Sagalino

Entwicklungsthema · 1–3 Jahre

Kita-Eingewöhnung: Wie lange dauert das, und was hilft?

9 Min. Lesezeit12 Quellen · abgerufen am 12. September 2026

Die kurze Antwort

Nach dem Berliner Modell dauert eine Eingewöhnung meist zwei bis vier Wochen, nach dem Münchener Modell drei bis sechs23. Eine belegte Durchschnittsdauer gibt es nicht; beide Zahlen sind Richtwerte der Modelle selbst, und beide betonen, dass das Tempo vom Kind bestimmt wird.

Entscheidend ist nicht die Woche, in der der erste Abschied stattfindet, sondern ob das Kind sich von der neuen Bezugsperson trösten lässt. Bis dahin bleibt jemand da.

Die Modelle

Berlin, München und das partizipatorische Modell

Das Berliner Eingewöhnungsmodell geht auf ein Projekt von Kuno Beller zurück und wurde am Institut infans von Hans-Joachim Laewen und anderen ausgearbeitet2. Es hat feste, kurze Zeitfenster:

  • Grundphase: drei Tage mit je ein bis zwei Stunden, ein Elternteil bleibt dabei, kein Trennungsversuch.
  • Erster Trennungsversuch am vierten Tag. Wie das Kind reagiert, entscheidet über das weitere Tempo.
  • Stabilisierungsphase: erneuter Versuch frühestens am siebten, besser am achten Tag.
  • Schlussphase: Die Bezugsperson bleibt noch etwa zwei Wochen erreichbar, ohne anwesend zu sein.

Das Münchener Modell stammt aus einem Qualifizierungsprojekt für Krippen zwischen 1987 und 1991, ebenfalls unter Beller, und wurde von Anna Winner und Elisabeth Erndt-Doll weiterentwickelt34. Es dauert länger, meist etwa drei Wochen und mehr, und unterscheidet sich vor allem in einem Punkt: Die Kinder der bestehenden Gruppe werden einbezogen. Das neue Kind wird nicht nur von einer Erzieherin aufgenommen, sondern von einer Gruppe.

Das partizipatorische Modell von Marjan Alemzadeh verzichtet ganz auf einen Zeitplan5. Es arbeitet mit wahrnehmendem Beobachten: Was das Kind zeigt, bestimmt den nächsten Schritt. Der Name ist Programm und zugleich eine Kritik am Begriff selbst. Ein Kind wird nicht eingewöhnt, es gewöhnt sich ein.

Der eigentliche Unterschied liegt nicht im Ablauf, sondern in der Frage, wer das Tempo bestimmt: der Plan, die Gruppe oder das Kind. Alle drei Modelle teilen die Grundidee einer schrittweisen Gewöhnung mit vorsichtigen Trennungsversuchen.

Der Hintergrund

Warum es überhaupt Wochen dauert

Trennungsangst ist ein Entwicklungsschritt und kein Erziehungsproblem. Sie beginnt meist um den achten Lebensmonat und ist zwischen zehn und achtzehn Monaten am stärksten ausgeprägt7. Wie stark, ist von Kind zu Kind sehr verschieden.

Weinen beim Abschied ist deshalb kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft. Fachportale ordnen es als normale Phase ein, als Ausdruck einer Bindung und nicht als Folge von Verwöhnung8.

Was die Cortisolstudien zeigen, und was nicht. Es wird viel damit argumentiert, deshalb genau: In einer Untersuchung von Lieselotte Ahnert wurden bei 70 Kindern im Alter von fünfzehn Monaten Cortisolproben zu Hause und in der Kita genommen. Sicher gebundene Kinder zeigten geringere Anstiege als unsicher gebundene, und nach abgeschlossenem Übergang normalisierten sich die Werte wieder9. Eine Metaanalyse über neun Studien fand nachmittags erhöhte Werte auch bei guter Betreuungsqualität10.

Es geht dabei um moderate Anstiege, nicht um dramatische. Wer die Studien gegen die Krippe ins Feld führt, überdehnt sie; wer sie ignoriert, unterschlägt, dass eine Eingewöhnung Arbeit für das Kind ist.

Konkret

Was im Alltag wirklich hilft

Sagen Sie Bescheid, bevor Sie gehen. Sich heimlich davonzustehlen verkürzt den Abschied und verlängert alles andere. Träger, die dazu etwas veröffentlichen, empfehlen einen festen, kurzen Abschiedsritus11. Ein Satz, eine Umarmung, gehen. Immer derselbe.

