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Der kleine Prinz: ab welchem Alter, und welche Fassung

6 Min. Lesezeit6 Quellen

Illustration: aufgefächerte Bücher, eines aufgeschlagen mit einem gemalten Nachthimmel über die Doppelseite, ein sehr kleiner runder Planet mit einer einzelnen Blume darauf und viel leerer Sternenhimmel

Bei diesem Buch ist die Frage nach dem Alter aus einem besonderen Grund nicht zu beantworten: Es gibt keine maßgebliche Stelle, die eine Zahl vergeben könnte. Das Werk ist in Deutschland gemeinfrei, jeder Verlag darf es herausbringen, und jeder setzt eine eigene Empfehlung.

Unten steht, welche Fassungen es gibt, worin sie sich unterscheiden, und warum bei diesem Buch zusätzlich die Übersetzung eine Rolle spielt. Der berühmteste Satz lautet je nach Ausgabe anders.

Hintergrund

Die Kurzfassung

  • Die Verlage geben zwischen 4 und 10 an. Eine Bilderbuchfassung startet bei vier Jahren, gekürzte Ausgaben bei sechs, der vollständige Text je nach Verlag deutlich später. Alle Angaben sind gleich gültig, weil keine Instanz über den anderen steht.
  • Es ist auch ein Erwachsenenbuch. Die Widmung richtet sich ausdrücklich an einen Erwachsenen, und die philosophische Ebene ist keine Zugabe. Eine Ausgabe von Peter Sloterdijk betont genau diese Lesart gegen die Kinderbuchrezeption.
  • Die Übersetzung verändert den Ton. Die Standardfassung von Grete und Josef Leitgeb prägt den deutschen Klang seit 1950. Hans Magnus Enzensberger übersetzt denselben Satz deutlich alltagssprachlicher. Beide Fassungen sind lieferbar.
  • Es erschien zuerst in den USA. Saint-Exupéry lebte im Exil in New York, als das Buch entstand. Er selbst verschwand am 31. Juli 1944 über dem Mittelmeer und hat den Erfolg seines Buches nie erlebt.
Der Inhalt

Worum es geht

Ein Flieger strandet in der Wüste. Dort trifft er einen kleinen Jungen, der von einem sehr kleinen Planeten kommt, auf dem eine einzige Rose wächst. Der Junge erzählt von seiner Reise über andere Planeten, auf denen jeweils ein Erwachsener wohnt, der etwas Sinnloses sehr ernst nimmt: ein König ohne Untertanen, ein Geschäftsmann, der Sterne zählt, ein Laternenanzünder.

Für Kinder ist das eine Reise mit merkwürdigen Begegnungen. Für Erwachsene ist es eine Aufzählung dessen, was sie selbst tun. Genau aus dieser doppelten Lesbarkeit entsteht die Schwierigkeit mit dem Alter.

Konkret

Welche Ausgabe zu welchem Alter

Ab 4 Jahren: die Bilderbuchfassungen. Sie erzählen die Begegnung nach und lassen die philosophischen Kapitel weg. Das ist eine eigene Bearbeitung, kein gekürzter Originaltext.

Ab 6 Jahren: die gekürzten Ausgaben. Der Originaltext, aber gestrafft, meist mit den Zeichnungen des Autors. Zum Vorlesen brauchbar.

Ab etwa 10 Jahren: der vollständige Text. Hier greift die eigentliche Schwierigkeit. Die Sprache ist einfach, aber die Kapitel mit den Erwachsenen auf ihren Planeten sind Satire, und Satire setzt voraus, dass man die Sache kennt, über die gespottet wird. Ein Kind, das noch nie jemanden getroffen hat, der zwanghaft zählt, liest dort eine harmlose Episode.

Und der Tod am Schluss. Der kleine Prinz lässt sich von einer Schlange beißen, um zurückzukehren. Das wird nie ausgesprochen und ist deshalb für manche Kinder unauffällig und für andere sehr beunruhigend. Wer vorliest, sollte den Schluss vorher kennen.

Die Fassungen

Welche Übersetzung, und warum das hier zählt

Seit das Werk in Deutschland gemeinfrei ist, sind mehrere Neuübersetzungen erschienen. Am berühmtesten ist der Satz über das Wesentliche, und er zeigt den Unterschied am deutlichsten.

Bei Grete und Josef Leitgeb, der Fassung von 1950, heißt es: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Das ist der Wortlaut, den die meisten Erwachsenen im Kopf haben.

Bei Hans Magnus Enzensberger lautet dieselbe Stelle: „Man begreift gar nichts, wenn das Herz nicht dabei ist. Das, worauf es ankommt, ist mit bloßem Auge nicht zu sehen.“ Näher an der Alltagssprache, und für Kinder vermutlich verständlicher.

