Klassiker einordnen · Die Olchis
Die Olchis: ab welchem Alter, und mit welchem Band man anfängt
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Bei den Olchis geht es selten um die Frage, ob das Buch passt. Es geht darum, welches. Oetinger führt die Figuren über Bilderbücher, Erstlesebücher und Lesestarter, und die Altersangabe hängt jedes Mal an der Ausgabe.
Wer im Laden den falschen Band greift, hält entweder ein Bilderbuch für Vierjährige oder einen Lesetext für die zweite Klasse in der Hand. Unten steht die Staffelung, worum es geht und was an den Olchis einmal umstritten war. Diese Debatte ist weitgehend vorbei, und was von ihr übrig ist, lohnt trotzdem zwei Minuten.
Die Kurzfassung
- Ab 4 Jahren die Olchi-Bilderbücher, ab 6 und ab 7 Jahren die Erstlesebücher, einzelne Bände ab 8. Alle Angaben stammen aus dem Olchi-Bereich des Verlags.
- 1990 erschien „Die Olchis sind da“, daraus wurde die Reihe. Erhard Dietl schreibt und zeichnet beides selbst und erhielt 1992 den Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.
- Die Debatte lief in den Neunzigern. Lehrkräfte hielten die Bücher aus dem Unterricht, weil Olchis das Gegenteil von Sauberkeit und Ordnung vorführen. Heute wird mit ihnen unterrichtet.
Worum es geht
Die Olchis sind grüne Wesen mit Hörhörnern, die in der Nähe von Müllbergen und Abfallgruben leben. Sie ernähren sich von Blechbüchsen, Autoreifen und Haarschampoo, verströmen einen entsprechenden Geruch, sind von Fliegenschwärmen umgeben und verdösen den größten Teil des Tages in der Sonne. Aus lauter Nichtstun kommen sie auf Ideen, und daraus werden die Geschichten.
Einen Bösewicht gibt es meistens nicht. Was die Bände antreibt, ist der Zusammenstoß zwischen der Olchi-Logik und der Welt draußen. In „Die Olchis ziehen um“ lädt das Amt für Umweltschutz die Müllkippe auf einen Lastwagen, und die Familie steht ohne Lebensgrundlage da.
Der Ton ist trocken, die Schimpfwörter sind erfunden, und die Haltung der Bücher ist durchweg freundlich. Gestritten wird selten, gelöst wird fast alles durch Einfälle von Olchi-Papa.
Welche Reihe zu welchem Alter gehört
Bilderbücher: ab 4 Jahren. Fast alle Titel, die Oetinger in dieser Rubrik führt, tragen diese Angabe, einzelne ab 3. Das ist der Einstieg für Kinder, die noch nicht selbst lesen.
Erstlesebücher: ab 6 und ab 7 Jahren, einzelne ab 8. Innerhalb dieser Gruppe entscheidet die Lesestufe. Die dritte Lesestufe der Lesestarter ist laut Verlag für fortgeschrittene Leseanfänger gedacht: einfacher Satzbau, fortgeschrittenes Textniveau, erhöhter Textanteil.
Der erste Band steht heute in genau dieser Stufe. „Die Olchis sind da“ führt Oetinger als Lesestarter der 3. Lesestufe, 64 Seiten, Ausgabe vom 15. April 2019. Auf derselben Seite steht am Cover „ab 7 Jahren“ und im Fließtext „für fortgeschrittene Leseanfänger ab 8 Jahren“. Wer vorliest, kann früher anfangen. Wer selbst lesen lassen will, wartet besser die zweite Klasse ab.
Vorlesen trägt bei den Erstlesebänden ab etwa fünf, weil die Kapitel kurz sind und jedes für sich funktioniert. Selbst lesen ab sieben bis acht. Dafür sind die Bände gebaut: kurze Sätze, viele Bilder, am Ende ein Lesespiel.
Was an den Olchis umstritten war
Die Debatte ist dokumentiert und liegt rund dreißig Jahre zurück. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur hält für die Neunziger fest, es sei diskutiert worden, die grünen Wesen machten genau das Gegenteil von dem, was in unserer Gesellschaft sozial erwünscht sei: Sauberkeit, Ordentlichkeit, nette Umgangsformen und Fleiß.
Erhard Dietls Antwort darauf ist bis heute dieselbe. Im Lexikon der Akademie wird er mit dem Satz zitiert, die Kritiker hätten nur gehört, Olchis furzten, fluchten und stänken, man solle die Bücher aber lesen. In einem Interview ergänzt er, diese Lehrkräfte hätten die Bücher vorher nicht gelesen. Er hat trotzdem weiter daraus vorgelesen.
Der Ausgang ist bekannt. Dietl beschreibt, dass mit den Olchis inzwischen viel im Unterricht gearbeitet wird und dass er selbst eingeladen wird, daraus vorzulesen. Oetinger nennt die Figuren in der Autorenvorstellung anarchisch und schreibt, sie brächten sogar Büchermuffel zum Lesen und Lachen.
Einen erzieherischen Plan bestreitet Dietl ausdrücklich. Zum Thema Müll sagt er, er sei nicht didaktisch herangegangen: Für die Olchis sei Müll lebenswichtig, ihr Müllplatz ein kreatives Paradies, und die Bücher behandelten das Thema ohne erhobenen Zeigefinger.
Eine laufende Kontroverse gibt es heute nicht. Wir haben danach gesucht. Was bleibt, ist eine Geschmacksfrage am Küchentisch, und die entscheidet jede Familie selbst.
