Klassiker einordnen · Das kleine Ich bin ich
Das kleine Ich bin ich: ab welchem Alter, und was dahintersteht
5 Min. Lesezeit7 Quellen

Der Verlag Jungbrunnen empfiehlt das Buch ab 3 Jahren. Das ist früh für eine Geschichte, deren Kern Selbstzweifel sind, und genau darüber stolpern Eltern beim ersten Vorlesen.
Unten steht, warum die Angabe trotzdem stimmt, worum es geht, und was an der Frage dran ist, ob an diesem Klassiker heute etwas umstritten wäre. Die Antwort darauf ist kurz: nein. Dafür steht darunter ein Punkt, den Eltern sonst nirgends erfahren.
Die Kurzfassung
- Ab 3 Jahren empfiehlt der Verlag Jungbrunnen. Eine Fachbesprechung setzt etwa 4 Jahre an. Beides passt, je nachdem, worauf man hinauswill.
- Erschienen 1972 in Wien bei Jungbrunnen. Text von Mira Lobe, Bilder von Susi Weigel, 32 Seiten, mit Bastelanleitung. Der Verlag führt es unter Auszeichnungen mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis.
- Keine Kontroverse. Wir haben gesucht, auch in der Fachkritik, und nichts gefunden. Was es stattdessen gibt, steht weiter unten.
Worum es geht
Ein kleines buntes Tier spaziert über eine Blumenwiese und freut sich. Dann kommt ein Laubfrosch und fragt, wer es denn sei. Das Tier weiß es nicht. Der Frosch zieht daraus einen harten Schluss: Wer nicht weiß, wie er heißt, der ist dumm. Bumm.
Das ist der Motor der Geschichte, und er ist beim Vorlesen wichtig. Die Zweifel des kleinen Tiers kommen nicht von innen. Sie werden ihm von außen eingeredet, in einem einzigen kurzen Satz. Danach läuft es über die Wiese und vergleicht sich mit Pferd, Kuh, Vogel und Nilpferd, und jedes Mal passt etwas und etwas anderes passt nicht.
Am Ende steht der Satz, den viele Erwachsene noch auswendig können: Ich bin nicht irgendwer, ich bin ich. Die Botschaft steckt in der Bauform. Das Tier bekommt seine Antwort von niemandem geschenkt, es läuft sie sich selbst zusammen, und der Frosch wird nie widerlegt. Er wird einfach unwichtig.
Ab welchem Alter
Der Verlag empfiehlt ab 3 Jahren. Eine fachliche Besprechung bei KinderundJugendmedien.de nennt etwa 4 Jahre. Der Unterschied liegt darin, was man erwartet. Mit drei trägt die Geschichte über Klang, Reim und Wiedererkennung der Tiere. Mit vier oder fünf kommt dazu, dass ein Kind begreift, worum es geht.
Vorlesen ist hier die eigentliche Form. Der Text ist durchgehend gereimt, mit Lautmalerei und kurzen Zeilen, und er lebt davon, laut gesprochen zu werden. Das Bumm nach dem Satz des Frosches funktioniert nur beim Vorlesen.
Selbst lesen ist eine andere Rechnung. 32 Seiten Reimtext sind für Leseanfänger machbar, unserer Erfahrung nach ab etwa sieben Jahren, und viele Kinder kennen den Text da schon auswendig. Das hilft beim Lesenlernen mehr, als es klingt.
Für Kitas und Gruppen gibt es das Buch als Kamishibai-Bildkartenset, also als Karten für den Erzähltheater- Rahmen. Das Institut für Jugendliteratur führt diese Ausgabe neben den Buchausgaben. In der Buchausgabe steckt außerdem eine Bastelanleitung für die Figur.
Gibt es daran etwas zu diskutieren?
Nein. Wir haben ausdrücklich danach gesucht, so wie bei den anderen Klassikern dieser Reihe. Es gibt keine nachträglich geänderten Wörter wie bei Otfried Preußler, keine Debatte um die Biografie der Autorin wie bei manchen Zeitgenossen, keine Vorwürfe zur Moral wie beim Regenbogenfisch.
Bemerkenswert ist eher, wie einhellig das Urteil ausfällt. Eine Rezension aus einem Hochschulprojekt der TH Köln hält ausdrücklich fest, dass sich kaum kritische Stimmen finden lassen, und fragt selbst, ob das am Buch liegt oder daran, wie über Bilderbücher geschrieben wird. Diese Frage bleibt offen, und sie ist ehrlicher als ein herbeigeredeter Streit.
Was manche Eltern trotzdem merken: Die Geschichte beginnt mit einer Abwertung. Wer mit einem sehr jungen Kind liest, kann an der Stelle kurz stehenbleiben und sagen, dass der Frosch hier Unsinn erzählt. Das kostet zehn Sekunden und nimmt den einzigen wunden Punkt des Buches heraus.
Was sonst nirgends steht
Zur Autorin. Mira Lobe wurde 1913 in Görlitz geboren. Sie wollte studieren und Journalistin werden, was ihr als Jüdin im nationalsozialistischen Deutschland verwehrt wurde. Stattdessen lernte sie Maschinenstrickerin. 1936 floh sie nach Palästina, ab 1950 lebte sie in Wien, wo sie 1995 starb. Das steht so auf der Autorinnenseite ihres Verlags.
Der Verlag stellt dort keine Verbindung zwischen dieser Biografie und dem Buch her, und wir behaupten auch keine. Es steht hier, weil es zu den Dingen gehört, die man über ein Buch wissen kann, das man zwanzigmal vorliest.
