, der Rest des Buches ist es nicht.

Was wurde 2013 an Die kleine Hexe geändert?

Thienemann hat für die kolorierte Neuausgabe das N-Wort in mehreren Formen und weitere Bezeichnungen aus dem Fastnachtskapitel ersetzt. Dazu kamen veraltete Wörter, die Kinder heute nicht mehr in der gemeinten Bedeutung kennen, etwa „wichsen“ im Sinne von Schuhe putzen. Ausgelöst hatte die Überarbeitung ein Leserbrief von Mekonnen Mesghena; die Nachfahren Otfried Preußlers stimmten zu.

Warum war die Überarbeitung so umstritten?

Weil sie die erste ihrer Art bei einem deutschen Klassiker dieses Ranges war. Die eine Seite sah darin einen Eingriff in ein abgeschlossenes Werk, die andere den Schutz von Kindern, die Wörter beim Vorlesen übernehmen. Der Verlag bekam Zuschriften aus beiden Richtungen. Alles, was seitdem überarbeitet wurde, wird an diesem Fall gemessen.

Ist der Schluss des Buches problematisch?

Umstritten ist er nicht, aber er gibt beim Vorlesen regelmäßig Gesprächsstoff. Die kleine Hexe geht am Ende hart gegen die anderen Hexen vor, nachdem diese ihr Wort gebrochen haben. Kinder merken das und fragen nach, und die Frage lohnt sich.

Belege

Quellen

  1. 1.Thienemann-Esslinger Verlag: Produktseite „Die kleine Hexe“.Belegt: Altersempfehlung ab 6 Jahren, Erstausgabe 1957, Verlag.
  2. 2.taz: Diskriminierende Sprache bei Preußler.Belegt: Leserbrief von Mekonnen Mesghena als Auslöser, Zustimmung der Nachfahren, die einzelnen geänderten Begriffe.
  3. 3.BuchMarkt: Thienemann zur Modernisierung der „kleinen Hexe“.Belegt: Begründung des Verlags, Ersetzung veralteter Wörter wie „wichsen“, Reaktionen aus beiden Richtungen.

In eigener Sache

Eine Geschichte, die dem eigenen Kind gehört

Was „Die kleine Hexe“ seit 1957 kann: Sie erzählt von jemandem, der zu klein ist für das, was er will, und es trotzdem versucht. Die kurzen Kapitel sind bis heute das beste Argument, es als erstes Vorlesebuch mit Fortsetzung zu nehmen.

Bei Sagalino entsteht eine eigene Geschichte mit dem Namen des Kindes und in einem von dreizehn Illustrationsstilen. Die komplette Geschichte liest du gratis, bezahlt wird erst danach.

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