Was die Olchis tatsächlich sagen
Der häufigste Einwand betrifft die Sprache, und er lässt sich an den Verlagstexten selbst nachprüfen. Oetinger bewirbt „Die Olchis sind da“ mit „muffelfurzcoolem Lesespaß“ und lässt in der Inhaltsangabe zu „Die Olchis ziehen um“ die Frage stellen, wovon die Olchis nun leben sollen, „heiliger Müllsack“.
Das ist das Niveau, und es bleibt auf diesem Niveau. Die Flüche der Olchis sind erfunden und drehen sich um Müll, Kröten und Gerüche. Ein Kind, das sie mit nach Hause bringt, sagt am Mittagstisch „muffelfurz“ und keines der Wörter, die Eltern eigentlich meinen, wenn sie sich über Schimpfwörter sorgen.
Zum Ekel selbst behaupten wir hier nichts. Uns ist keine belastbare Untersuchung dazu begegnet, ab welchem Alter Kinder diese Art Humor komisch finden und warum. Was sich belegen lässt, ist die Wirkung auf die Lesehaltung: Die Olchis gelten beim Verlag als die Bücher, die auch Kinder erreichen, die sonst keines anfassen.
Häufig gefragt
Ab welchem Alter sind die Olchis geeignet?
Das hängt an der Reihe. Die Olchi-Bilderbücher führt Oetinger überwiegend ab 4 Jahren, die Erstlesebücher ab 6 und ab 7 Jahren, einzelne Bände ab 8. Vorlesen trägt bei den Erstlesebänden schon ab etwa fünf, weil die Kapitel kurz sind. Selbst lesen funktioniert ab sieben bis acht.
Mit welchem Olchi-Buch fängt man an?
Für Kinder, die noch nicht lesen, mit einem der Bilderbücher ab 4 Jahren. Für Leseanfänger ist der historische erste Band die naheliegende Wahl, aber Vorsicht bei der Einstufung: Oetinger führt „Die Olchis sind da“ heute als Lesestarter der 3. Lesestufe mit 64 Seiten. Auf der Produktseite steht am Cover ab 7 Jahren und im Fließtext für fortgeschrittene Leseanfänger ab 8 Jahren. Zum Vorlesen geht es früher.
Lernen Kinder von den Olchis Schimpfwörter?
Sie lernen erfundene. Die Flüche der Olchis drehen sich um Müll, Kröten und Gerüche, und der Verlag zitiert sie selbst: „heiliger Müllsack“ in der Inhaltsangabe, „muffelfurzcooler Lesespaß“ in der Werbung. Was ein Kind daraus mitbringt, sind Wörter, die es außerhalb der Olchi-Welt gar nicht gibt.
Warum waren die Olchis umstritten?
In den Neunzigern wurde diskutiert, die Olchis führten genau das Gegenteil von dem vor, was sozial erwünscht ist: Sauberkeit, Ordentlichkeit, nette Umgangsformen und Fleiß. Das hält die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur so fest. Erhard Dietl entgegnete, die Kritiker hätten die Bücher nicht gelesen. Heute wird mit den Olchis im Unterricht gearbeitet, und eine laufende Kontroverse gibt es nicht mehr.
Quellen
- 1.Medienhaus Oetinger: Produktseite „Die Olchis ziehen um“.Belegt: Altersempfehlung ab 7 Jahren, Lesestarter 3. Lesestufe, 64 Seiten, Erscheinungstermin 26.06.2019, Verlag Oetinger, sowie die Inhaltsangabe mit dem Amt für Umweltschutz und der Wendung „heiliger Müllsack“.
- 2.Medienhaus Oetinger: Produktseite „Die Olchis sind da“.Belegt: Lesestarter 3. Lesestufe, 64 Seiten, Erscheinungstermin 15.04.2019, die Angabe ab 7 Jahren am Cover neben der Textangabe „für fortgeschrittene Leseanfänger ab 8 Jahren“, die Beschreibung der Olchis und die Wendung „muffelfurzcooler Lesespaß“.
- 3.Medienhaus Oetinger: Übersicht der Olchi-Bilderbücher.Belegt: Die Altersangabe ab 4 Jahren bei nahezu allen Bilderbuchtiteln der Reihe, einzelne ab 3 Jahren.
- 4.Medienhaus Oetinger: Übersicht der Olchi-Erstlesebücher.Belegt: Die Altersangaben ab 6 und ab 7 Jahren bei den Erstlesebänden, einzelne ab 8 Jahren.
- 5.Medienhaus Oetinger: Autorenseite zu den Olchis.Belegt: Die Bezeichnung der Olchis als anarchisch und die Aussage, sie brächten sogar Büchermuffel zum Lesen und Lachen; dazu Dietls eigene Schilderung, dass die erste Geschichte „Die Olchis sind da“ hieß.
- 6.Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur: Online-Lexikon, Eintrag Erhard Dietl.Belegt: Erscheinen von „Die Olchis sind da“ 1990, die Diskussion der Neunziger um Sauberkeit, Ordentlichkeit, nette Umgangsformen und Fleiß, Dietls Erwiderung und der Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen 1992.
- 7.Hallo München: Interview mit Erhard Dietl über die Olchis.Belegt: Dietls Aussage, die kritisierenden Lehrkräfte hätten die Bücher vorher nicht gelesen; die heutige Arbeit mit den Olchis im Unterricht; seine Ablehnung eines didaktischen Zugangs beim Thema Müll.
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Was die Olchis seit 1990 können: Sie nehmen Kindern die Sorge, etwas falsch zu machen. In Schmuddelfing gilt jede Regel umgekehrt, und genau das macht die Bücher für Kinder brauchbar, die sich sonst zusammenreißen müssen.
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