Eine literaturkritische Übersicht hält die Leitgeb-Fassung für stellenweise kompliziert und künstlich, und sie ist trotzdem seit über siebzig Jahren die meistverkaufte. Wer das Buch verschenkt, sollte einmal in die Ausgabe hineinsehen, statt nach dem Umschlag zu entscheiden.

Einordnung

Worüber diskutiert wird

Ist es überhaupt ein Kinderbuch? Das ist die eigentliche Streitfrage. Die Widmung richtet sich an einen erwachsenen Freund, und Saint-Exupéry entschuldigt sich darin dafür, ein Kinderbuch einem Erwachsenen zu widmen. Ausgaben wie die von Peter Sloterdijk stellen die philosophische Lesart ausdrücklich in den Vordergrund.

Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Zur Zahl der Sprachen kursieren 382 und 618, je nach Erhebungsmethode. Zu den Verkaufszahlen fanden wir keine Quelle, die unseren Ansprüchen genügt. Wir nennen deshalb keine Gesamtzahl. Belegt ist, dass allein die deutsche Leitgeb-Fassung elf Millionen Mal verkauft wurde.

Und der Tod des Autors. Saint-Exupéry startete am 31. Juli 1944 zu einem Aufklärungsflug und kehrte nicht zurück. 1998 fand ein Fischer sein Armband, 2000 wurden Wrackteile geortet. Ob er abgeschossen wurde, einen technischen Defekt hatte oder sein Ende selbst suchte, ist bis heute nicht entschieden.

Fragen

Häufig gefragt

Ab welchem Alter ist Der kleine Prinz geeignet?

Darauf gibt es keine verbindliche Antwort, weil das Werk gemeinfrei ist und jeder Verlag eine eigene Empfehlung setzt. Die Angaben reichen von vier Jahren bei Bilderbuchfassungen über sechs bei gekürzten Ausgaben bis zu zehn und darüber beim vollständigen Text.

Warum gibt es so viele verschiedene Ausgaben?

Weil die Schutzfrist in Deutschland abgelaufen ist. Seither darf jeder Verlag das Werk herausbringen, neu übersetzen und mit eigener Altersempfehlung versehen. In Frankreich gilt wegen einer Sonderregelung für im Krieg Gefallene eine längere Frist.

Welche Übersetzung ist die beste?

Das hängt davon ab, was Sie suchen. Die Fassung von Grete und Josef Leitgeb aus dem Jahr 1950 ist die vertraute, deren Sätze viele Erwachsene auswendig können. Die Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger ist näher an der Alltagssprache und für Kinder vermutlich zugänglicher.

Ist es ein Kinderbuch oder ein Buch für Erwachsene?

Beides, und darüber wird seit Jahrzehnten diskutiert. Die Widmung richtet sich ausdrücklich an einen Erwachsenen. Kinder lesen eine Reise mit merkwürdigen Begegnungen, Erwachsene eine Satire auf sich selbst.

Stirbt der kleine Prinz am Ende?

Er lässt sich von einer Schlange beißen, um auf seinen Planeten zurückzukehren. Ausgesprochen wird es nie. Manche Kinder überlesen das, andere beschäftigt es sehr. Wer vorliest, sollte den Schluss vorher kennen.

Belege

Quellen

  1. 1.relue, Rezensionsübersicht: Sieben auf einen Streich, welchen Prinzen hätten Sie denn gerne.Belegt: Der Vergleich der deutschen Übersetzungen, der Wortlaut der Schlüsselstelle bei Leitgeb und bei Enzensberger, und die Kritik an der Leitgeb-Fassung als stellenweise kompliziert und künstlich.
  2. 2.literaturkritik.de: zur Ausgabe von Peter Sloterdijk und Nicolas Mahler.Belegt: Die ausdrückliche Betonung der philosophischen Lesart gegenüber der Kinderbuchrezeption.
  3. 3.Wikipedia: Der kleine Prinz.Belegt: Die Übersicht über Ausgaben und Übersetzungen. Als einzige zusammenfassende Quelle herangezogen und deshalb ausdrücklich als Wikipedia gekennzeichnet.
  4. 4.Wikipedia: Antoine de Saint-Exupéry.Belegt: Geburt am 29. Juni 1900 in Lyon, das Verschwinden am 31. Juli 1944 über dem Mittelmeer, der Fund des Armbands 1998 und der Wrackteile im Jahr 2000. Ebenfalls als Wikipedia gekennzeichnet.
  5. 5.Der Tagesspiegel: Rätsel um Saint-Exupéry angeblich gelöst.Belegt: Dass die Abschussthese eines deutschen Piloten in der Presse selbst als „angeblich“ und nicht als gesichert behandelt wird.
  6. 6.uepo.de: Die meistübersetzten Bücher.Belegt: Die Angabe von 382 Sprachen aus einer Erhebung, die religiöse Werke und Bilderbücher ausschließt. Eine andere verbreitete Angabe nennt 618, die Differenz erklärt sich aus der Zählmethode.

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