Kunststil
Kinderbuch mit Mustern andiner Textilkunst
Dieser Stil ist kein historischer Kinderbuchstil, sondern eine heutige Illustration, die sich von Farben und geometrischen Mustern andiner Textilkunst inspirieren lässt. Die Textiltraditionen, auf die sie sich bezieht, sind sehr viel älter und stehen für sich.
Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Weben in den Anden: viele Kulturen, eine Jahrtausende alte Kunst
Mit „andiner Textilkunst“ ist keine einzelne Tradition gemeint. Der Andenraum umfasst viele Kulturen, und das Weben gehört dort nach Angaben des Metropolitan Museum of Art zu den ältesten und vielfältigsten Kunstformen, lange vor dem Inkareich, das von etwa 1470 bis 1532 bestand. Bedeutende Textilbestände stammen unter anderem von den Paracas (etwa 800 bis 100 v. Chr.), den Nasca (etwa 100 bis 700 n. Chr.), den Wari (etwa 600 bis 1000) und den Inka. Die Namen der Weberinnen und Weber, die diese frühen Stücke geschaffen haben, sind meist nicht überliefert.
Textilien waren in den Anden mehr als Schmuck. Weil es in den frühen Kulturen keine Schrift gab, trugen sie nach der Darstellung des Met wesentlich dazu bei, Informationen und auch soziale und politische Botschaften weiterzugeben. Eine Wari-Tunika zählte zu den wichtigsten Zeichen der Zugehörigkeit, und feine Inka-Gewänder waren dem Kaiser, dem Adel und von ihm beschenkten Personen vorbehalten. Weberinnen im Raum Cusco nehmen in ihren Mustern heute unter anderem Landschaft, Himmel und das Leben der Gemeinschaft auf.
Die Grundlage dieser Bildsprache ist das Handwerk: gefärbte Fasern, gesponnenes Garn und verschiedene Webstrukturen. Der Rückengurtwebstuhl, bei dem die Weberin die Spannung der Kettfäden mit dem eigenen Körper regelt, ist nach Angaben des Met seit mindestens 1500 v. Chr. in Gebrauch und wird im Raum Cusco bis heute benutzt. Weil jedes Gewebe aus senkrechten und waagerechten Fäden entsteht, ergeben sich geometrische Formen wie Rauten, Zickzack und stufige Wellenmuster zu einem guten Teil aus dem Material selbst.
Auch nach der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert wurde weitergewebt, besonders in den südlichen Hochländern Perus und Boliviens. Das Centro de Textiles Tradicionales del Cusco wurde 1996 von Weberinnen aus Chinchero und ihren Unterstützern gegründet. Es arbeitet mit zehn Webgemeinschaften der Region und hilft dabei, Techniken, Naturfarben und Muster zu bewahren und neu zu beleben.
Unsere Bilder sind eine freie Übertragung. Sie bilden keine Textilien nach und rekonstruieren keine Tradition. Sie greifen Farben, Zickzackbordüren, gestufte Rauten und die treppenförmigen Kanten des Gewebegitters auf und setzen sie in eine heutige Kinderbuchszene ein. Wald, Fuchs und Fluss gehören zur Geschichte des Kindes und nicht zu einer bestimmten Textiltradition. Welcher Gemeinschaft ein Muster gehört und was es bedeutet, geben die Bilder nicht wieder.
Namen, die dahinterstehen
Weberinnen und Weber der Paracas-Kultur (Namen nicht überliefert)
Randfragment mit Figuren, die Stäbe tragen, Cerro Colorado
Sie stickten bunte Tiere, Pflanzen und Gestalten auf Stoff und spiegelten ein Motiv in wechselnden Farben, ein Verfahren, das noch rund tausend Jahre fortbestand.
Weberinnen und Weber der Wari-Kultur (Namen nicht überliefert)
Tunika, Peru, 7. bis 9. Jahrhundert
Ihre Tunikas aus gefärbter Kamelidenwolle zeigen satte Farben, ineinandergreifende Formen und gespiegelte Wiederholungen, teils um ein wellenförmiges Stufenmuster aufgebaut.
Nilda Callañaupa Alvarez
Gründung des Centro de Textiles Tradicionales del Cusco, 1996
Die Quechua-Weberin aus Chinchero leitet das Zentrum seit der Gründung und steht für die lebendige Tradition, die Techniken und Muster heute weitergibt.
Anni Albers
Pasture, 1958
Sie gehört nicht zur andinen Tradition, studierte aber andine Gewebe, sammelte Fragmente und übernahm deren Gestaltungsprinzipien in die moderne Textilkunst.
Woran man das Bild erkennt
- Flächen, die wie gewebt oder gestickt aussehen, mit sichtbarer Fadenstruktur statt glatter Farbverläufe.
- Treppenförmige, pixelartige Kanten: Rundungen werden aus kleinen Stufen aufgebaut, wie sie das Gewebegitter vorgibt.
- Bordüren und Füllungen aus Zickzack, gestuften Rauten, Winkelbändern und stilisierten Pflanzen.
- Satte, nebeneinandergesetzte Farben wie Magenta, Orange, Türkis, Violett, Goldgelb und tiefes Blau.
- Figuren aus wenigen Blockformen, deren Kleidung und Fell Muster tragen, während Gesichter schlicht bleiben.
Für welche Geschichten sich dieser Stil eignet
Der Stil eignet sich gut für Geschichten mit viel Natur, Tieren, Reisen und Landschaft, weil sich Berge, Flüsse und Wälder in Musterflächen übersetzen lassen. Wer ein Bild lange betrachtet und kleine Dinge sucht, findet hier viel: Ein Fuchs, dessen Fell aus Rauten besteht, oder ein Fluss aus waagerechten Fadenreihen laden zum Entdecken ein.
