Kunststil
Kinderbuch, inspiriert vom japanischen Farbholzschnitt
Ukiyo-e heißt „Bilder der fließenden Welt“ und bezeichnet die Bildtradition der japanischen Farbholzschnitte aus Edo. Unsere Bilder in diesem Stil sind heutige Kinderbuchillustrationen, die sich an ihrer Gestaltung orientieren: feine Konturen, flächige Farben, gestaffelte Landschaften und Wasser in rhythmischen Linien.
Komplette Geschichte gratisStil bleibt im ganzen Buch gleicheBook 5,00 €

Bilder aus Edo, gemacht von vier Händen
Ukiyo-e entstand im 17. Jahrhundert in Edo, dem heutigen Tokio. Die Stadt wuchs, ihre Kaufleute hatten Geld und Freizeit, und sie wollten Bilder von dem, was sie umgab: Theater, Mode, Vergnügungsviertel, später auch Landschaften. Holzschnitt ist dabei die Drucktechnik, Ukiyo-e die Bildtradition, die sie über Jahrhunderte nutzte. Weil gedruckt wurde, konnten viele Menschen die Blätter kaufen: Nach Angaben des Asian Art Museum lieferte ein Satz Druckstöcke mehrere tausend Abzüge.
Ein klassischer Druck war Gemeinschaftsarbeit. Der Verleger trug das Vorhaben: Er schätzte den Markt ein, beauftragte den Künstler, überwachte die Herstellung und kümmerte sich um den Vertrieb. Der Künstler zeichnete den Entwurf mit schwarzer Tusche auf dünnes Papier. Der Holzschneider übertrug die Zeichnung auf einen Block aus Kirschholz und schnitt das Holz rings um die Linien weg. Der Drucker setzte zuletzt die Farben aufs Papier. Am Druck selbst war der Zeichner nicht beteiligt, und manches am Ergebnis entschied sich erst in der Werkstatt.
Für ein mehrfarbiges Blatt, ein nishiki-e, schnitt man für jede Farbe einen eigenen Block. Kleine Passmarken, kento, hielten das Papier bei jedem Durchgang an derselben Stelle, damit Linien und Farbflächen genau aufeinander lagen. Für ein durchschnittliches Blatt waren nach Angaben des Asian Art Museum mindestens etwa zehn Druckgänge nötig. Die Passmarken wurden ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer verlässlichen Technik, und Suzuki Harunobu führte um 1765 den Vollfarbdruck ein.
Im 19. Jahrhundert rückte die Landschaft in den Mittelpunkt. Katsushika Hokusai ließ Anfang der 1830er Jahre seine Serie Fugaku sanjūrokkei drucken, die 36 Ansichten des Berges Fuji, die später auf 46 Blätter wuchs. Darin nutzte er ausgiebig Berliner Blau, ein Pigment, das erst kurz zuvor aus Europa nach Japan gekommen war. Von Utagawa Hiroshige stammen die Hundert berühmten Ansichten von Edo. Gedruckt wurden nicht nur Einzelblätter, sondern auch Bücher: ehon, das japanische Wort für Bilderbuch, meint im engeren Sinn die holzgedruckten Bände der Edo-Zeit. Die Smithsonian Libraries bewahren über tausend solcher Bände, viele mit Bildern von Hokusai und Hiroshige. Hokusais Hokusai manga umfasst fünfzehn Bände, die zwischen 1814 und 1878 in Nagoya erschienen.
Was Sagalino daraus macht, ist eine heutige Übertragung. Unsere Bilder entstehen digital als ein Bild, nicht aus getrennten Druckstöcken, die Farbe für Farbe übereinander gedruckt werden. Übernommen sind die Gestaltungsmerkmale der Tradition: dunkle Konturen, ruhige Flächen, gestaffelte Ebenen, Wellenlinien und eine Palette von Indigo bis Rostrot. Holzmaserung und Papierfaser sind als Oberflächenstruktur nachempfunden. Darum heißt der Stil „Ukiyo-e-inspiriert“.
Namen, die dahinterstehen
Suzuki Harunobu
Erste Vollfarbdrucke (nishiki-e), 1765
Führte um 1765 den Druck mit mehreren Farbblöcken ein und löste damit die Zwei- und Dreifarbdrucke ab.
Katsushika Hokusai
36 Ansichten des Berges Fuji (Fugaku sanjūrokkei)
Seine Fuji-Serie, Anfang der 1830er Jahre von Nishimuraya Yohachi verlegt, gehört zu den Landschaftsserien, mit denen die Landschaft im 19. Jahrhundert zum Hauptthema des Ukiyo-e wurde.
Utagawa Hiroshige
Hundert berühmte Ansichten von Edo (Meisho Edo hyakkei), 1856
Schuf mit dieser Serie eine Landschafts- und Stadtansicht von Edo; die Library of Congress zeigt Blätter daraus von 1856.
Woran man den Ukiyo-e-Einfluss im Bild erkennt
- Feine, gleichmäßige dunkle Konturen um fast alle Formen, Pflanzen, Felsen und Figuren.
- Flächige Farben ohne Modellierung durch Schatten. Weiche Verläufe gibt es nur im Himmel und im Dunst der Ferne.
- Gedämpfte, traditionelle Palette aus Indigo, Rostrot, Ocker, Moosgrün und Creme.
- Wasser in rhythmischen Wellenlinien, dazu Kiefern, Birken und Berge, die in Ebenen hintereinander gestaffelt sind.
