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Jim Knopf vorlesen: ab welchem Alter, und was 2024 geändert wurde

6 Min. Lesezeit3 Quellen

Illustration: aufgefächerte Kinderbuchklassiker in gebrauchten Einbänden, eines aufgeschlagen

Bei Jim Knopf gibt es eine Frage, die bei anderen Klassikern nicht auftaucht: Welche Ausgabe hast du eigentlich? Seit Februar 2024 stehen zwei unterschiedliche Texte unter demselben Titel in den Regalen.

Unten steht, ab welchem Alter das Buch trägt, was genau geändert wurde, wie du deine Ausgabe erkennst und was das fürs Vorlesen bedeutet. Eine Empfehlung, welche der beiden die richtige ist, steht nicht dabei. Das ist deine Entscheidung, und sie fällt leichter, wenn du weißt, worüber du entscheidest.

Hintergrund

Die Kurzfassung

  • Ab 6 Jahren empfiehlt Thienemann, bei 272 Seiten. Vorlesen trägt ab sechs, selbst lesen eher ab acht bis neun.
  • Erschienen 1960, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendbuchpreis 1961.
  • Seit 24. Februar 2024 gibt es überarbeitete Neuausgaben beider Bände. Das N-Wort ist gestrichen, aus „Indianerjunge“ wurde „Junge“, aus „Eskimokind“ wurde „Inuitkind“.
Der Inhalt

Worum es geht

Lummerland ist so klein, dass ein Bewohner zu viel schon ein Problem ist. Als ein Paket mit einem Baby ankommt, wächst der Junge dort trotzdem auf: Jim Knopf. Später muss die Lokomotive Emma weichen, weil kein Platz mehr ist, und Lukas der Lokomotivführer fährt mit ihr und Jim aufs Meer hinaus.

Was folgt, ist eine Reise durch Mandala, die Wüste Ende der Welt und den Drachenberg, an dessen Ende die Rettung eines entführten Mädchens und die Aufklärung von Jims Herkunft stehen. Der zweite Band, „Jim Knopf und die Wilde 13“, führt die Geschichte weiter.

Das Buch ist in erster Linie eine Abenteuergeschichte mit einem ungewöhnlich freundlichen Grundton. Gestritten wird darin selten, gelöst wird fast alles durch Ausdauer und Erfindungsgeist.

Konkret

Ab welchem Alter

Thienemann empfiehlt ab 6 Jahren. Das passt zum Vorlesen, und der begrenzende Faktor ist dabei nicht der Inhalt, sondern die Länge: 272 Seiten sind über viele Abende verteilt.

Selbst lesen funktioniert eher ab acht bis neun. Die Sätze sind lang, die Erzählstimme wendet sich oft direkt an die Leserin, und die Kapitel enden bewusst mitten in der Bewegung.

Angst ist kaum ein Thema. Der Drache Frau Mahlzahn ist bedrohlich gezeichnet, wird aber nicht grausam, und das Buch nimmt jede Spannung recht schnell wieder zurück.

Einordnung

Was 2024 geändert wurde, und warum darüber gestritten wird

Am 24. Februar 2024 hat Thienemann überarbeitete Neuausgaben beider Bände veröffentlicht. Erbe und Verlag haben sich nach eigener Darstellung dafür entschieden, das N-Wort zu streichen und stereotype Beschreibungen zurückzunehmen, damit Kinder diese Wörter nicht in ihren Alltagswortschatz übernehmen.

Konkret wurde aus „Indianerjunge“ ein „Junge“ und aus „Eskimokind“ ein „Inuitkind“. Auch die Illustration wurde angepasst, in Absprache mit dem Erben des Zeichners Franz Josef Tripp: Jim Knopf trägt keine Pfeife mehr im Mund.

Der Streit darüber verläuft entlang zweier Positionen, die beide ernst gemeint sind. Die eine sagt: Ein abgeschlossenes Werk gehört nicht verändert, und wer alte Sprache tilgt, macht auch die Geschichte ihrer Verwendung unsichtbar. Die andere sagt: Ein Vorlesebuch ist kein Archiv. Ein Sechsjähriger liest ein Wort nicht historisch. Er übernimmt es.

