Klassiker einordnen · Irgendwie anders
Irgendwie anders vorlesen: ab welchem Alter, und die Kritik daran
6 Min. Lesezeit7 Quellen

Irgendwie anders ist das Buch, das in Kitas und ersten Klassen aus dem Regal geholt wird, wenn ein Kind ausgeschlossen wurde. Es hat 1997 den allerersten UNESCO-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz bekommen.
Weil es diesen Rang hat, wird es auch kritisch gelesen, und zwar bis in Fachstellen hinein. Unten steht, ab welchem Alter es trägt, worum es geht und woran sich diese Kritik festmacht. Sie dreht sich um die letzten Seiten, und sie lässt sich am Buch selbst nachprüfen.
Die Kurzfassung
- Ab 4 Jahren gibt Oetinger für die gebundene Ausgabe mit 32 Seiten an, ab 3 Jahren für das Pappbilderbuch von Januar 2024 mit 26 Seiten.
- Erschienen 1994. Text von Kathryn Cave, Bilder von Chris Riddell, deutsch von Salah Naoura. 1997 ausgezeichnet mit dem ersten UNESCO-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz.
- Die Kritik betrifft den Schluss: Irgendwie Anders findet Anschluss bei einem zweiten Außenseiter, während die Gruppe, die ihn weggeschickt hat, sich nicht bewegt. Ob das ein Mangel ist, hängt an der letzten Seite.
Worum es geht
Irgendwie Anders lebt allein in einer Hütte auf einem Berg. Er gibt sich Mühe, so zu sein wie die anderen: Er grüßt, er malt, er spielt, er isst wie sie. Weggeschickt wird er trotzdem, mit dem Satz, dass er nicht hierher gehöre.
Dann klopft es. Vor der Tür steht ein Etwas, das ganz anders aussieht als er und behauptet, genau wie er zu sein. Irgendwie Anders schickt es zunächst weg, mit demselben Argument, mit dem man ihn selbst weggeschickt hat. Er merkt, was er getan hat, läuft hinterher, und die beiden werden Freunde.
Am Schluss klopft noch einmal jemand, der wirklich sehr merkwürdig aussieht. Diesmal wird aufgemacht. Auf der Illustration der letzten Seite ist zu erkennen, dass dieser Besucher ein Menschenkind ist.
Ab welchem Alter
Oetinger gibt für die gebundene Ausgabe mit 32 Seiten ab 4 Jahren an. Für das Pappbilderbuch vom 12. Januar 2024 mit 26 Seiten steht dort ab 3 Jahren, mit der Begründung, dicke Seiten hielten kleinen Geschwistern stand. Ob die Pappausgabe denselben Wortlaut hat, sagt der Verlag nicht.
Eine Buchvorstellung der AGFFS an der Universität Bremen empfiehlt das Buch für 4 bis 6 Jahre. Das passt zum Thema. Ausgeschlossen zu werden ist ab vier eine eigene Erfahrung, vorher ist es ein Wort, das Kinder von anderen hören.
Vorlesen trägt also ab vier. Selbst lesen ab sieben, etwa ab der zweiten Klasse. Der Text ist kurz genug für Leseanfänger, aber er lebt davon, dass jemand nachfragt. Allein gelesen bleibt vom Buch weniger übrig.
Woran sich die Kritik festmacht
Der Einwand steht ausformuliert in der bereits genannten Buchvorstellung der AGFFS an der Universität Bremen. Er lautet: Irgendwie Anders findet Akzeptanz bei einem Wesen, das genauso als andersartig beschrieben wird. In die Gemeinschaft hinein kommen beide nicht, weil sie beide nicht als normal angesehen werden. Wer ihn weggeschickt hat, muss sich also nicht ändern.
Dieselbe Quelle nimmt den Einwand zurück, und zwar mit der letzten Seite. Dort zeigt sich, dass der merkwürdig aussehende Besucher ein Menschenkind ist. Damit kippt die Perspektive: Andersartigkeit ist eine Frage der Definition, und wer hier als normal gilt, gilt anderswo als fremd.
Schärfer urteilt eine Rezensionsseite zu Vielfalt in Kinderbüchern, betrieben von einem Einzelnen in Berlin. Sie hält dem Buch vor, es grenze sich von einer erst konstruierten Andersartigkeit ab, und hält eine kritische Auseinandersetzung damit für nötig. Das ist eine Einzelstimme, sie trifft aber einen Maßstab, den auch Fachstellen anlegen.
Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein formuliert für Bilderbücher über Vielfalt: Es gehe nicht darum, im Anderssein eine Opfer- oder Heldenrolle auszumachen und sie gegenüber dem Normalen als etwas Besonderes herauszuarbeiten. Ziel sei, dass Vielfalt zur Normalität wird. An diesem Maßstab gemessen leistet Irgendwie anders die eine Hälfte, es zeigt, wie Ausschluss sich anfühlt. Die Norm, aus der ausgeschlossen wird, lässt es stehen.
Was man beim Vorlesen fragen kann
Es gibt einen allgemeinen Einwand gegen Bücher mit klarer Botschaft. Das Material des Trägerkonsortiums BiSS zum dialogischen Lesen rät ausdrücklich von stark moralisierenden Bilderbüchern ab, weil sie das Gespräch bremsen. Wenn die Antwort schon dasteht, bleibt wenig zu fragen.