Weniger geeignet ist er für sehr leise Geschichten, die Ruhe und leere Flächen brauchen, oder für Szenen, in denen es auf feine Gesichtsausdrücke ankommt, denn Figuren werden aus Blockformen aufgebaut. Altersmäßig passt er ab etwa vier Jahren, wenn Kinder Freude am Suchen und Benennen von Mustern haben.
Wer sich für eine bestimmte Textiltradition interessiert, findet in unseren Bildern keine Nachbildung. Sie verstehen sich als von andiner Textilkunst inspiriert: heutige Kinderbuchillustration mit Mustern und Farben, die dem Andenraum nachempfunden sind.
Gut zu wissen
Ist das echte andine Textilkunst?
Nein. Die Bilder sind von andiner Textilkunst inspiriert. Sie übernehmen Farben, Zickzack, Rauten und die gestufte Kantenform des Gewebes, bilden aber kein bestimmtes Textil und keine bestimmte Tradition nach. Die Szenen selbst, etwa Wald, Fuchs und Fluss, stammen aus deiner Geschichte.
Aus welcher Kultur stammen die Muster?
Aus keiner einzelnen. Der Andenraum umfasst viele Kulturen mit eigenen Traditionen, etwa Paracas, Nasca, Wari und Inka, und Muster können dort für Zugehörigkeit oder Landschaft stehen. Wir verwenden allgemeine Formen wie Zickzack und Rauten und schreiben ihnen nicht die Bedeutung einer bestimmten Gemeinschaft zu.
Ab welchem Alter passt dieser Stil?
Ab etwa vier Jahren. Die dichten Muster bieten viel zum Entdecken. Für sehr junge Kinder kann das Bild unruhig wirken, weil nur wenige Flächen frei bleiben.
Wo erfahre ich mehr über die echten Textiltraditionen?
Das Metropolitan Museum of Art stellt im Heft zur Ausstellung „Weaving Abstraction in Ancient and Modern Art“ Textilien aus den Anden vor. Das Centro de Textiles Tradicionales del Cusco in Peru arbeitet mit Webgemeinschaften zusammen und gibt Einblick in das heutige Handwerk.
Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?
Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.
- 1.The Metropolitan Museum of Art: Weaving Abstraction in Ancient and Modern Art, Bulletin, Herbst 2023 (Candela, Pillsbury). (auf Englisch)Belegt: Weben als eine der ältesten Kunstformen der Anden, Kulturen Paracas, Nasca, Wari und Inka, Rückengurtwebstuhl seit mindestens 1500 v. Chr., Gewebegitter als Ursprung geometrischer Muster, Textilien als Träger von Botschaften und Zugehörigkeit, Weiterweben nach der spanischen Eroberung, Gründung des Centro de Textiles Tradicionales del Cusco 1996, Anni Albers und ihr Studium andiner Gewebe.
- 2.Josef and Anni Albers Foundation: Weaving Abstraction in Ancient and Modern Art. (auf Englisch)Belegt: Anni Albers war eine von vier modernen Künstlerinnen der Ausstellung, die Textilien aus den Anden gegenübergestellt wurden; Pasture entstand 1958.
- 3.Centro de Textiles Tradicionales del Cusco: Startseite. (auf Englisch)Belegt: Gründung 1996 durch andine Weberinnen und ihre Unterstützer, Zusammenarbeit mit zehn Webgemeinschaften der Region Cusco, Ziel des Erhalts der Textiltraditionen.
- 4.Centro de Textiles Tradicionales del Cusco: Backstrap Weaving Workshop. (auf Englisch)Belegt: Weben am Rückengurtwebstuhl wird im Raum Cusco heute gelehrt und gepflegt, angeleitet von Weberinnen und Webern aus Hochlandgemeinschaften.
- 5.Smithsonian Folklife Festival: Master Workshop Backstrap Weaving with Nilda Callañaupa. (auf Englisch)Belegt: Nilda Callañaupa Alvarez stammt aus Chinchero und hat das Centro de Textiles Tradicionales del Cusco mitgegründet; Muster am Rückengurtwebstuhl nehmen Landschaft, Himmel und das kulturelle Leben auf.
- 6.Textile Museum of Canada: Nilda, Weaver (Cloth & Clay). (auf Englisch)Belegt: Nilda Callañaupa Alvarez wuchs in Chinchero auf, lernte als Kind das Spinnen und arbeitet am Rückengurtwebstuhl; 1996 gründete sie das Centro de Textiles Tradicionales del Cusco.
- 7.Wikipedia: Center for Traditional Textiles of Cusco. (auf Englisch)Belegt: Gründung 1996 durch Weberinnen aus Chinchero und Unterstützer, Leitung durch Nilda Callañaupa Alvarez seit Beginn, zehn Webgemeinschaften, Wiederbelebung pflanzlicher Naturfarben seit 1999.
Die anderen Kunststile
- Aquarell
- Buntstift
- Papier-Collage
- Feine Feder
- 3D-Filmlook
- Retro-Gouache
- Graphic Novel
- Jugendstil
- Comic (Ligne claire)
- Nordische Märchenkunst
- Scherenschnitt
- Tusche & Aquarell
- Wachskreide
- Risografie
- Grafisch & reduziert
- Ukiyo-e-inspiriert
- Chinesische Tusche
- Minhwa-Bilderwelt
- Cordel-Holzschnitt
- Tingatinga-Bilderwelt
Im Überblick: alle Kunststile, alle Namen von A bis Z und die Entwicklungsthemen.