Für dich zu Hause ist die praktische Frage eine andere: welche Fassung im Regal steht. Beide sind zu haben, und beide heißen gleich.

Praktisch

Woran du deine Ausgabe erkennst

Am Impressum auf einer der ersten Seiten. Dort steht das Jahr der Ausgabe. Alles, was vor 2024 gedruckt wurde, enthält den ursprünglichen Wortlaut. Das betrifft die meisten Bücher, die aus der eigenen Kindheit stammen, und praktisch alles aus dem Antiquariat oder vom Flohmarkt.

Wer die ältere Ausgabe vorliest und die Wörter nicht mitsprechen will, hat zwei Möglichkeiten: beim Vorlesen ersetzen, oder die Stelle zum Anlass nehmen und erklären, warum dieses Wort heute nicht mehr gesagt wird. Ab etwa acht Jahren funktioniert das Zweite gut.

Fragen

Häufig gefragt

Ab welchem Alter ist Jim Knopf geeignet?

Thienemann empfiehlt ab 6 Jahren. Zum Vorlesen passt das gut, begrenzend ist dabei die Länge von 272 Seiten und nicht der Inhalt. Selbst lesen funktioniert eher ab acht bis neun, weil die Sätze lang sind und die Kapitel bewusst mitten in der Bewegung enden.

Was wurde 2024 an Jim Knopf geändert?

Thienemann hat am 24. Februar 2024 überarbeitete Neuausgaben beider Bände veröffentlicht. Das N-Wort wurde gestrichen, aus „Indianerjunge“ wurde „Junge“, aus „Eskimokind“ wurde „Inuitkind“. Auch die Illustration wurde angepasst: Jim Knopf trägt keine Pfeife mehr im Mund. Die Änderungen erfolgten in Abstimmung mit dem Erben Michael Endes und dem Erben des Zeichners Franz Josef Tripp.

Woran erkenne ich, ob ich die alte oder die neue Ausgabe habe?

Am Impressum auf einer der ersten Seiten. Dort steht das Jahr. Alles, was vor 2024 gedruckt wurde, enthält den ursprünglichen Wortlaut. Das betrifft die meisten Bücher aus der eigenen Kindheit und praktisch alles vom Flohmarkt.

Kann man die alte Ausgabe noch vorlesen?

Das entscheidest du. Wer die ältere Fassung vorliest und die Wörter nicht mitsprechen möchte, kann sie beim Vorlesen ersetzen oder die Stelle zum Anlass nehmen und erklären, warum dieses Wort heute nicht mehr gesagt wird. Ab etwa acht Jahren trägt das Gespräch darüber gut.

Belege

Quellen

  1. 1.Thienemann-Esslinger Verlag: Produktseite „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.Belegt: Altersempfehlung ab 6 Jahren, 272 Seiten, Ausgabe vom 24.02.2024.
  2. 2.BuchMarkt: Thienemann veröffentlicht überarbeitete Neuausgaben von „Jim Knopf“.Belegt: Erscheinungsdatum der überarbeiteten Ausgaben, Streichung des N-Wortes, Begründung von Erbe und Verlag, Anpassung der Illustration in Absprache mit dem Erben Franz Josef Tripps.
  3. 3.taz: Diskriminierende Sprache im Kinderbuch.Belegt: Die einzelnen Wortersetzungen („Indianerjunge“ zu „Junge“, „Eskimokind“ zu „Inuitkind“) und die öffentliche Debatte darüber.

In eigener Sache

Eine Geschichte, die dem eigenen Kind gehört

Was Jim Knopf seit 1960 kann: Es erzählt von einem Kind, das ohne Herkunft ankommt und trotzdem selbstverständlich dazugehört. Diese Haltung trägt das Buch durch beide Bände, und sie ist der Grund, warum es bleibt.

Bei Sagalino entsteht eine eigene Geschichte mit dem Namen des Kindes und in einem von dreizehn Illustrationsstilen. Die komplette Geschichte liest du gratis, bezahlt wird erst danach.

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