Bei diesem Buch funktionieren deshalb die Fragen am besten, auf die der Text keine Antwort gibt. Drei, die sich bewährt haben:
„Warum schickt Irgendwie Anders das Etwas zuerst weg?“ Das ist die stärkste Stelle des Buches, weil das Opfer dort zum Täter wird. Kinder ab fünf bemerken das sofort, wenn man ihnen Zeit lässt.
„Wer entscheidet eigentlich, wer dazugehört?“ Darauf gibt das Buch keine Antwort, und das ist der Punkt.
„Wer klopft ganz am Ende an die Tür?“ Hier lohnt es sich, die Illustration genau anzusehen. Viele Kinder entdecken die Menschenhand selbst.
Häufig gefragt
Ab welchem Alter ist Irgendwie anders geeignet?
Oetinger gibt für die gebundene Ausgabe mit 32 Seiten ab 4 Jahren an und für das Pappbilderbuch von 2024 mit 26 Seiten ab 3 Jahren. Eine Buchvorstellung der AGFFS an der Universität Bremen empfiehlt 4 bis 6 Jahre. Zum Vorlesen passt vier, selbst lesen funktioniert ab etwa sieben. Das Buch lebt davon, dass jemand mitliest und nachfragt.
Worum geht es in Irgendwie anders?
Ein Wesen lebt allein auf einem Berg, weil es überall weggeschickt wird. Es strengt sich an, wie die anderen zu sein, ohne Erfolg. Dann steht ein fremdes Etwas vor der Tür, das behauptet, genau wie es zu sein. Irgendwie Anders schickt es zuerst weg, merkt, dass er dasselbe tut wie die anderen, holt es zurück, und die beiden werden Freunde. Am Ende lassen sie einen weiteren Fremden herein.
Was wird an Irgendwie anders kritisiert?
Der Haupteinwand lautet, dass Irgendwie Anders nur bei einem anderen Außenseiter Akzeptanz findet. Beide kommen nicht in die Gemeinschaft hinein, weil beide nicht als normal gelten, und die Gruppe, die ausgeschlossen hat, muss sich nicht bewegen. Dieselbe Quelle, die das formuliert, nimmt den Einwand mit der letzten Seite wieder zurück: Der Besucher, der dort als merkwürdig beschrieben wird, ist ein Menschenkind. Damit wird sichtbar, dass Andersartigkeit von der Perspektive abhängt.
Welchen Preis hat Irgendwie anders bekommen?
Den ersten internationalen UNESCO-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz, 1997, in der Kategorie für Kinder unter acht Jahren. Die Literaturagentur der Autorin und der Verlag nennen beide diese Auszeichnung. Das englische Original erschien 1994 unter dem Titel „Something Else“ bei Puffin.
Quellen
- 1.Medienhaus Oetinger: Produktseite „Irgendwie Anders“, gebundene Ausgabe.Belegt: Altersempfehlung ab 4 Jahren, 32 Seiten, Ausgabe 1994, Text von Kathryn Cave, Illustration von Chris Riddell, Übersetzung von Salah Naoura, sowie die Nennung des ersten internationalen UNESCO-Preises.
- 2.Medienhaus Oetinger: Produktseite „Irgendwie Anders“, Pappbilderbuch.Belegt: Altersempfehlung ab 3 Jahren, 26 Seiten, Erscheinungstermin 12.01.2024, und die Begründung mit den dicken Seiten.
- 3.AGFFS, Universität Bremen: Buchvorstellung „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave und Chris Riddell, 13.12.2020.Belegt: Empfehlung für 4 bis 6 Jahre, UNESCO-Preis 1997, der Kritikpunkt der fehlenden Integration in die Gemeinschaft und die Auflösung auf der letzten Seite, auf der der Besucher als Menschenkind erkennbar wird.
- 4.David Higham Associates, Literaturagentur von Kathryn Cave: Seite zu „Something Else“.Belegt: Der erste UNESCO-Preis für Kinderliteratur im Dienst der Toleranz 1997 in der Kategorie unter acht Jahren, britischer Verlag Puffin.
- 5.vielfalt-in-kinderbuechern.de: „Irgendwie anders ist irgendwie nicht so tolerant“. Betrieben von Christoph Schlimme, Berlin.Belegt: Die schärfere Lesart, das Buch grenze sich von einer konstruierten Andersartigkeit ab; hier als dokumentierte Einzelstimme und nicht als Fachurteil zitiert.
- 6.Büchereizentrale Schleswig-Holstein, Medienvermittlung: „Anders als du denkst. Diversität und Inklusion im Bilderbuch“.Belegt: Der Maßstab, im Anderssein keine Opfer- oder Heldenrolle gegenüber dem Normalen herauszuarbeiten, und das Ziel, Vielfalt zur Normalität werden zu lassen.
- 7.Titz, C. (2017): „Komm, wir erzählen uns eine Geschichte! Dialogisches Lesen in Kindertagesstätten.“ Trägerkonsortium BiSS.Belegt: Die ausdrückliche Abratung von stark moralisierenden Bilderbüchern, weil sie den Dialog beim Vorlesen hemmen.
In eigener Sache
Eine Geschichte, die dem eigenen Kind gehört
Was Irgendwie anders seit 1994 kann: Es dreht die Perspektive einmal um. Wer ausgeschlossen wurde, schließt selbst aus, und das Buch lässt diesen Moment stehen, statt ihn wegzuerklären. Das ist der Grund, warum es in so vielen Gruppenräumen liegt.
Bei Sagalino entsteht eine eigene Geschichte mit dem Namen des Kindes und in einem von dreizehn Illustrationsstilen. Die komplette Geschichte liest du gratis, bezahlt wird erst danach.
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