Zur Illustratorin. Susi Weigel, geboren 1914, studierte in Wien und arbeitete in Berlin als Trickfilmzeichnerin. Das erklärt viel an diesen Bildern: klare Umrisse, wenige Formen, Figuren, die sich in einer Bewegung erfassen lassen. Sie illustrierte fast ausschließlich Bücher von Mira Lobe.
Das Buch gibt es mehrsprachig. Beim selben Verlag erscheint es viersprachig in Deutsch, Kroatisch, Serbisch und Türkisch, dreisprachig in Deutsch, Arabisch und Farsi, dazu auf Englisch und auf Russisch. Für Familien, in denen zwei Sprachen gesprochen werden, ist das die praktischste Information auf dieser Seite, und sie steht in keiner Buchhandlungsauslage.
Häufig gefragt
Ab welchem Alter ist Das kleine Ich bin ich geeignet?
Der Verlag Jungbrunnen empfiehlt ab 3 Jahren, eine fachliche Besprechung nennt etwa 4 Jahre. Beide Angaben stimmen für verschiedene Dinge: Mit drei trägt der Text über Reim, Klang und die wiedererkennbaren Tiere, mit vier oder fünf versteht ein Kind auch, worum es geht. Zum Selbstlesen eignen sich die 32 Seiten Reimtext nach unserer Erfahrung ab etwa sieben Jahren.
Worum geht es in Das kleine Ich bin ich?
Ein kleines buntes Tier spaziert über eine Wiese, bis ein Laubfrosch es fragt, wer es sei, und aus der fehlenden Antwort schließt, das Tier sei dumm. Daraufhin vergleicht sich das Tier mit Pferd, Kuh, Vogel und Nilpferd, und jedes Mal passt etwas und etwas anderes nicht. Am Ende steht die eigene Antwort: Ich bin nicht irgendwer, ich bin ich. Der Zweifel kommt also von außen, und das Tier räumt ihn selbst weg.
Gibt es an dem Buch etwas Umstrittenes?
Nein. Wir haben ausdrücklich danach gesucht, auch in der Fachkritik, und nichts gefunden. Es gibt keine nachträglich geänderten Wörter, keine Debatte um die Autorin und keinen Streit über die Moral der Geschichte. Eine Rezension aus einem Hochschulprojekt der TH Köln hält selbst fest, wie einhellig positiv über das Buch geschrieben wird, und lässt offen, woran das liegt.
Gibt es das Buch auch in anderen Sprachen?
Ja, und zwar beim Originalverlag Jungbrunnen. Es erscheint viersprachig in Deutsch, Kroatisch, Serbisch und Türkisch, dreisprachig in Deutsch, Arabisch und Farsi, außerdem auf Englisch und auf Russisch. Für Kitas gibt es zusätzlich ein Kamishibai-Bildkartenset und ein Hörbuch. In Familien mit zwei Sprachen und in Gruppen mit mehreren Herkunftssprachen ist das der praktische Grund, warum dieses Buch seit 1972 im Regal steht.
Quellen
- 1.Verlag Jungbrunnen: Produktseite „Das kleine Ich bin ich“.Belegt: Altersempfehlung ab 3 Jahren, Verlag, 32 Seiten, ISBN 978-3-7026-4850-3, Bastelanleitung, die Leseprobe mit der Szene des Laubfrosches und die Auszeichnung mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis.
- 2.Verlag Jungbrunnen: Autorinnenseite Mira Lobe.Belegt: Erscheinungsjahr 1972, Geburt 1913 in Görlitz, das ihr als Jüdin verwehrte Studium, die Flucht nach Palästina 1936, das Leben in Wien ab 1950 und ihr Tod 1995.
- 3.Verlag Jungbrunnen: Illustratorinnenseite Susi Weigel.Belegt: Geburtsjahr 1914, Studium in Wien, Arbeit als Trickfilmzeichnerin in Berlin, Tod 1990, und dass sie fast ausschließlich Bücher von Mira Lobe illustrierte.
- 4.Institut für Jugendliteratur, Wien: Eintrag zu „Das kleine Ich bin ich“.Belegt: Erstausgabe Wien: Jungbrunnen 1972 und die Liste der lieferbaren Ausgaben, darunter die viersprachige, die dreisprachige, die englische und die russische Ausgabe sowie das Kamishibai-Bildkartenset und das Hörbuch.
- 5.Verlag Jungbrunnen: Produktseite der viersprachigen Ausgabe.Belegt: Die Sprachen Deutsch, Kroatisch, Serbisch und Türkisch in einer Ausgabe, ISBN 978-3-7026-5830-4.
- 6.KinderundJugendmedien.de: Besprechung von „Das kleine Ich-bin-ich“.Belegt: Die fachliche Altersangabe ab etwa 4 Jahren, das Erscheinungsjahr 1972, die Auszeichnung, und dass die Besprechung keine kritischen Einwände enthält.
- 7.TH Köln, Projekt KiFab inklusive: Re:Rezension zu „Das kleine Ich bin ich“ von Pia Marie Blank.Belegt: Die Beobachtung, dass sich zu diesem Buch kaum kritische Stimmen finden lassen, und die offene Frage, woran das liegt.
In eigener Sache
Eine Geschichte, die dem eigenen Kind gehört
Was das Buch seit 1972 kann: Es lässt ein Kind seine Antwort selbst finden und belehrt es dabei kein einziges Mal. Deshalb hält es sich, während ganze Regale voller gut gemeinter Selbstwertbücher wieder verschwunden sind.
Bei Sagalino entsteht eine eigene Geschichte mit dem Namen des Kindes und in einem von dreizehn Illustrationsstilen. Die komplette Geschichte liest du gratis, bezahlt wird erst danach.
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