- Eine Oberflächenstruktur wie Holzmaserung und Papierfaser, die den Eindruck eines Drucks nachempfindet.
Für welche Geschichten sich dieser Stil eignet
Der Stil lebt von Landschaft. Geschichten mit Wasser, Wald und Bergen, mit einer Reise, einem Fluss oder wechselnden Jahreszeiten geben ihm viel zu zeigen, und die gestaffelten Ebenen laden zum genauen Hinschauen ein. Auch ruhig erzählte Abende passen dazu, denn die Bilder wirken überlegt und still.
Figuren werden mit wenigen klaren Linien gezeichnet. Für sehr feine Mimik ist der Stil deshalb eher zurückhaltend, ein Kind, das im Bild schaut, sitzt oder geht, ist in ihm dagegen gut zu erkennen. Ab etwa vier Jahren lassen sich die Szenen mit Freude durchsuchen. Das ist eine redaktionelle Einschätzung und keine feste Grenze.
Unsere Bilder sind Kinderbuchillustrationen von heute, die den Geist der Tradition aufnehmen. Gedacht sind sie für ein Buch, in dem das eigene Kind durch eine solche Landschaft geht.
Gut zu wissen
Ist das ein echter japanischer Holzschnitt?
Nein. Ein echter Farbholzschnitt wird aus mehreren Druckstöcken, einem je Farbe, nacheinander aufs Papier gedruckt. Unsere Bilder werden digital gemalt und sind von dieser Tradition inspiriert: Konturen, Flächen, Farben und Wellenlinien folgen ihr, Druckstöcke gibt es nicht.
Was bedeutet Ukiyo-e?
Wörtlich „Bilder der fließenden Welt“. Der Begriff bezeichnet die Bildtradition, die im 17. Jahrhundert in Edo, dem heutigen Tokio, entstand und Theater, Mode, Vergnügungsviertel und später Landschaften zeigte. Der Holzschnitt ist ihre Technik.
Was haben Ukiyo-e und Kinderbücher miteinander zu tun?
Gedruckt wurden nicht nur einzelne Blätter, sondern auch Bücher. Das japanische Wort für Bilderbuch ist ehon, und im engeren Sinn meint es die holzgedruckten illustrierten Bände der Edo-Zeit, zu denen auch Hokusai und Hiroshige Bilder lieferten.
Ab welchem Alter passt der Ukiyo-e-inspirierte Stil?
Ab etwa vier Jahren. Die klaren Konturen und gestaffelten Ebenen belohnen genaues Hinschauen, bei sehr feinem Gesichtsausdruck ist der Stil dagegen zurückhaltender.
Bleibt der Stil im ganzen Buch gleich?
Ja. Alle 14 Doppelseiten entstehen im gewählten Stil, einschließlich Cover und Figurenporträt.
- 1.Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Beyond Ukiyo-e: Modern & Contemporary Japanese Prints (Ausstellung 2001/2002). (auf Englisch)Belegt: Beschreibt die Arbeitsteilung bei Ukiyo-e-Drucken: Ein Verleger beauftragt Entwürfe, Schnitt der Druckstöcke und Druck besorgen Fachhandwerker.
- 2.Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Exhibition Items (Ausstellung 2001/2002). (auf Englisch)Belegt: Führt Hiroshiges Blätter aus Hundert berühmte Ansichten von Edo von 1856, Hokusais Hokusai manga in fünfzehn Bänden (Nagoya, 1814 bis 1878) und holzgedruckte Bücher der Edo-Zeit auf.
- 3.Asian Art Museum: The Ukiyo-e Woodblock Printing Process. (auf Englisch)Belegt: Die vier Rollen Verleger, Künstler, Holzschneider und Drucker, ein Block je Farbe mit Passmarken, mindestens etwa zehn Druckgänge je Farbblatt, Blöcke für mehrere tausend Abzüge.
- 4.Musashino Art University, MAU Art & Design Glossary: Registration marks. (auf Englisch)Belegt: Passmarken richten das Papier bei jedem Druckgang aus und wurden ab etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts perfektioniert.
- 5.Allen Memorial Art Museum, Oberlin College: Katsushika Hokusai, Fuji from Surugadai in the Eastern Capital, aus der Serie Thirty-six Views of Mt. Fuji. (auf Englisch)Belegt: Hokusais Fuji-Serie entstand Anfang der 1830er Jahre und wurde von Nishimuraya Yohachi verlegt.
- 6.Smithsonian Libraries and Archives: Japanese Illustrated Books from the Edo and Meiji Periods. (auf Englisch)Belegt: Die Sammlung umfasst über tausend holzgedruckte illustrierte Bücher der Edo- und Meiji-Zeit, viele mit Bildern von Hiroshige und Hokusai.
- 7.Wikipedia: Ukiyo-e. (auf Englisch)Belegt: Ukiyo-e entstand im 17. Jahrhundert in Edo; Suzuki Harunobu führte um 1765 den Vollfarbdruck (nishiki-e) ein; im 19. Jahrhundert wurde die Landschaft zum großen Thema.
- 8.Wikipedia: Thirty-six Views of Mount Fuji. (auf Englisch)Belegt: Die Serie entstand um 1830 bis 1832, wuchs von 36 auf 46 Blätter und nutzte ausgiebig das neu eingeführte Berliner Blau.
Die anderen Kunststile
- Aquarell
- Buntstift
- Papier-Collage
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- 3D-Filmlook
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- Graphic Novel
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Im Überblick: alle Kunststile, alle Namen von A bis Z und die Entwicklungsthemen.