Bleiben Sie langweilig. In der Grundphase sitzen Sie da und lesen. Sie animieren nicht, Sie spielen nicht mit den anderen Kindern, Sie räumen nicht auf. Sie sind der sichere Hafen, von dem aus das Kind losgeht, und ein Hafen bewegt sich nicht.

Richten Sie sich nach dem Kind, nicht nach dem Plan. Der vierte Tag im Berliner Modell ist ein Vorschlag, keine Vorgabe. Wenn ein Kind sich nicht trösten lässt, ist der nächste Schritt zu früh, egal was im Kalender steht.

Ein vertrauter Gegenstand hilft vielen Kindern, und dazu sollten wir ehrlich sein: Wir haben keine Quelle aus der Fachliteratur gefunden, die das belegt. Es schadet nichts, es kostet nichts, und viele Eltern berichten davon. Als Beleg gilt das nicht.

Und der Punkt, den niemand gern hört: Ob eine Eingewöhnung gelingt, hängt auch daran, ob die Kita genug Personal hat. In Westdeutschland kam 2022 eine Fachkraft auf 3,4 Krippenkinder, in Ostdeutschland auf 5,4; empfohlen wird 1 zu 312. Eine durchgehend verfügbare Bezugsperson, wie alle drei Modelle sie voraussetzen, ist unter solchen Bedingungen schwer zu leisten. Diesen Schluss ziehen wir selbst, die Quelle nennt nur die Zahlen.

Uneinigkeit

Was Fachleute unterschiedlich sehen

Bei der Eingewöhnung gelten mehrere Modelle nebeneinander, und jedes beansprucht für sich, dem Kind gerecht zu werden. Drei Richtungen, die Eltern in der Praxis begegnen:

RichtungKernaussageFolge für die Geschichte
Berliner Modellinfans, nach einem Projekt von Kuno Beller; Laewen u. a.Feste, kurze Zeitfenster: drei Tage Grundphase, erster Trennungsversuch am vierten Tag, erneuter Versuch frühestens am siebten. Insgesamt meist zwei bis vier Wochen.Die Geschichte erzählt einen Ablauf, der jeden Tag gleich beginnt.
Münchener ModellAnna Winner und Elisabeth Erndt-DollDeutlich länger angelegt, meist drei Wochen und mehr, und die bestehende Kindergruppe wird einbezogen. Das Kind kommt zu einer Gruppe, nicht zu einer Erzieherin.In der Geschichte kommen die anderen Kinder vor, nicht nur die Erwachsenen.
PartizipatorischMarjan Alemzadeh, Hochschule Rhein-WaalKein Zeitplan. Was das Kind zeigt, bestimmt den nächsten Schritt. Der Begriff selbst wird kritisiert: Ein Kind wird nicht eingewöhnt, es gewöhnt sich ein.Das Kind in der Geschichte ist nie tapfer, weil es nicht weint.

Worin sich alle einig sind

  • Eine Eingewöhnung braucht Wochen, nicht Tage.
  • Eine Bezugsperson bleibt dabei, bis das Kind sich von jemand anderem trösten lässt.
  • Der Abschied wird angekündigt und ist jedes Mal derselbe. Heimliches Verschwinden ist ausgeschlossen.
  • Weinen beim Abschied ist normal und kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft.
  • Das Tempo bestimmt die Reaktion des Kindes, nicht der Kalender.

Der Streitpunkt ist, wer das Tempo vorgibt. Das Berliner Modell nennt Tage, das Münchener Wochen, das partizipatorische gar nichts. Dahinter steht eine größere Frage: Eine Expertise des Deutschen Jugendinstituts hält fest, dass einzelne Aspekte der Bindungstheorie in der Debatte „über Gebühr herangezogen“ werden, während andere weniger Beachtung finden.6

Wir empfehlen hier kein Modell. Unsere Geschichten bauen auf dem gemeinsamen Nenner, und der ist bei diesem Thema groß: Jemand bleibt, der Abschied wird angekündigt, und wer weggeht, kommt wieder.

Wann es sich lohnt, das anzusprechen

Sprechen Sie mit der Leitung, wenn nach sechs Wochen kein Fortschritt erkennbar ist; wenn Ihr Kind sich über Wochen von niemandem in der Einrichtung trösten lässt; wenn Schlaf oder Essen zu Hause deutlich und anhaltend leiden; oder wenn die Kita auf einem Zeitplan besteht, obwohl Ihr Kind erkennbar nicht so weit ist.

