Sagalino

Kunststil

Kinderbuch in Risografie

Risografie ist ein Schablonendruck aus Japan. Jede Farbe wird einzeln gedruckt, und wo sich zwei Farben überlagern, entsteht eine dritte. Daher kommen die wenigen leuchtenden Töne, die körnigen Flächen und die kleinen Versätze.

Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Beispielillustration im Stil Risografie
Wenige Druckfarben, körnige Flächen und kleine Versätze: frisch und verspielt
Herkunft

Vom Vervielfältiger zur Gestalterfarbe

Risografie ist ein Schablonenverfahren. Das Gerät schneidet mit einem thermischen Kopf feine Öffnungen in eine dünne Folie, den sogenannten Master, und legt ihn um eine Drucktrommel. In der Trommel steckt Tinte in genau einer Farbe. Dreht sie sich, drückt sie die Tinte durch die Öffnungen auf das durchlaufende Papier.

Weil eine Trommel nur eine Farbe enthält, wird ein mehrfarbiges Bild in getrennte Farbebenen zerlegt: Für jede Ebene entsteht ein eigener Master, und das Papier läuft für jede Farbe einmal durch die Maschine. Die Tinten sind halbtransparent. Liegen zwei Ebenen übereinander, mischt sich im Überdruck eine dritte Farbe. Weil das Papier für jeden Durchgang neu eingelegt wird, sitzen die Ebenen nie haargenau übereinander. Dieser Versatz und kleine Unterschiede innerhalb einer Auflage gehören zum Verfahren und sind Teil seines Aussehens.

Die Technik kommt aus Tokio. Noboru Hayama eröffnete dort am 2. September 1946 den Vervielfältigungsbetrieb RISO-SHA. „Riso“ bedeutet auf Japanisch „ideal“. 1958 brachte das Unternehmen mit dem RISO-GRAPH ein eigenes Gerät auf den Markt, 1980 folgte die Marke RISOGRAPH, und 1986 erschien mit dem Digital 007 das erste digitale Gerät. Entwickelt wurden diese Maschinen, um Dokumente schnell und günstig zu vervielfältigen, nicht für Kunst.

Gestalterinnen, Illustratoren und kleine Druckstudios entdeckten später, was das Verfahren sichtbar macht: kräftige Volltonfarben, Körnung, Überlagerungen und Zufall. RISO selbst schreibt, die Geräte seien weltweit bei Künstlerinnen und Künstlern beliebt, besonders in Europa. Gabriella Marcella lernte den Riso-Drucker am Pratt Institute in Brooklyn kennen und baute in Glasgow das Studio RISOTTO auf. In London gründeten Jackson Lam und Ken Kirton 2009 die Hato Press, die Zines und Bücher im Risodruck veröffentlicht.

Unsere Bilder sind keine Risodrucke. Sie entstehen nicht auf einer RISO-Maschine, sondern sind heutige Kinderbuch-Illustrationen, die den Druckcharakter frei übertragen: wenige feste Farben, Überlagerungen, Körnung und leichte Versätze.

Wer diesen Stil geprägt hat

Namen, die dahinterstehen

  • Noboru Hayama

    Gründung des Vervielfältigungsbetriebs RISO-SHA in Tokio, 1946

    Aus seinem Betrieb wurde das Unternehmen, dessen Geräte dem Druckverfahren den Namen gaben.

  • Gabriella Marcella

    RISOTTO, Druckstudio in Glasgow

    Entwickelte ihre Arbeit aus der Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit des Riso-Druckers und macht daraus Plakate, Wandbilder und Publikationen.

  • Jackson Lam und Ken Kirton

    Hato Press, London, 2009

    Gründeten die Presse, um Druck und Produktion für Künstlerinnen und Künstler zugänglicher zu machen, und veröffentlichten bis 2020 rund 50 Zines im Risodruck.

