Kunststil
Kinderbuch in der Tingatinga-Bilderwelt
Tingatinga ist eine Malereischule aus Dar es Salaam in Tansania, benannt nach ihrem Begründer Edward Saidi Tingatinga. Unsere Bilder sind davon inspiriert: kräftige Farben, dunkle Konturen, Tiere mit Mustern im Inneren.
Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Eine Malereischule aus Dar es Salaam
Die Tingatinga-Malerei ist eine moderne Kunstschule mit eigener Geschichte. Sie geht auf Edward Saidi Tingatinga zurück, der Ende der 1960er Jahre in Dar es Salaam zu malen begann. Er arbeitete auf quadratischen Tafeln mit kräftigen Farben und zeigte vor allem Tiere, aber auch Menschen. Sein Erfolg sprach sich herum, und junge Maler schlossen sich ihm an. So entstand die Schule, die ihren Mittelpunkt bald in Msasani hatte, einem Dorf bei Dar es Salaam.
Gemalt wurde mit Fahrradlack, einer glänzenden Emaillefarbe, auf Hartfaserplatten. Das Material gibt den Bildern ihre deckenden, leuchtenden Flächen. Dazu kommen klare Konturen und Muster im Inneren der Formen: Punkte, Streifen, Schwünge. Dass die Farbe fast wie Lack wirkt, gehört zum Erscheinungsbild.
Tingatinga starb 1972, die Schule bestand weiter. Die Smithsonian Libraries fassen Yves Goscinnys Buch über die Malerei so zusammen: Der Gründer begann 1970, fünf Schüler auszubilden, nämlich Simon George Mpata, Tedo, Ajaba, Linda und Adeusi. Diese erste Generation bildete eine zweite aus, und der enge Kreis um den Gründer öffnete sich. Der Zusammenfassung zufolge übernimmt eine Kooperative Verkauf und Vermarktung, und die Malerei ist vielfältiger geworden.
Dabei hat sich auch der Stil verändert. Tingatingas eigene Bilder waren aufgeräumt und zeigten meist ein einzelnes Tier. Spätere Maler füllten die freie Fläche mit Pflanzen und weiteren Tieren, und in jüngerer Zeit kamen Stadtszenen und erzählende Bilder hinzu. Unser dicht gefüllter, stark gemusterter Look entspricht darum eher den späteren Malergenerationen als den frühen, sparsamen Tafeln des Begründers.
Unsere Bilder sind eine heutige Kinderbuch-Adaption und übertragen Elemente dieser Tradition frei: die kräftigen Konturen, die deckenden Farben, die Muster. Das Kind am Waldfluss auf unserem Beispielbild und die Figuren deines Buches gehören zu dieser freien Übertragung. Sie stammen nicht aus der Tingatinga-Malerei selbst.
Namen, die dahinterstehen
Edward Saidi Tingatinga
Quadratische Tafelbilder mit einzelnen Tieren und Menschen, Dar es Salaam
Begründer und Namensgeber der Schule; seine Bilder blieben meist bei einem einzelnen Tier mit viel freier Fläche.
Simon George Mpata
Tingatinga-Tafelbilder, nach 1972 im eigenen Atelier in Nairobi
Gehörte zu den ersten Schülern und wird in der Literatur als besonders stiltreu gegenüber seinem Lehrer beschrieben.
Tedo, Ajaba, Linda und Adeusi
Die weiteren Schüler der ersten Generation, ab 1970 ausgebildet
Sie führten die Schule nach 1972 fort und bildeten die zweite Generation aus, die den Stil erweiterte.
Woran man die Tingatinga-Bilderwelt erkennt
- Deckende, glatt glänzende Farbflächen in kräftigem Blau, Grün, Orange und Gelb, wie auf einer lackierten Tafel.
- Dunkle Konturen um jede Form: Tiere, Bäume, Blätter und Figuren.
- Muster im Inneren der Formen, zum Beispiel Punktreihen auf Baumstämmen und Flecken im Fell der Tiere.
- Ein dicht gefülltes Bild: Blätter, Blumen und Pflanzen drängen von den Rändern herein, kaum eine Fläche bleibt leer.
- Ruhig gehaltene Gesichter der Figuren, damit sie im Gewimmel der Muster das Klarste bleiben.