Und dann, wenn Sie selbst nicht mehr können. Eine Eingewöhnung ist auch für Eltern anstrengend, und das ist kein Grund, sich zu schämen.

Vorlesen

Wie eine Geschichte dabei hilft

Der schwierige Teil einer Eingewöhnung ist für ein zweijähriges Kind nicht der Abschied. Es ist der Zweifel daran, dass jemand wiederkommt. Genau dieser Zweifel lässt sich in einer Geschichte auflösen, und zwar bevor er das erste Mal auftritt.

Bei einem personalisierten Buch gibt es dabei eine Regel, die am Anfang jeder unserer Geschichten steht:

Das Kind ist nie tapfer, weil es nicht weint. Geweint werden darf; was die Geschichte zeigt, ist das Wiederkommen, nicht das Durchhalten.

  1. 1–2

    Die Heldenwelt

    Das Kind zu Hause, mit seinen Sachen und seinen Menschen.

  2. 3

    Ein neues Haus

    Es gibt ein Haus, in dem viele Kinder sind. Ohne Bewertung, nur als Tatsache.

  3. 4

    Der erste Besuch

    Alle gehen zusammen hin. Niemand geht weg, niemand bleibt allein.

  4. 5

    Ein eigener Platz

    Der eigene Haken, das eigene Zeichen. Etwas gehört dem Kind schon.

  5. 6

    Ein Mensch mit Namen

    Eine Erzieherin bekommt einen Namen und ein Gesicht. Aus fremd wird bekannt.

  6. 7

    Der erste Abschied

    Angekündigt, kurz, mit demselben Satz wie immer. Kein Davonstehlen.

  7. 8

    Das Warten

    Es ist traurig. Das wird erzählt und nicht übergangen.

  8. 9

    Jemand bleibt da

    Die neue Person tröstet. Sie ersetzt niemanden, sie ist zusätzlich da.

  9. 10

    Die Tür geht auf

    Der Erwachsene kommt wieder, genau wie er gesagt hat.

  10. 11

    Und wieder

    Ein zweites Mal, ein drittes Mal. Erst die Wiederholung macht daraus eine Regel.

  11. 12

    Etwas wird vertraut

    Ein Lied, ein Platz am Tisch, ein Spiel, das immer gleich anfängt.

  12. 13

    Ein langer Tag

    Diesmal dauert es länger, und es geht trotzdem.

  13. 14

    Zwei Orte

    Das Kind hat jetzt zwei Orte, an denen es sich auskennt. Der erste bleibt der erste.

Die Eingewöhnungs-Geschichte: mit dem Namen Ihres Kindes

Sie beschreiben Ihr Kind in ein paar Worten, wir bauen die Geschichte nach genau diesem Aufbau. Die komplette Geschichte lesen Sie kostenlos, bevor Sie sich entscheiden.

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Fragen

Häufig gefragt

Wie lange dauert eine Kita-Eingewöhnung?

Nach dem Berliner Modell meist zwei bis vier Wochen, nach dem Münchener Modell drei Wochen und mehr. Eine belegte Durchschnittsdauer gibt es nicht, beide Zahlen sind Richtwerte der Modelle. Entscheidend ist, ob sich das Kind von der neuen Bezugsperson trösten lässt.

Wann ist der erste Abschied dran?

Im Berliner Modell am vierten Tag, nach drei Tagen Grundphase mit je ein bis zwei Stunden. Der zweite Versuch folgt frühestens am siebten, besser am achten Tag. Beides sind Vorschläge; wie das Kind auf den ersten Versuch reagiert, bestimmt den weiteren Ablauf.

Mein Kind weint beim Abschied. Mache ich etwas falsch?

Nein. Trennungsangst beginnt um den achten Lebensmonat und ist zwischen zehn und achtzehn Monaten am stärksten. Weinen zeigt eine Bindung an; mit Verwöhnung hat es nichts zu tun. Worauf es ankommt, ist etwas anderes: ob Ihr Kind sich danach von jemandem trösten lässt.

Darf ich mich heimlich wegschleichen?

Besser nicht. Der Abschied wird dadurch kürzer, das Misstrauen aber größer: Ein Kind, das nicht weiß, wann jemand verschwindet, muss ständig aufpassen. Träger empfehlen einen festen, kurzen Abschiedsritus, jeden Tag denselben.