Merkmale

Woran man Risografie erkennt

  • Drei oder vier leuchtende Volltonfarben, auf unserem Beispielbild Pink, Kobaltblau und Sonnengelb auf warmem, cremefarbenem Papier.
  • Mischfarben entstehen nur durch Überdruck: Blau über Pink ergibt Violett, Gelb über Pink Orange.
  • Körnige, gesprenkelte Flächen, mal dichter, mal lichter, durch die das Papier hindurchscheint.
  • Kleine Versätze, an denen eine Farbebene knapp neben der anderen sitzt.
  • Große, einfache Formen ohne eigene Konturlinie und ohne weiche Verläufe.
Wofür er sich eignet

Für welche Geschichten sich Risografie eignet

Der Stil lebt von großen, klaren Formen und wenigen Farben. Gut eignet er sich für Natur, Tiere und Stimmungen: Wald, Fluss, Dämmerung, ein Fuchs, eine Laterne. Auf unserem Beispielbild setzen die Farbebenen genau das um, ein Himmel in Rosa und Gelb, Bäume in Blau, ein Fuchs aus Gelb und Pink.

Weil nur wenige Farben zur Verfügung stehen, werden Haut, Haare und Kleidung in diese Farben übersetzt. Die Figur bleibt an Form, Frisur und Kleidung erkennbar, ist aber grafischer als in einem gemalten Stil. Für feine Mimik ist die Körnung weniger geeignet.

Die Bilder wirken frisch und verspielt. Die einfachen Formen sind gut zu erfassen, der Stil passt deshalb ab etwa zwei bis drei Jahren. Das ist eine redaktionelle Einschätzung, keine feste Altersgrenze.

Fragen

Gut zu wissen

Worin unterscheidet sich Risografie vom Siebdruck?

Beide drücken Farbe durch eine Schablone und arbeiten mit Volltonfarben. Bei der Risografie erzeugt das Gerät die Schablone selbst, legt sie um eine Trommel und druckt automatisch, jede Farbe in einem eigenen Durchgang. Das macht das Verfahren schnell und für kleine Auflagen günstig.

Sind die Bilder echte Risodrucke?

Nein. Die Bilder entstehen nicht auf einer RISO-Maschine, sondern als heutige Kinderbuch-Illustrationen, die Farbebenen, Überdruck, Körnung und Versatz frei nachempfinden.

Warum gibt es so wenige Farben?

Im Riso-Druck trägt jede Trommel genau eine Farbe, und jede weitere Farbe bedeutet einen weiteren Durchgang. Alle anderen Töne entstehen, wenn sich zwei Farben überlagern. Unsere Bilder folgen dieser Beschränkung: drei oder vier Farben, der Rest entsteht durch Überdruck.

Ab welchem Alter passt der Risografie-Stil?

Ab etwa zwei bis drei Jahren. Große, einfache Formen und klare Farben sind gut zu erkennen, die Körnung belohnt genaues Hinschauen.

Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?

Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.

Belege
  1. 1.RISO Kagaku Corporation: RISO's History. (auf Englisch)Belegt: Noboru Hayama begann 1946 mit einem Vervielfältigungsdienst unter dem Namen RISO-SHA, 1958 erschien das Gerät RISO-GRAPH.
  2. 2.RISO Deutschland: RISO, a Japanese print success story. (auf Englisch)Belegt: Gründung von RISO-SHA am 2. September 1946, RISO-GRAPH 1958 und die Marke RISOGRAPH mit den ersten Geräten 1980.
  3. 3.RISO Inc.: About RISO. (auf Englisch)Belegt: Die Bedeutung von „Riso“ als „ideal“, das erste digitale Gerät Digital 007 im Jahr 1986.
  4. 4.RISO Kagaku Corporation: RISO ART. (auf Englisch)Belegt: RISOGRAPH ist weltweit, besonders in Europa, bei Künstlerinnen und Künstlern beliebt geworden.
  5. 5.University of Brighton: Visual Communication Technical Resource, Risograph Printing. (auf Englisch)Belegt: Der Master wird thermisch geschnitten und um eine Trommel gelegt, jede Trommel enthält eine Farbe, sich überlagernde Farben ergeben Mischfarben, innerhalb einer Auflage gibt es Unregelmäßigkeiten.
  6. 6.Victoria and Albert Museum: Gabriella Marcella, The power of printing, 2018. (auf Englisch)Belegt: Marcella lernte das Verfahren am Pratt Institute kennen, gründete RISOTTO in Glasgow, und das Verfahren arbeitet mit Volltonfarben und Schablonen ähnlich dem Siebdruck.
  7. 7.Hato Press, Eintrag zu Gründung und Programm. (auf Englisch)Belegt: Hato Press wurde 2009 von Jackson Lam und Ken Kirton in London gegründet und hatte bis 2020 rund 50 Zines im Risodruck veröffentlicht.