Für welche Geschichten sich die Tingatinga-Bilderwelt eignet
Der Stil eignet sich gut für Geschichten mit Tieren, Natur und Abenteuer: Wald, Fluss, Savanne, Garten. Tiere sind in dieser Malerei das große Thema, und das Muster im Fell oder Gefieder lässt sich in jeder Szene neu erfinden.
Die Bilder sind farbig, voller Energie und reich an Kleinigkeiten, die sich beim genauen Hinsehen entdecken lassen. Das passt zu fröhlichen, lebhaften Erzählungen. Für sehr leise, nachdenkliche Szenen ist der Stil weniger naheliegend, weil das dichte Muster viel Bewegung ins Bild bringt.
Als Orientierung: ab etwa drei Jahren, wenn Kinder gern viel auf einer Seite suchen und benennen. Das ist eine redaktionelle Einschätzung und keine feste Regel.
Gut zu wissen
Sind das echte Tingatinga-Gemälde?
Nein. Unsere Bilder sind eine heutige Kinderbuch-Adaption, inspiriert von der Tingatinga-Malerei. Sie greifen Konturen, deckende Farben und Muster auf, zeigen aber eigene Szenen und Figuren, die in dieser Tradition so nicht vorkommen.
Womit wird in der Tingatinga-Malerei traditionell gemalt?
Mit Fahrradlack, einer Emaillefarbe, auf Hartfaserplatten. Die Farbe ergibt deckende, glänzende Flächen. Unsere Bilder nehmen diesen Look auf, sind aber nicht mit solchem Lack gemalt.
Wie sahen die ersten Tingatinga-Bilder aus?
Sie waren meist sparsamer als die heutigen. Edward Saidi Tingatinga zeigte oft ein einzelnes Tier. Spätere Malergenerationen füllten die Bilder mit Pflanzen und weiteren Tieren und erzählten auch Szenen aus der Stadt. Unser Stil entspricht eher dieser dichten späteren Form.
Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?
Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt. Ein Stilwechsel mitten im Buch kommt nicht vor.
- 1.Smithsonian Libraries: Modern African Art, A Basic Reading List, Tanzania, Tingatinga School. (auf Englisch)Belegt: Quadratische Tafeln, Schule in Msasani bei Dar es Salaam, Tod des Gründers 1972, die ab 1970 ausgebildeten Schüler Mpata, Tedo, Ajaba, Linda und Adeusi sowie die Entwicklung vom einzelnen Tier zum gefüllten Bild und zu Stadt- und Erzählszenen.
- 2.Wikipedia: Edward Tingatinga. (auf Englisch)Belegt: Tingatinga begann 1968 zu malen und starb 1972; als Material nennt der Artikel unter anderem Masonite-Platten und Fahrradlack.
- 3.Indigo Arts: Tinga Tinga Today, Tanzanian Popular Art in Transition. (auf Englisch)Belegt: Hochglänzender Fahrradlack auf Hartfaser als Ausgangsmaterial und die Ausweitung des Stils von einfachen Tierbildern zu reicheren, dichteren Bildern.
- 4.Wikipedia: Simon Mpata. (auf Englisch)Belegt: Mpata (1942 bis 1984) war ein Halbbruder Tingatingas, gehörte zu den direkt unterrichteten Schülern, gilt als besonders stiltreu und zog nach dessen Tod nach Nairobi.
- 5.Fowler Museum at UCLA: Tingatinga (Ausstellung, 2022 bis 2023). (auf Englisch)Belegt: Tingatingas Bilder zeigen flach stilisierte, klar umrissene Tiere vor einfarbigem Grund, und der Stil wird bis heute weitergegeben.
Die anderen Kunststile
- Aquarell
- Buntstift
- Papier-Collage
- Feine Feder
- 3D-Filmlook
- Retro-Gouache
- Graphic Novel
- Jugendstil
- Comic (Ligne claire)
- Nordische Märchenkunst
- Scherenschnitt
- Tusche & Aquarell
- Wachskreide
- Risografie
- Grafisch & reduziert
- Ukiyo-e-inspiriert
- Chinesische Tusche
- Minhwa-Bilderwelt
- Cordel-Holzschnitt
- Andine Textilkunst
Im Überblick: alle Kunststile, alle Namen von A bis Z und die Entwicklungsthemen.