Stimmt es, dass Krippenkinder Stresshormone ausschütten?

Ja, das ist gemessen, und die Zahl ist kleiner als der Alarm, mit dem sie oft vorgetragen wird. In einer Untersuchung an 70 fünfzehn Monate alten Kindern zeigten sicher gebundene Kinder geringere Cortisolanstiege als unsicher gebundene, und nach abgeschlossenem Übergang normalisierten sich die Werte. Es handelt sich um moderate Anstiege, vor allem nachmittags.

Gibt es gesetzliche Vorgaben zur Eingewöhnung?

Keine bundesweiten. Die Bildungspläne sind Ländersache, und ein Gesetz, das Ablauf oder Dauer vorschreibt, existiert nicht. Was es gibt, sind die Konzepte der Träger und die Modelle, an denen sie sich orientieren.

Belege

Quellen

  1. 1.Braukhane und Knobeloch: Das Berliner Eingewöhnungsmodell, KiTa Fachtexte 2011.Belegt: Entstehung des Modells am Institut infans und die Abfolge der fünf Phasen.
  2. 2.socialnet Lexikon: Berliner Eingewöhnungsmodell.Belegt: Die Phasen mit Zeitangaben: drei Tage Grundphase mit je ein bis zwei Stunden, erster Trennungsversuch am vierten Tag, erneuter Versuch frühestens am siebten, besser am achten Tag, Schlussphase von etwa zwei Wochen.
  3. 3.socialnet Lexikon: Münchener Eingewöhnungsmodell.Belegt: Entstehung im Münchener Krippenprojekt zwischen 1987 und 1991, Weiterentwicklung durch Winner und Erndt-Doll, Dauer von etwa drei Wochen, Einbeziehung der bestehenden Kindergruppe.
  4. 4.Anna Winner: Das Münchener Eingewöhnungsmodell, KiTa Fachtexte 2015.Belegt: Die Darstellung des Modells durch die Entwicklerin selbst.
  5. 5.socialnet Lexikon: Partizipatorisches Eingewöhnungsmodell.Belegt: Entwicklung durch Marjan Alemzadeh, das wahrnehmende Beobachten als Kernmethode und der Verzicht auf einen festen Zeitplan.
  6. 6.Gerhard J. Suess: Missverständnisse über Bindungstheorie, WiFF-Expertise Nr. 14, Deutsches Jugendinstitut.Belegt: Die Feststellung, dass einzelne Aspekte der Bindungstheorie in der Diskussion über Gebühr herangezogen werden, während andere weniger Beachtung finden.
  7. 7.Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kindergesundheit-info.de: Fremdeln.Belegt: Trennungsangst beginnt meist um den achten Lebensmonat und ist zwischen zehn und achtzehn Monaten am stärksten ausgeprägt.
  8. 8.MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Trennungsängste und Fremdeln.Belegt: Die Einordnung von Trennungsangst als normale Entwicklungsphase.
  9. 9.Der Tagesspiegel: Studien zur Krippenerziehung, zur Cortisolforschung von Lieselotte Ahnert.Belegt: Cortisolproben bei 70 Kindern im Alter von fünfzehn Monaten, geringere Anstiege bei sicher gebundenen Kindern und Normalisierung nach abgeschlossenem Übergang.
  10. 10.Spektrum der Wissenschaft: Immer Stress mit der Krippe.Belegt: Die Metaanalyse über neun Studien, nach der auch bei guter Betreuungsqualität nachmittags erhöhte Cortisolwerte auftreten.
  11. 11.AWO Brandenburg an der Havel, Spatzenhaus: Elterninformation zur Eingewöhnung.Belegt: Die Empfehlung eines festen, kurzen Abschiedsrituals statt heimlichen Verschwindens. Einzelner Träger, keine bundesweite Fachverbandsposition.
  12. 12.Bertelsmann Stiftung: Mehr Plätze und bessere Qualität in Kitas bis 2030.Belegt: Personalschlüssel Stand März 2022: Westdeutschland eine Fachkraft auf 3,4 Krippenkinder, Ostdeutschland auf 5,4; wissenschaftlich empfohlen wird 1 zu 3.

Alle Quellen abgerufen am 12. September 2026. Fehlt eine Angabe oder hat sich etwas geändert? Schreib uns: wir korrigieren und vermerken das Datum.

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